Dorffrieden ist in Gefahr

Maising – Zwei Wege spalten ein Dorf. Jahrhunderte lang wurden Kirchenweg und Schlagfeldweg in Maising als Fußwegeverbindung nach dem Hauptort Pöcking genutzt. Doch das ist längst vorbei – die Wege sind nur noch teilweise vorhanden und als Trampelpfade erkennbar. Aus diesem Grund wollte die Gemeinde beide Wege aufgeben, was auf den Widerstand von einem Teil der Maisinger stieß, die für den Erhalt der ursprünglichen Wege kämpfen. Nun soll ein „Runder Tisch“ unter Leitung eines professionellen Mediators den Dorffrieden wieder herstellen.

Der Streit um die beiden alten Fußwegeverbindungen hatte sich im Frühjahr entzündet, als es um die Benennung und Beschilderung der Wanderwege ging, die von der Gemeinde neu hergerichtet worden waren. Stein des Anstoßes: Einer dieser neuen Wege sollte ebenfalls „Kirchenweg“ heißen und dem „alten“ daher die Widmung entzogen werden. Der Ärger begann: Plötzlich waren ohne Erlaubnis Schilder an den gemeindlichen Bäume angebracht – war illegal im Schilf gemäht und Bäume wiederholt mit Wegweisern besprüht worden (die Pfeile sollten Wanderer auf die „alten“ anstatt „neuen“ Wege leiten). Endgültig zur Eskalation im Dorf kam es, als die Gemeinde die Brücke über den Maisinger Bach (über die beide Wege führen) mit Hinweis auf die mangelnde Verkehrssicherheit (was der TÜV inzwischen bestätigt hat) sperrte (es ist immer noch unklar, ob die Brücke der Gemeinde gehört oder in Privatbesitz ist). Die Rathausverwaltung spricht sich wegen der hohen Ausbaukosten gegen die „Erneuerung“ von Brücke und „Wiederbelebung“ der Wege aus. Weitere Gegenargumente kommen von den Jägern sowie der Unteren Naturschutzbehörde und dem Bund Naturschutz. Letzterer will auch einem „bescheidenen Ausbau als Fußweg“ nicht zustimmen, weil die Öffnung „erheblich negative Auswirkungen auf diese sensiblen Flächen“ habe. Inzwischen sei in diesem Gebiet eine seltene Orchideenart aufgetaucht und eine Fläche als schützenswertes Biotop eingestuft worden. Ebenfalls gegen die Öffnung der nicht mehr genutzten Wege sind die Jäger. „Die Folgen eines befestigten Wanderweges durch dieses Gebiet wären für das Wild und die Natur fatal“, heißt es in einem Schreiben der Pächter der Maisinger Jagd. Erfahrungsgemäß würden Wegebenutzer auch von Hunden begleitet, was dieses Rückzugsgebiet wertlos für das Wild machen würde. Die Jäger prophezeiten, dass dann bald Wild und wassernah brütende Vögel sowie seltene Wintergäste wie Kolbenente, Tafelente, Silberreiher oder Eisvogel,die sich die Wintermonate über am offenen Bach aufhalten würden, bald verschwunden wären. Die Befürworter der ursprünglichen Wege sehen dies allerdings völlig anders. Für sie sind die beiden Fußwege ein „Stück gelebte Vergangenheit und öffentliches Gut von hohem Rang“. Wie Christoph Senning anführte, sei der Schlagfeldweg schon in Karten von 1810 und 1839 dargestellt, der untere Weg erscheine 1863. Die Wegeverbindung von der Kirche in Maising mit ihren spätromanischen Freskenresten aus dem 13. Jahrhundert über den Schlagfeldweg zur Kirche nach Pöcking stelle ein „einzigartiges ortsgeschichtliches Zeugnis ländlich bäuerlich religiösen Lebens“ dar. „Kinder aus Maising gingen und gehen nach Pöcking zur Schule und vor allem die uralten kirchlichen Beziehungen tragen zusammen mit den Wegeverbindungen sehr viel zum Zusammengehörigkeitsgefühl der beiden Orte bei“, so der Maisinger Anton Bernhard. Weil selbst der Gemeinderat bei diesem Thema in zwei Lager geteilt ist - und sich im jüngsten Hauptausschuss eine Pattsituation bei der Frage andeutete, ob die Wege nun fortbestehen sollen oder nicht - ließ Bürgermeister Rainer Schnitzler die Sitzung für eine Besprechung mit seiner Fraktion unterbrechen. Sein Vorschlag danach: Alle Beteiligten sollen sich mit einem professionellen Mediator nun an einen Runden Tisch setzen, um einen Kompromiss zu finden. Dieses Versprechen nahm er jedem einzelnen der involvierten Maisingern ab. Selbst Ortssprecher Georg Lechner gab nach viel gutem Zureden schließlich seinen anfänglichen Widerstand gegen diese Idee auf.

Auch interessant

Meistgelesen

Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus

Kommentare