Von Mailand nach Starnberg

Ehepaar de Fallois unterstützt ab September evangelische Kirchenarbeit in Starnberg

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Stadtpfarrer Dr. Stefan Koch (links) wird ab September zusammen mit Dr. Anne Stempel-de Fallois und Johannes de Fallois die Geschicke der evangelischen Kirchengemeinde in Starnberg und Söcking leiten.

Starnberg - Braun gebrannt und gut gelaunt stehen Dr. Anne Stempel-de Fallois und ihr Ehemann Johannes de Fallois im Hof des Pfarramtes der evangelischen Kirchengemeinde in Starnberg. Eigentlich müssten beide jetzt in Italien sein, genauer gesagt in Mailand, wo sie für die „Chiesa luterana“ - die evangelische Kirche in Italien - tätig sind. Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Lebensplanung des Pfarrerehepaars gehörig durcheinandergewirbelt und sie letztendlich nach Starnberg geführt. Dort werden sie ab September die vakanten Pfarrstellen besetzen. Über diesen Wink des Schicksals freut sich nicht nur die Familie de Fallois, sondern auch Starnbergs evangelischer Stadtpfarrer Dr. Stefan Koch.

„Für mich endet ein Ausnahmezustand und ich habe nun wieder mehr Zeit für Aufgaben, die mir besonders wichtig sind“, erklärte Koch bei der Vorstellung der neuen Pfarrer. Nach dem Ausscheiden von Birgit Reichenbacher aus ihrem Amt im Februar hatte Koch mit einer erheblichen Aufgabenlast zu kämpfen. Hinzu kamen noch die Pflichten einer weiteren unbesetzten Stelle, die Koch nach dem Weggang Reichenbachers  komplett alleine bewerkstelligen musste. „Wenn die beiden nicht gekommen wären, dann hätte ich über meinen Abschied nachgedacht“, gab Stadpfarrer Koch unumwunden zu. 

Für Anne und Johannes de Fallois ist die neue Arbeitsstelle in der Kreisstadt ebenfalls ein Glücksfall. Die italienische Mentalität und Arbeitsweise machte ihnen etwas zu schaffen. Die Rückkehr nach Bayern fällt auch deshalb nicht so schwer, da beide vor ihrer Tätigkeit in Mailand schon in Neuburg an der Donau gearbeitet haben. Zudem ist Johannes de Fallois ein waschechter Franke, der in Nürnberg das Licht der Welt erblickte. 

Für das Ehepaar und ihre Kinder waren die letzten Monate eine schwierige Zeit. Während Anne Stempel-Fallois sich um Familienangehörige in der Oberpfalz kümmerte, blieb ihr Mann in der Lombardei. Da wegen der Corona-Krise keine Gottesdienste vor Ort abgehalten werden konnten und die Gemeindearbeit nur auf virtuellem Wege möglich war, beschlossen die de Fallois sich Gedanken über ihre weitere berufliche Zukunft zu machen. Wie es der Zufall so will, stießen sie bei ihrer Jobsuche auf die Stellenausschreibung der Starnberger Kirchengemeinde. Stefan Koch lernten sie vor 20 Jahren im Dekanat Ingolstadt kennen. Ein Anruf im Pfarramtsekretariat gab schließlich dann den entscheidenden Anstoß die Bewerbung loszuschicken. „Für mich war die Entscheidung für beide schnell klar“, so Koch. 

Reizvoll an der neuen Aufgabe in Starnberg ist für das Pfarrerehepaar die Arbeitsstruktur, die mit ihrer Auffassung identisch ist. Zudem ist auch die Region ein attraktiver Lebens- und Arbeitsstandort. „ Von Mailand nach Starnberg ist ein guter Schritt, betonte Anne Stempel-de Fallois. Ihr Mann wird sich ab September der Jugendarbeit in der Gemeinde widmen. Überdies wird er auch die Konfirmationsfeiern leiten, die heuer im Oktober stattfinden sollen. Wenngleich die de Fallois Mailand verlassen, so ganz Abschied nehmen von Italien werden sie doch nicht. Wie sie nämlich schon bemerkt haben, gibt es auch in Starnberg einen besonderen italienischen Spirit. In den Straßen wird italienisch gesprochen und die zahlreichen italienischen Lokale versprühen ebenfalls ein wenig „Dolce vita“ in bayerischen Gefilden. 

Für Stefan Koch ist die Neubesetzung der vakanten Stellen ein Segen. „Ich bin ein Mensch , der ein Team braucht. Ich habe gelitten wie ein Hund“ betonte der Stadtpfarrer. Die Arbeit alleine habe ihm keinen Spaß mehr gemacht und deshalb freue er sich umso mehr in Zusammenarbeit einen Neuanfang zu starten. 

Bis es allerdings soweit ist, steht für die die de Fallois wieder die Rückkehr nach Mailand an, wo man bis Ende August noch die evangelische Gemeinde vor Ort seelsorgerisch betreut und auch noch die Nachfolge in die neuen Aufgaben einarbeiten muss. Für ihre Schäfchen in Italien war die Nachricht vom Weggang jedenfalls ein Schock. Nun müssen beide etwas Sensibilisierungsarbeit leisten, um die durch „Corona“ bereits angeschlagenen Gemüter wieder etwas aufzurichten. Der Starnberger Kirchenvorstand hat die "Neuen" bereits einen herzlichen Empfang bereitet. Die übrigen Gemeindemitglieder müssen sich mit dem Kennenlernen bis zum Frühherbst gedulden.

Von Florian Ladurner

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