Diskussion geht weiter

Enttäuschung und Erleichterung halten sich die Waage nach der Präsentation des 3. Zwischenberichts zur Machbarkeitsstudie des südlichen Autobahnrings um München. Viele hatten erwartet, dass das umstrittene Großprojekt von den Analysten auf Basis der Daten aus der im Mai 2009 vorgestellten Studie negativ bewertet würde.

Da waren von den ursprünglich 95 Varianten eines Südrings nur acht übrig geblieben, ein stadtnaher Tunnel und sieben verschiedene Trassen durch Naherholungsgebiete im Würmtal. Und das Wichtigste: Analysen der Verkehrsströme hatten gezeigt, dass die Entlastung der heute stark befahrenen Nordumgehung durch einen Südring kaum spürbar wäre. Viele hatten gehofft, dass noch in diesem Jahr die Empfehlung der Autobahndirektion für den Bundestag in Berlin lauten würde, den Plan eines Südrings mangels Machbarkeit endgültig aufzugeben und aus dem Bundeswegplan zu streichen. Diese Entscheidung wurde nun auf das Frühjahr 2010 verschoben. Im Dezember legten die Referenten im 3. Zwischenbericht auf Basis einer detaillierten Kosten-Nutzen-Analyse einen Vergleich der acht Trassenvarianten unter den Aspekten Umwelt, Raumstruktur und Verkehrswirtschaft vor. Ergebnis: Am billigsten wäre eine Trasse durch das Grubmühler Feld bei Gauting, nach Meinung der Experten extrem umweltfeindlich und zu weit von der Stadt München entfernt. Mit geschätzten rund 400 Millionen Euro wäre eine Streckenführung durch einen stadtnahen Tunnel, da fehlt allerdings der Anschluss an bestehende Autobahnen. Als „relativ günstig“ wurde die Variante von Gräfelfing über das Gebiet zwischen Planegg und Krailling mit Autobahnanschluss in Neuried gewertet, allerdings mit dem gravierenden Nachteil des damit verbunden Flächenverbrauchs und damit notwendigen Ausgleichs. Die zu erwartende Kompensationsfläche liegt beim bis zu 1,3-fachen der Eingriffsfläche und gerodeter Bannwald müsste an anderer Stelle aufgeforstet werden. Was die Fahrzeit betrifft, schenken sich die acht untersuchten Südring-Varianten nichts – die Zeitersparnis liegt im Minutenbereich. Bis zum Frühjahr 2010 soll nun in einer Gegenüberstellung der Varianten eine Art Gewichtung erfolgen, mit der die entscheidende Frage beantwortet werden kann, ob „das Vorhaben den angestrebten Zweck“ (Verkehrsentlastung für den Nordring) erfüllen kann und ob es „wegen seiner Eingriffe in Schutzgüter“ (Umwelt) überhaupt zulässig ist. In einer Sensitivitätsanalyse soll die Beurteilungskriterien wie Kosten, Nutzen, Umwelt und technische Machbarkeit in ihrer Bedeutung gegeneinander abgewogen werden. Auf dieser Basis soll dann eine Empfehlung für den Bundestag entstehen. Die betroffenen Gemeinden im Würmtal reagierten gelassen auf das 3. Zwischenergebnis: „Es zeigt doch nur, dass ein Südring aus jeder Sichtweise unsinnig ist“, so Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst. Ihre Gautinger Amtskollegin Bürgermeisterin Brigitte Servatius meint: „Nüchtern betrachtet dürfte es das Ding nicht geben, vor allem weil wir jetzt auch wissen, dass nirgends Ausgleichflächen geschaffen werden können. Alter Käse, den man uns schon vor 30 Jahren erfolglos aufgetischt hat.“ Und Susanna Tausendfreund, Landtagsabgeordnete der Grünen, hat anhand der vorgelegten Zahlen errechnet: „Via Südring würde sich die Autobahnfahrzeit zwischen Landsberg und Rosenheim um gerade mal fünf Minuten verringern, dafür aber zwischen Landsberg und Münchner Flughafen um zweieinhalb Minuten länger dauern, weil der Verkehr auf der A99-West zunehmen würde.“ Sie hofft und erwartet wie alle im Würmtal, „dass im Frühjahr das Thema Südring endlich vom Tisch ist“.

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