Wie dick ist die Made?

In Augenschein nahm kürzlich Verwaltungsrichter Volker Berberich den umstrittenen Standort Jaudesberg, auch Königsberg genannt. Auf der Fläche zwischen Breitbrunn und Schlagenhofen soll ein 32,5 Meter hoher Funkmast für bessere Mobilfunkverbindungen sorgen (wir berichteten). Dagegen laufen die Gemeinde Inning und eine Bürgerinitiative Sturm. Nun soll E-Plus den Beweis erbringen, dass ein Alternativ-Standort an der Autobahn München-Lindau nicht geeignet ist.

Plakate wiesen am Donnerstag nicht nur interessierten Bürgern den Weg zu einer Lichtung mitten im Wald. Auch das Richtergremium und Vertreter von E-Plus spürten, dass denn Mobilfunkgegnern selbst nach zehn Jahren Widerstand nicht die Luft ausgeht. „Wir hatten viel mehr Plakate aufgehängt. Die wurden leider alle, bis auf ein paar wenige, entfernt. Von wem, wissen wir nicht“, sagte Getraud Köhler, Vorsitzende der Initiative „Kein Funkmast am Königsberg“. Hinter dieser Forderung steht auch die Gemeinde Inning, die einen entsprechenden Bauantrag abgelehnt hatte. Die Genehmigung allerdings wurde durch das Landratsamt ersetzt. Als Entschädigung sollte E-Plus 9.000 Euro zahlen. Doch daraus wurde bisher nichts. Die Gemeinde Inning erhob Klage beim Verwaltungsgericht München. Richter Volker Berberich stellte bei der Verhandlung im Freien fest, dass es sich bei dem Standort landschaftlich um den höchsten Punkt in der Umgebung handelt. Bürgermeister Werner Röslmair wies außerdem darauf hin, dass die Europa-Kapelle nur 300 Meter entfernt liegt und sowohl für Passagiere der Ammersee-Schifffahrt als auch für Touristen drüberhalb des Ammersees weithin sichtbar ist. „Wir leben vom Tourismus. Der Funkturm aber würde das Bild erheblich stören“, merkte Röslmair an. „Was spricht gegen die Alternative am Dachsberg“, wollte der Richter wissen. Das Argument von Christian Preetz, Anwalt von E-Plus, dass eine Aufstockung des bereits bestehenden Funkmastes am Dachsberg rund eine halbe Million Euro kosten wird, und dass dies zu teuer sei, lies Berberich nicht gelten. Außerdem kritisierte er, dass es eine „echte Standortüberprüfung“ bisher nicht gegeben habe. „Es wird alles sehr schnell abgehakt, ohne konkrete Gründe zu nennen. Das ist für mich, leger gesagt, alles nur Wischewasche“, sagte er unter Beifall der rund 30 Mobilfunkgegner. Des Weiteren merkte er an, dass es zwar legitim ist, dass E-Plus den Standort Jaudesberg favorisiert, für den bereits die Zustimmung durch den Grundstücksbesitzer Graf von Toerring vorliegt. „Alles andere aber wird madig gemacht. Das ist klar. Doch wie dick die Made ist, das muss erst noch festgestellt werden.“ Das Richtergremium gab deshalb dem Antrag des Gemeindeanwalts Frank Sommer statt und stimmte einer Beweisführung zu. Zwar wurde der weitergehende Antrag, mehrere Alternativ-Standorte zu prüfen abgelehnt. Doch der Standort Dachsberg an der Autobahn soll nun durch einen neutralen Gutachter bewertet werden. Dort steht bereits ein Mast mit 40 Metern Höhe. Laut Berberich soll geprüft werden, ob die Höhe ausreicht, ob aufgestockt werden oder eventuell sogar neu gebaut werden muss. Stellt sich heraus, dass der Standort tatsächlich, wie von E-Plus vorgegeben, ungeeignet ist, wird neu verhandelt. Zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlung zeigten sich nicht nur die Mobilfunkgegner. Auch Bürgermeister Werner Röslmair fiel ein Stein vom Herzen. „Wir haben zum einen Zeit gewonnen. Auf der anderen Seite aber hat der Richter durchblicken lassen, dass am Dachsberg eventuell nur wenige Meter aufgestockt werden müssen. Das ist unsere Chance.“

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