Neues aus dem Stadtrat

Die Radwege des Herrn sind unergründlich: Starnberger Stadtrat diskutiert über örtliche Radinfrastruktur und anhaltende Parkraum-Problematik

Radler
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Das Radschnellwegkonzept in Richtung München stößt bei der Starnberger Stadtverwaltung auf Kritik. Grund hierfür ist die zu erwartende finanzielle Last von fast 7 Millionen Euro, die bei einer Realisierung der Verbindungsstrecke auf die Stadt zukäme (Symbolbild).

Starnberg - Ein vom Landkreis angeregter Radschnellweg nach München für geschätzt 18,9 Mio. Euro war Thema im Mobilitätsausschuss des Starnberger Stadtrats. Die Idee, eines Tages mit dem Rad in rund 40 Minuten vom Starnberg aus die Landeshauptstadt erreichen zu können (Landkreis-Streckenanteil 15,5 Kilometer), wurde im Ausschuss zwar allseits begrüßt, doch gab es an Einzelheiten der Machbarkeitsstudie noch einiges auszusetzen. Auf die Stadt kämen in ihrem Hoheitsgebiet immerhin Kosten von 6,8 Mio. Euro zu, wobei man auf Entlastung durch Fördergelder hoffen dürfte.

Die von des Verkehrsmanagerin des Kreises, Susanne Münster, gemeinsam mit Dr. Monika Schwarzhuber vorgestellte Studie ist zwar erklärtermaßen nur eine „Basis“ für weitere, konkretere Überlegungen, allerdings hat die Stadtverwaltung hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit gewisse Bedenken: Für die Strecke Starnberg-Gut Rieden-Gauting-Krailling-München sieht die sogenannte „Bestvariante“ zunächst in der Innenstadt von Starnberg ein Ringsystem vor, das die Radler über Kaiser-Wilhelm-Straße (hier würden dafür sogar Parkplätze entfallen), Bahnhofplatz, Wittelsbacherstraße und Josef-Jägerhuber-Straße in einem „Mischverkehr und in Fahrradstraßen“ führt – Kostenschätzung hierfür: 159.000 Euro. 

An den Knotenpunkten B 2/ Wittelsbacherstraße und B 2/Leutstettener Straße müssten laut Studie jeweils weitere 1,3 Mio. Euro investiert werden. Fahrradschutzstreifen entlang der Schnellweg-Abschnitte Leutstettener Straße und Riedener Weg (bereits ausgestattet) würden nochmals einen Aufwand von 20.000 Euro bedeuten. 

Obwohl die Vertreterinnen des Landratsamtes betont hatten, dass es sich bei der Schnellverbindung für die Radler um keine „Autobahn“ handeln solle, gab es Einwände: „Das ist ein Spazierweg für Familien,“ gab CSU-Stadträtin Dr. Charlotte Meyer-Bülow im Hinblick auf Teile des Riedener Wegs zu bedenken, kleine Kinder würden dort das Radfahren lernen. Tim Weidner (SPD) mahnte im Gegensatz dazu, sich nicht schon jetzt in Details zu verkämpfen. Bürgermeister Patrick Janik (UWG), dem es besser gefiele, den von Norden kommenden Radverkehr über die Gautinger Straße in die Stadt zu leiten, berichtete davon, dass nicht nur er, sondern auch andere Amtskollegen aus dem Kreis „nicht ganz zufrieden“ mit den Trassen auf ihrem Gemeindegebiet seien, doch man stehe ja noch am Anfang der Überlegungen: Mit dem Landratsamt soll die Stadt gemäß Mehrheitsbeschluss des Mobilitätsausschusses nun Gespräche führen, was vom „Radschnellweg“ machbar ist und vor allem, wo genau.

Der Ausschuss fasste auch einige Beschlüsse zur Parksituation in Starnberg: So werden, als Ergebnis einer Probebefahrung der Feuerwehr im simulierten Einsatzmodus rund um das Kreissparkassengebäude am 11.Dezember, an der Ludwigstraße (zwischen Wittelsbacherstraße und Hauptstraße) vier Parkplätze und zwei Behindertenparkplätze wegfallen – ein neuer Parkplatz für Gehandicapte wird jenseits der Tiefgaragenausfahrt Richtung Hauptstraße geschaffen. An der Wittelsbacherstraße werden nur die vordersten vier Stellplätze bleiben, einer davon künftig nur noch eingeschränkt zum Be- und Entladen. Bürgermeister Patrick Janik bezeichnete die Maßnahmen als „alternativlos“. Michael Mignoli (BLS) beklagte ebenso wie Rudolf Zirngibl (CSU), dass diese „wieder mal“ zu Lasten des Einzelhändler gingen. Mignoli beantragte, wenigstens alternative Parkplätze zu prüfen – er scheiterte damit bei Stimmengleichstand von 6:6.

Eine 8:4-Mehrheit bekam die UWG für ihren Vorschlag, in der Maximilianstraße auf Höhe der Hausnummern 2 und 22 sogenannte „Radbügel“ zu montieren, wo Radl abgestellt werden können. Die Stadt will den Erfolg der Maßnahme zwei Jahre lang beobachten und dann entscheiden, ob sie von Dauer sein soll – dadurch würden Auto-Parkplätze reduziert. Zur Verbesserung der Radinfrastruktur und zur Entschärfung von Gefahrenstellen werden auf ein CSU-Antragspaket hin (wir berichteten) an etlichen Stellen im Stadtgebiet Schutzstreifen, Markierungen und Beschilderungen optimiert. Für weitere CSU-Wünsche wie eine Radwegverbindung zwischen Perchting und Hadorf oder einen Radweg von Starnberg nach Leutstetten will die Stadt das Straßenbauamt Weilheim sensibilisieren. 

Doch vor allem der motorisierte Parksuchverkehr macht den Stadtverwaltung Kopfzerbrechen: Nachdem festgestellt wurde, dass mit der Anhebung der Parkgebühren für die Innenstadt ab 1.Oktober 2020 viele Autofahrer auf die eigentlich vor allem für ÖPNV-Nutzer gedachten Parkplätze am Bahnhof See ausweichen (Tarif pro Stunde günstiger, längere Parkdauer), wurden nun auch dort die Gebühren erhöht, um den Parkdruck wieder zu mindern – es gilt fortan zwischen 0 und 24 Uhr: Parkgebühr 2,50 Euro pro angefangener Stunde, Höchstparkdauer vier Stunden (statt bisher 24).

Thomas Lochte

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