Nur 35 % der Klinken halten sich an Einzeldosis

Cytotec wird auch im Klinikum Starnberg verabreicht: DGGG schaltet sich wegen negativer Berichterstattung ein

+
Auch das Klinikum Starnberg verabreicht Cytotec nach entsprechender Aufklärung der Patientinnen sowie unter strenger Beachtung der Risikofaktoren.

Starnberg – In Deutschland wird eine Tablette namens Cytotec zur Geburtseinleitung eingesetzt. Diese wurde allerdings nie für diesen Zweck zugelassen. Der BR und die SZ berichteten kürzlich, dass es zu schweren Komplikationen für Mutter und Kind kommen kann. Auch am Klinikum in Starnberg wird das Mittel eingesetzt. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. kritisiert nun unter anderem die Berichterstattungen. 

„Wir verwenden Cytotec sehr erfolgreich seit vielen Jahren und nach entsprechender Aufklärung der Patientinnen sowie unter strenger Beachtung der Risikofaktoren“, so Professor Dr. Christoph Anthuber, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Starnberg.

Nun schaltete sich unter anderem auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) (https://www.dggg.de/presse-news/pressemitteilungen/mitteilung/stellungnahme-zur-berichterstattung-ueber-cytotec-zur-geburtseinleitung-1168/) ein und gab eine Stellungnahme zu den Berichten ab. „Es ist richtig, dass ‚Cytotec 200‘ ein Medikament ist, das zum Schutz der Schleimhaut des Magens zugelassen wurde. Der Wirkstoff „Misoprostol“, ein Prostaglandin-E1-Analogon, hat wie andere Wirkstoffe auch Effekte an verschiedenen Organen. Es führt so zum Beispiel an der Gebärmutter zu einer Reifung des Gebärmutterhalses und Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, weshalb es auch zur Geburtseinleitung verwendet wird. Entgegen der Berichterstattung ist der Wirkstoff Misoprostol zur Geburtseinleitung bei Experten nicht umstritten, weshalb fast alle Perinatalzentren höchster Ordnung diesen Wirkstoff verwenden. Hierbei wird nicht „Cytotec 200“ genutzt, sondern ein Misoprostol-Präparat geringerer Dosierung. Die Behauptung, dass sich die Ärzte hierbei lediglich auf „Erfahrungswerte und Anwendungsbeobachtungen stützen“, ist falsch; es gibt keinen Wirkstoff zur Geburtseinleitung, der ähnlich gut in Studien untersucht wurde!“ 

In Einzelfällen darf Misoprostol nicht verwendet werden

Weiter heißt es: In der Berichterstattung wurde von „in seltenen Fällen verstarben Mütter, nachdem ihre Gebärmutter nach der Gabe von Cytotec gerissen war“ gesprochen und sogar von „vielen mütterlichen Todesfällen“ und „mehrere Babys verstarben“ war die Rede. Diese Einzelfälle betreffen vor allem Geburten, bei denen im Vorfeld eine Operation der Gebärmutter (Kaiserschnitt, Entfernung von Myomen oder Endometriose) erfolgte. Hier gibt es unabhängig von einer Geburtseinleitung immer das Risiko, dass es zu einer Uterusruptur mit entsprechendem erhöhtem Risiko für Mutter und Kind kommen kann. In dieser Situation darf Misoprostol nicht zur Geburtseinleitung verwendet werden, was seit vielen Jahren bekannt ist und im klinischen Alltag beachtet werden muss. Ebenso dürfen Misoprostol und Dinoproston nicht gegeben werden, wenn Wehentätigkeit vorhanden ist, da dies zu Überstimulationen, „Wehenstürmen“, führen kann.

35 Prozent halten sich an Einzeldosis  

Wolfang Lütje, Chefarzt des Geburtszentrums am Ev. Amalie Sieveking Kranken­haus in Hamburg, hielte es für eine Katastrophe, wenn man aufgrund der Presseberich­te nun eine Substanz wie Misoprostol fälschlich in Misskredit brächte und aus der Ge­burtshilfe verbanne. „Misoprostol ist sicher, wenn es richtig angewendet wird. Die Problematik ist nicht eine der Substanz, sondern eine der Anwendung“, betont der Geburtshelfer. Oft würde es in viel zu enger Taktung gegeben, statt geduldiger abzu­warten, wie eine Schwangere auf die erste Gabe reagiere, kritisiert Lütje. Dass die Anwendung hierzulande höchst uneinheitlich erfolgt, belegt schon eine Unter­suchung der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie Aachen aus dem Jahr 2013. 65 Prozent der Kliniken, die an der Befragung teilnahmen, setzten Misoprostol zur Geburts­ein­leitung ein. Allerdings hielten sich von diesen lediglich 35 Prozent an die von der WHO und DGGG empfohlene Einzeldosis von 25 µg. Und nur 2,5 Prozent dieser Kliniken verzichten im weiteren Verlauf auf eine Dosissteigerung."

Von Alma Jazbec

Auch interessant

Meistgelesen

Die Abfallentsorgung verschiebt sich während der Osterferien, Wertstoffhöfe bleiben bis auf weiteres geschlossen!
Die Abfallentsorgung verschiebt sich während der Osterferien, Wertstoffhöfe bleiben bis auf weiteres geschlossen!
Der Sieg ist ihm nicht mehr zu nehmen: Stefan Frey wird neuer Starnberger Landrat
Der Sieg ist ihm nicht mehr zu nehmen: Stefan Frey wird neuer Starnberger Landrat
Corona-Einsätze der Polizeiinspektionen: Zu viele Besucher an Starnberger- und Ammersee
Corona-Einsätze der Polizeiinspektionen: Zu viele Besucher an Starnberger- und Ammersee
Krisendienst Psychiatrie unterstützt mit telefonischer und aufsuchender Hilfe
Krisendienst Psychiatrie unterstützt mit telefonischer und aufsuchender Hilfe

Kommentare