Es dreht sich alles um die schönste Nebensache der Welt

„Die Wiederentdeckung der Liebe“: Weßlinger Verleger Anton G. Leitner stellt 28. Band seiner Jahresschrift vor

Gedicht Weßling
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Geschafft: Anton G. Leitner stellt unter dem Motto „Die Wiederentdeckung der Liebe“ die 28te Folge seiner buchstarken Jahresschrift „Das Gedicht“ vor.

Weßling - Er steuert auf einen runden Geburtstag zu: Vor 28 Jahren veröffentlichte der Verleger und Herausgeber Anton G. Leitner (59) zum ersten Mal die buchstarke Zeitschrift „Das Gedicht“. Das Motto lehnte er immer an ein aktuelles Thema. Drei Mal in Folge arbeitete er „unter Notfallbedingungen“, sagt der Lyriker. Dennoch oder vielleicht sogar gerade deswegen dreht sich heuer alles um die schönste (Neben-)Sache der Welt: „Das Gedicht“ erscheint unter dem Titel „Die Wiederentdeckung der Liebe“.

 Erst eine doppelseitige Lungenembolie, dann der Herzinfarkt: Die vergangenen zwei Jahre haben dem Weßlinger gesundheitlich schwer zugesetzt. Seit ein paar Monaten fühle er sich gesund wie nie zuvor, sagt er. Und dann kam mit einem Virus der nächste Tiefschlag. „Die Corona-Krise hat fast alles gekippt, was wir für das Jahr 2020 minutiös vorbereitet hatten“, erzählt der 59-Jährige. Erst musste er den „Lyrikstier“-Wettbewerb im „Il Plonner“ absagen, dann fiel Covid-19 die internationale „Gedicht“-Präsentation im Münchner Lyrik-Kabinett mit 40 Poetinnen und Poeten zum Opfer. Dabei wollte der Verleger 2020 „ein ganzes Feuerwerk an Lyrikveranstaltungen zünden“. Aber was tut ein Dichter in der Krise? Er dichtet! Und zwar über das, was ihn bewegt. „Ich habe mich selten so sehr nach Berührungen gesehnt, wie in den letzten Monaten“, gesteht er hinsichtlich „Distanzgebot, maskierter Mimik und Flächendesinfektion“. Maßnahmen, bei denen selbst die kleinste Romanze zur Herausforderung würde. Aber: „Wenn das Lächeln unsichtbar wird, schlägt die Stunde der Liebepoesie“, so Leitner.

 Von der 19-jährigen Anna Münkel bis zum 90-jährigen Altmeister der Wiener Schule, Gerhard Rühm, sind 184 Lyrikerinnen und Lyriker in sich gegangen und fassten die Achterbahn der Liebe in Worte. Münkel tut es mit der Schwermut der Jugend, deckt den Frühstückstisch für zwei, mietet ein Ruderboot für zwei und kauft zwei Becher Eis – um daraufhin „ganz stumm allein“ zu essen und zu rudern. Munterer betrachtet Renate Schön (Jahrgang 1931) das Liebesleben. „Fühle mich eingesperrt in meiner Haut / Na ja, er mag mich ja, so wie ich bin“, stellt sie fest. Selbst wenn „Schicht um Schicht auf Hüften, Po“ wächst. Sabine Schiffner wiederum sucht in ihren Zeilen die körperliche Nähe, ich „lehne mich an dich / und gebe mich / deiner berührung / hin“.

Wie gewohnt hat Schriftsteller Uwe-Michael Gutzschhahn das Thema „Liebe“ im Sonderteil für Kinder kindgerecht aufbereitet – und dort widmet der preisgekrönte Schweizer Autor Franz Hohler dem Nachwuchs einen Liebesreim: „Im Schatten einer Gartenhecke / Lebte eine Weinbergschnecke. // Eines Nachts kam eine Katze / Und streichelt sie mit ihrer Tatze. // Sie schnurrte zart und leis dazu. / Die Schnecke sagte langsam: „Du, / Das könnten wir doch täglich üben“.“ Zufrieden betrachtet Leitner das jüngste Werk. Er sei allen Menschen unendlich dankbar, die ihn in diesem schwierigen Jahr finanziell und seelisch unterstützt hätten, sagt er. Inständig hofft der Münchner Turmschreiber, dass die 29te Ausgabe von „Das Gedicht“ im kommenden Jahr endlich wieder unter „normaleren Umständen“ erscheinen kann – und sein 60ter Geburtstag im Juni vielleicht sogar den Wechsel vom Notfallmodus in eine neue, alte Unbeschwertheit einleitet.

Erschienen ist Band 28 von DAS GEDICHT „Die Wiederentdeckung der Liebe“ im Leitner Verlag, Weßling. Bezug für 15 Euro im Buchhandel oder portofrei unter www.dasgedicht.de

 Michèle Kirner

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