Durch die Mühle gelöffelt

Der bislang auf 14.000 Quadratmetern geplante landwirtschaftliche Pferdebetrieb in Percha wird die bisherigen Baugrenzen um weitere zirka 3.500 Quadratmeter überschreiten – allein die Reithalle (bislang 2.800 Quadratmeter) darf an neuem Standort um 1.223 Quadratmeter größer werden. Für die vom Bauausschuss mit 8:5 Stimmen gewährte abermalige Flächenmehrung und etliche weitere Befreiungen verzichtet der Bauwerber im Gegenzug schriftlich auf sein Baurecht am ursprünglich vorgesehenen, stark umstrittenen „Standort 1“.

Was Bauausschussmitglieder wie Gerd Weger (CSU) oder Benno Gantner (BLS/WPS) als „Erpressung“ durch den Bauwerber empfanden, erschien anderen als einzig noch gangbarer Weg der Schadensbegrenzung: Auf der für den Pferdebetrieb vorgesehenen Fläche östlich des Altenheims St. Josef besteht nach Einschätzung der Regierung von Oberbayern nämlich Baurecht. Laut Starnbergs Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger hatte es für Kreisbehörde und Stadt entsprechende „Anweisungen“ gegeben. Ehe nun dieser Vergleichsvorschlag zu Stande kam, waren deshalb Vorgespräche zwischen Landratsamt, Stadt und Bauwerber geführt worden. Damit nicht der vor allem bei Perchaer Anwohnern befürchtete „Standort 1“ in die Tat umgesetzt würde, musste eine Kompromisslösung her. „Das ist ein Vertrag in verpflichtender Form“, erläuterte der Fachjurist für Baurecht, Klaus Thoma, dem Ausschuss, aber auch die Stadt erhalte damit „Rechtssicherheit“: Der Bauwerber verzichtet auf sein Baurecht am ersten Standort seiner Wahl, beendet alle noch laufenden Verfahren in diesem Zusammenhang, stellt keinen neuen Bauantrag für diesen Standort, reduziert – rein rechnerisch - die Flächen innerhalb der bisherigen Baugrenzen. Dafür erweitert er teilweise die umbauten Flächen und verschiebt die Baukörper („Standort 4“) weiter den Hang hoch – mit der Folge, dass umfangreiche Abgrabungen erforderlich sein dürften und „das Gesamterscheinungsbild mächtiger sein wird“ (Gantner). Weitere Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans, beispielsweise bei Wandhöhen, Gebäudemaßen und Nutzung einzelner Gebäudeinnenflächen sind ebenfalls Gegenstand des Vergleichs. „Wir sind in der Mühle zwischen Regierung und Landratsamt“, sagte Pfaffinger ernüchtert. Gerd Weger fühlte sich dagegen „nur noch gelöffelt“.

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