1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Starnberg

Die Polizei nimmt im Landkreis Starnberg die Raser in den Blick

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Zahl der Verkehrssünder steigt im Landkreis Starnberg. Viele sind zu schnell unterwegs.
Die Zahl der Verkehrssünder steigt im Landkreis Starnberg. Viele sind zu schnell unterwegs. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Landkreis - Wie die Verkehrs- und Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2021 im Landkreis Starnberg zeigt, bewegen sich die Unfallzahlen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. In einigen Bereichen gibt es jedoch deutliche Abweichungen. Welche Gegenmaßnahmen die Polizei ergreift.

Im Vergleich der vergangenen zehn Jahre sind die Zahlen deutlich niedriger als vor Beginn der Pandemie, der im vergangenen Jahr aufgrund des lange andauernden „Lockdown“ ein starker Rückgang zugeschrieben wurde. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass sich der Abwärtstrend der verletzten Personen weiter fortgesetzt und nun erneut einen Zehn-Jahres-Tiefstand erreicht hat, meldet die Polizei. Entgegen dem rückläufigen Trend der Gesamtzahl an verletzten Verkehrsteilnehmern pendelt die Anzahl der schwer verletzten Personen in den vergangenen zehn Jahren auf ähnlichem Stand. Hier ist die nicht angepasste Geschwindigkeit weiterhin die Hauptunfallursache.

Geschwindigkeit der Autofahrer wird überwacht

Die Polizeidienststellen im Landkreis werden deshalb weiterhin ihr Augenmerk auf die Überwachung der Geschwindigkeit legen. Auch Alkohol- und Drogenkontrollen sowie die Kontrolle der Gurtanlegepflicht werden weiterhin erfolgen. Zudem sieht der Bußgeldkatalog seit dem vergangenen Herbst höhere Ahndungssätze für diejenigen vor, die die erforderliche Rücksicht auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer vermissen lassen. Deshalb wird unter anderem das Parken auf Geh- und Radwegen ebenso konsequent überwacht und geahndet werden wie die verbotswidrige Nutzung der Gehwege durch Radfahrer. Weiterhin werden die Polizeidienststellen des Landkreises gerade in den Sommermonaten Wert auf die Freihaltung von Rettungswegen legen.

Unfallgeschehen im Landkreis Starnberg im Vergleich des Jahres 2021 zu 2020

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle blieb im Jahr 2021 auf Vorjahresniveau. Waren im Jahr 2020 3.767 Verkehrsunfälle zu verzeichnen, so wurden im vergangenen Jahr lediglich elf Verkehrsunfälle mehr aufgenommen. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit getöteten Personen sank mit drei Unfällen wieder auf das Niveau des Jahres 2017 (2020: 5), die Unfälle mit verletzten Verkehrsteilnehmern gingen um 6,46 Prozent zurück (508 im Jahr 2021 zu 542 im Jahr 2020).

Einhergehend mit der fallenden Anzahl an Verkehrsunfällen mit Personenschaden ging auch die Gesamtzahl der Verletzten zurück. Auch wenn dieser Rückgang mit drei Prozent anteilig geringer ausfiel als bei den Unfällen mit Personenschaden, liegt sie mit 615

verletzten Personen (2020: 633) deutlich unter den Werten der vergangenen zehn Jahre. Die Zahl der schwer verletzten Personen mit Klinikaufenthalt von mindestens 24 Stunden ist im vergangenen Jahr wieder auf den Stand von 2019 gestiegen (110 zu 120 Personen, plus 9,09 Prozent). Die Anzahl der qualifizierten Verkehrsunfälle mit Verletzten, Straftat oder Ordnungswidrigkeit im Bußgeldbereich erhöhte sich leicht um 2,5 Prozent von 1.608 auf 1.649.

Bei den Verkehrsunfällen, die im Kurzaufnahmeverfahren aufgenommen wurden - das sind solche, bei denen eine Ahndung mit Verwarnungsgeld erfolgt - ist ein minimaler Rückgang um 1,4 Prozent festzustellen (2.159 auf 2.129). Hier ist die Zahl der Wildunfälle beinhaltet, die nach einem zuletzt deutlichen Rückgang nun wieder um 11,5 Prozent auf 581 anstieg (2020: 521).

Verkehrsunfälle mit Unfallflucht im Landkreis Starnberg

Die Polizeiinspektionen im Landkreis Starnberg bearbeiteten im Jahr 2021 insgesamt 864 Verkehrsunfallfluchten (2020: 848). Der Anstieg von 1,89 Prozent liegt damit zwar über der Tendenz der Gesamtunfallzahlen, der Wert bewegt sich aber immer noch weit unter dem Zehn-Jahres-Schnitt. Die Aufklärungsquote ist dem Delikt entsprechend niedrig, lediglich bei 349 dieser Unfälle konnten die Verursacher ermittelt werden (40,4 Prozent), was allerdings im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Steigerung der Aufklärungsquote bedeutet (2020: 39,5 Prozent). Der Anteil der Unfallfluchten, bei denen zuvor eine Person verletzt wurde, stieg erneut an (2020: 34 - 2021: 40). Besonders gravierend ist, dass in acht Fällen die Verursacher flüchteten, obwohl eine andere Person schwer verletzt wurde.

Weniger Verkehrsunfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss Erfreulicherweise sank die Anzahl der Unfälle, bei denen die Verursacher unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen standen, im Vergleich deutlich. Während im Jahr 2020 bei 47 Verkehrsteilnehmern ein Einfluss von Alkohol und bei 5 Person Drogenbeeinflussung festgestellt wurde, so waren im Jahr 2021 35 Alkohol- und 1 Drogenunfall zu verzeichnen (minus 25,5 Prozent Alkohol, minus 80 Prozent Drogen). Bei 8 der alkoholbedingten Unfälle, also etwa 23 %, versuchten die Fahrer noch, sich durch ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort dem kommenden Strafverfahren zu entziehen. Zu Schaden kamen bei 17 der alkohol- oder drogenbedingten Unfälle insgesamt 29 Personen (2020: 21). Keiner der tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer ist auf Alkohol oder Drogen zurückzuführen.

Verkehrsunfälle mit der Ursache Geschwindigkeit

Der Zahl der Verkehrsunfälle, die durch nicht angepasste Geschwindigkeit verursacht wurden, ist enorm angestiegen. Mit 196 Verkehrsunfällen (2020: 118, plus 66 Prozent) liegt diese Zahl auf dem Niveau von vor zehn Jahren. Besonders stark ist der Anstieg dieser Unfälle außerhalb geschlossener Ortschaften ausgefallen. Mit 152 Geschwindigkeitsunfällen außerorts liegt die Zahl fast doppelt so hoch wie im Vorjahr (83). Innerhalb geschlossener Ortschaften kam es zu 44 solcher Verkehrsunfälle (2020: 35), eine Steigerung um 25,7 Prozent. Mit der höheren Zahl an Geschwindigkeitsunfällen hat sich auch die Zahl der bei diesen Unfällen verletzten Personen erhöht, wenn auch nicht im gleichen Maße. Im Jahr 2021 wurden 95 Personen aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit verletzt, und somit 18,75 % mehr als im Vorjahr (80) Leider ist auch einer der Unfalltoten auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Zu den genannten Geschwindigkeitsunfällen ist anzumerken, dass hier keineswegs immer die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten wurde. Auch Unfälle, bei denen Verkehrsteilnehmer z.B. bei Nässe, Schnee oder Eis ins Rutschen kommen, fallen genauso hierunter, wie Fahrzeugführer, die aufgrund ihrer Geschwindigkeit aus der Kurve getragen werden.

Die Zahl der Schulwegunfälle stieg von 5 auf 7 an. Die Anzahl der Verletzten liegt ebenfalls bei 7, was in der Definition eines Schulwegunfalls begründet ist (Verkehrsunfall, bei dem Schülerinnen oder Schüler bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres auf dem Weg von und zu einer schulischen Veranstaltung […] verletzt wurde).

Mehr junge Erwachsene in Unfälle verwickelt

Die Anzahl der jungen Erwachsenen im Unfallgeschehen des Landkreises erhöhte sich um etwa 5,5 Prozent. 238 Unfällen im Jahr 2020 stehen 251 im Jahr 2021 gegenüber. Dies ist aber immer noch wesentlich niedriger als in den Vor-Corona-Jahren. Die Quote der Verkehrsunfälle, die tatsächlich von jungen Erwachsenen verursacht wurden, ging leicht auf 57 % zurück (143). Die Beteiligung von Senioren an Verkehrsunfällen stieg im vergangenen Jahr an. Hier ist eine Steigerung von knapp über 10 Prozent zu verzeichnen (2020: 411; 2021: 454). Damit stieg auch die Anzahl der verletzten und getöteten Senioren: Während im Jahr 2020 -107- Personen dieser Altersgruppe verletzt wurden, waren es 2021 -113- Menschen (plus 5,6 Prozent), einer der beteiligten Senioren kam ums Leben.

51 Verkehrsunfälle mit Motorrädern

Im Jahr 2021 ereigneten sich 51 Verkehrsunfälle mit Motorrädern (hierzu gehören auch Leichtkrafträder und Roller > 50 cmM) und damit deutlich weniger Unfälle als im Jahr zuvor (62; -17,74 Prozent). In etwas mehr als der Hälfte der Fälle (29) sind die Fahrer auch die Hauptverursacher gewesen. Verletzt wurden 43 Kradfahrer, das ist ein Rückgang um 12,24% (2020: 49 Verletzte). Leider kam im Jahr 2021 auch ein Motorradfahrer ums Leben (2020: 2).

Verkehrsunfälle mit Radfahrern nehmen ab

Nach einem übergroßen Anstieg der Unfälle mit Rad Fahrenden und einem 10-Jahres-Hoch im vergangenen Jahr (288) nahm die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern im Jahr 2021 ab (2021: 254; -11,81 Prozent). Bei diesen Unfällen wurden 243 Radler verletzt, was einen Rückgang um 13,21 fProzent bedeutet. Weiterhin hoch ist die Quote der Rad Fahrenden, die selbst die Ursache setzten. Mit 184 Unfällen ist diese Gruppe für über drei Viertel ihrer Unfälle verantwortlich. Die Zahl der Fahrradunfälle ohne Fremdbeteiligung ging im Vergleich zum Vorjahr zurück. An Unfällen allein beteiligt waren 122 Radfahrer (2020: 151), 25 hiervon waren mit Pedelecs unterwegs (2020: 22).

Elektrokleinstfahrzeuge, so genannte E-Scooter, spielen in der Unfallstatistik kaum eine Rolle. Im Jahr 2021 waren im gesamten Landkreis Starnberg wie im Vorjahr lediglich 2 Unfälle mit diesen Fahrzeugen zu verzeichnen - beides Stürze ohne Fremdbeteiligung.

Unfälle auf den Autobahnen

Auf den Autobahnen im Landkreis kam es im vergangenen Jahr zu 228 Verkehrsunfällen, was einem Rückgang von 20,28 % entspricht, wobei die Unfälle mit Verletzten zwar von 34 auf 38 anstiegen, aber immer noch unter dem Niveau der Vorjahre liegen. Bei diesen Unfällen wurden 60 Personen verletzt und damit deutlich mehr als im Jahr 2020 (43 / +39,5%). Aber auch diese Zahl liegt noch unter den Vorjahren. 9 Verkehrsteilnehmer mussten stationär im Klinikum aufgenommen werden. Wie in den Jahren zuvor kam auf den Autobahnen im Landkreis kein Verkehrsteilnehmer ums Leben. Die Verkehrsunfälle teilen sich wie folgt auf: A 96: 139 Unfälle ( minus 76 bzw. minus 35,3 Prozent), 22 Unfälle (-4) mit insgesamt 33 Verletzten (-1), keine Verkehrstoten. A 95 und A 952: 89 Verkehrsunfälle (2020: 71), davon 16 Unfälle mit Personenschaden (2020: 8). Von 27 Verletzten wurden 4 stationär in einem Krankenhaus behandelt.

Geschwindigkeitsüberwachung der Polizei im Landkreis Starnberg

Bei insgesamt 208 Geschwindigkeitskontrollen mit Großgeräten (der typische „Blitzer“: Einseitensensor, Radar) haben die Beamten der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Fürstenfeldbruck 5.857 Fahrzeugführer festgestellt, die die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten hatten. Nicht berücksichtigt sind die Messungen der kommunalen Verkehrsüberwachung sowie der VPI Weilheim auf den Autobahnen 95 und 952. Die örtlichen Polizeiinspektionen führen zusätzlich Messungen mit Laser-Handmessgeräten durch. Hier kamen im Jahr 2021 im Landkreis Starnberg 243 Messungen mit 382 Einsatzstunden zustande, es wurden 839 Überschreitungen festgestellt und geahndet.

Trunkenheitsfahrten und Drogendelikte

Bei Verkehrskontrollen stellten die Beamten im Landkreis Starnberg im Jahr 2021 insgesamt bei 96 Fahrern fest, dass sie unter dem Einfluss von Alkohol standen (2020: 114). Gegen 49 Fahrzeugführer wurde ein Strafverfahren eingeleitet (Alkoholwert von mindestens 1,1 Promille oder mit Ausfallerscheinungen), 47 Fahrer mussten sich wegen einer Ordnungswidrigkeit verantworten (Alkoholwert < 1,1 Promille). Unter Drogeneinfluss wurden 12 Fahrzeugführer angetroffen. In 24 Fällen konnten die Beamten die Fahrer noch vor dem Einsteigen dazu bewegen, ihr Fahrzeug stehen zu lassen.

Oft fehlt bei Rollern die Haftpflichtversicherung

Auch wenn Elektrokleinstfahrzeuge - in der Regel handelt es sich hierbei um die so genannten eScooter - in der Unfallstatistik nahezu keine Rolle spielen, so fallen deren Fahrzeugführende immer wieder auf, was in vielen Fällen zu Strafverfahren führt. So fehlte beispielsweise bei 18 Rollern die erforderliche Haftpflichtversicherung, zwei Fahrzeugführer standen während der Fahrt unter Alkohol- und einer unter Drogeneinfluss.

Fünf Polizeiinspektionen im Landkreis Starnberg

Der Landkreis Starnberg wird von insgesamt 5 Polizeiinspektionen (PI) betreut, dies sind die PI Gauting, PI Herrsching, PI Starnberg, die PI Germering für den Gemeindebereich Gilching sowie die PI 46 (Planegg) für Krailling und Stockdorf. Die Zuständigkeit für die Autobahnen im Landkreis liegt bei den Verkehrspolizeiinspektionen Fürstenfeldbruck (A 96) sowie Weilheim i. OB. (A 95 und A 952).

Auch interessant

Kommentare