Trotz Ablehnung der Tekturänderung

Dialogbereitschaft von Investor und Stadt beim Projekt „Goldenes Dachl“ an der Starnberger Hauptstraße

Die Bauarbeiten an einem Neubauprojekt nahe dem Alten Starnberger Rathaus sind im vollen Gange.
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Die Bauarbeiten an einem Neubauprojekt nahe dem Alten Starnberger Rathaus sind im vollen Gange.

Starnberg - Weil das Grundstück an Starnbergs Hauptstraße 12 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alten Rathaus liegt und die Stadt gleich nebendran ihrerseits bestimmte Gestaltungspläne hat (wir berichteten), wird das Bauvorhaben des benachbarten Investors von den Stadträt/Innen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt – doch es scheint hüben und drüben Dialogbereitschaft zu geben.

Dort wo vor mehr als einem Jahr das sogenannte „Kanonenhaus“ vor dem Abriss durch künstlerische Gestaltung und Illumination noch einmal die Blicke auf sich gezogen hatte, befindet sich nun schon seit längerem eine große Baugrube, was wiederum einzelne Stadträte schon dazu veranlasst hatte zu spekulieren, ob dem Investor womöglich das Geld ausgegangen sei. Doch dem ist überhaupt nicht so - das Neubau-Projekt „Goldenes Dachl“ der Firma „Luxury M“ hat vor kurzem mit den Erdarbeiten begonnen und dazu einen Antrag auf Änderung der bereits 2018 genehmigten Tektur eingereicht: Demnach sollen statt bislang sechs geplanter Wohneinheiten acht entstehen, Fenster zwecks besseren Lichteinfalls „leicht angeschrägt“ und bis auf Bodentiefe vergrößert werden und zur Hangseite des Schlossbergs hin Terrassen und Balkone hinzukommen. Im Gespräch mit dem „Starnberger Merkur“ erläuterte der Geschäftsführer von „Luxury M“, Michael Mükusch seine Überlegungen: „Wir müssen Lebensraum schaffen für Menschen, die länger zu Hause bleiben wollen oder müssen“ – deshalb gehe „Funktion vor Design“.

Im Bauausschuss schien zwar ein grundsätzliches Wohlwollen gegenüber den Plänen vorzuherrschen, doch gab es wegen der durchaus zahlreichen Änderungswünsche des Investors bei der jüngsten Sitzung erst mal eine 4:8-Ablehnung. Der beabsichtigte Wegfall der ursprünglichen Pellet-Heizung etwa stieß wenig überraschend dem Grünen Franz Sengl sauer auf: „Das wir also doch komplett konventionell?“, fragte Sengl und mahnte sogleich, man dürfe „auf gar keinen Fall“ eine umweltschädliche Luft-Wärme-Pumpe als Beheizungsart für das Gebäude zulassen. Christiane Falk (SPD) wiederum sorgte sich, dass es „möglichst keine Abgrenzung“ zum Grundstück der Stadt geben solle, und wünschte sich vielmehr „Harmonie“ zwischen den Gebäuden und Flächen: „Die Gauben-Fenster im Obergeschoss sehen wie Schießscharten aus“, übte Falk zudem noch ästhetische Kritik. 

Während Stadtbaumeister das seiner Ansicht nach nur „leicht modifizierte“ Vorhaben als „qualitätsvoll und ambitioniert“ adelte, betrachtete Franz Heidinger (BLS) die ganzen Änderungen mit Argwohn: „Das läuft ja völlig konträr zu unserem barrierefreien Vorhaben und zu den Aufzügen!“ (Anm. d. Red.: Die Stadt plant eine Neugestaltung des Vorplatzes am Alten Rathaus und ein bis zwei Aufzüge zur Überwindung des großen Höhenunterschieds zum Schlossberg) Weinl suchte zu beschwichtigen: „Beide Varianten aus der Machbarkeitsstudie sind weiterhin umsetzbar, das ist sicher-gestellt.“ Ludwig Jägerhuber (CSU) empfahl der Stadt in Anbetracht der Befreiungswünsche, „flexibel zu bleiben“ – zwar würden geltende Baugrenzen durch die Balkone überschritten, doch bei einer sonstigen Rücknahme der Baulinie wäre dies zu verschmerzen. Der zwischen dem „Goldenen Dachl“-Bau und dem Alten Rathaus verlaufende Weg soll nach dem Willen des Investors ein wenig breiter werden, hier ist bei der Außenbereichsplanung auch an Sitzflächen und Pflanzbeete gedacht, was wiederum Jägerhuber nicht sonderlich gefiel. 

Die 2.Bürgermeisterin Angelika Kammerl (ebenfalls CSU) war hingegen der Meinung, die Fassadengestaltung habe „durch die Überarbeitung gewonnen“. Doch auch sie ergänzte unisono mit Ratskollegin Falk, wegen der „hin gequetschten Notlösung Hochbeet“ solle man noch mal mit dem Baumeister reden.

In Anbetracht all dieser Nörgeleien an der äußeren Gestaltung erinnerte Rathauschef Patrick Janik (UWG) dann wieder einmal daran, dass das Landratsamt „nur die planungsrechtliche Zulässigkeit“ abprüfen werde, nicht aber die Gebäudeästhetik.
Danach scheiterte erst ein eigener Antrag von Eva Pfister (BMS) auf Genehmigung der Tektur-Änderung, dann bekam der von der Verwaltung formulierte eine Mehrheit von 8:4-Stimmen. Es wurde damit festgestellt: „Die Grundzüge der Planung (Bebauungsplan) wären von den beantragten Befreiungen berührt.“ Man wird wohl miteinander sprechen müssen – Investor und Stadt haben die Bereitschaft dazu bereits signalisiert.

Thomas Lochte

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