Mit Eigenleistung geschafft

Dorfladen in Wörthsee eröffnet und kommt sehr gut bei Bürgern an 

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Es ist vollbracht: Wörthsees Dorfladen ist geöffnet. Es freuen sich (von links) Karl Weber, die stv. Marktleiterin Gueniver Lager, Bobby Gahn, Marktleiter Johannes Engelmeier, Hanna Weber, Birgit Dietrich, Hildegard Zehetbauer, Peter Steinhöfel und Wayne Lager.

Steinebach – Seit dem 7. Juni hat Wörthsee einen Dorfladen – und der wird gut angenommen, freuen sich Initiatoren, Helfer, Mitarbeiter, Politiker, Lieferanten und Kunden während der offiziellen Eröffnungsfeier vor einer Woche.

Wer den Laden betritt, bleibt unvermittelt vor einem Tisch mit saisonalen Weinen und Früchten stehen. In den Regalen reihen sich in Wörthsee gebrannter Gin der Familie Zehetbauer an Gewürze, Milchprodukte und Nudeln, Reis oder Linsen. Die Theke bestücken frische Backwaren, Wurst und Käse. Alles möglichst Bio und möglichst aus der Region. Es ist ein Projekt, das in bald fünf Jahren gereift ist und im Laufe der Zeit immer wieder scharf kritisiert wurde. Am Ende belehrten die Initiatoren und alle Helfer die Kritiker eines Besseren: Sie kamen ohne gemeindliche Bürgschaft aus und stemmten finanziell und personell die Neueröffnung aus eigener Kraft. Die „eigene Kraft“ sind Bürgerinnen und Bürger, die einen Anteilsschein zeichneten sowie die Mitglieder der Unternehmergesellschaft (UG), dem Motor des Dorfladens - und aus eigener Kraft sind alle, die das fast Unmögliche schafften und das karge Innere der einstigen Kreissparkassenfiliale in ein wahrlich ansehnliches Geschäft verwandelten. 

„Ich habe gerade zwei Stunden Zeit. Wie kann ich helfen?"

Wer vor der Eröffnung einen Blick durch die Fensterscheiben geworfen hat, der hätte das wohl nicht geglaubt. Denn jene sahen Kabel, die aus dem Boden ragten oder Wände, die regelrecht nach einem Anstrich bettelten. Alles in allem blickten sie auf einen großen, leeren Raum, der mit Regalen, Kühltheke und ein paar Tischen zum Sitzen und überhaupt Leben gefüllt werden wollte. Und heute, nur knapp zwei Monate später, sitzen Restaurantbesucher an stilvollen Holztischen in einem lichtdurchfluteten Areal über einem Bio-Espresso oder genießen den Mittagstisch von Berufsköchin Bea Meisner. Oder sie streifen mit ihrem Einkaufskorb durch Regale, in denen hausgemachte Marmeladen, Knäckebrot und Bio-Joghurt oder Vegetarisches aus Soja übersichtlich aneinandergereiht sind. Vollbracht haben das die Helfer, die teilweise unvermittelt auftauchten und sagten: „Ich habe gerade zwei Stunden Zeit. Wie kann ich helfen?“, erinnert sich Birgit Dietrich in ihrer Rede. Sie malerten, puzzelten die Regale zusammen, legten den Boden neu oder putzten – und Wayne Lager verbrachte fünf seiner sauer verdienten Urlaubswochen beim Schreinern. Der US-Amerikaner baute die Theke und die Holzauflage für die Kasse oder konzipierte die Ablage für das Brot. Seine Frau Gueniver übernahm die stellvertretende Leitung des Ladens, den sie mit „bemerkenswerter Ruhe“ managt, lobt Hanna Weber, die wie Dietrich Gesellschafterin der UG ist. „Es grenzt an ein kleines Wunder, was in diesen Räumen geschaffen wurde“, staunt selbst Dietrich über das Resultat. 

Online-Bestellungen und Koch-Boxen in Planung

Und der Laden brummt. 350 Mal tippten die Angestellten am ersten Tag einen Einkauf in die Kasse. Klar lief nicht immer alles rund. So fuhr die erste Gemüselieferung an der Etterschlager Str. 14 vorbei und unter dem unerwarteten Ansturm war das eine oder andere Produkt ratzfatz ausverkauft. „Das gehört dazu“, so Weber und ist überzeugt: Das spielt sich ein. Insgesamt haben die Initiatoren noch viel vor. Marktleiter Johannes Engelmeier etwa arbeitet an einer Kochbox, in der einige Zutaten schon so vorbereitet sind, dass ein Zuhause gekochtes Essen in maximal 30 Minuten auf dem Tisch steht. Angedacht sind auch online-Bestellungen oder eigenes Fleisch von einer Biolandbäuerin. Findet sich ein Sponsor, könnte ein E-Lastenrad vielleicht sogar bestellte Ware ausliefern. 

Hier bekommen Lokalanbieter wie Safthersteller der Breitbrunner Familie Perger, die Bäckerei Cramer aus Gauting oder Seefelds Metzgerei Ruf eine Verkaufsplattform. „Wir haben uns der regionalen Vermarktung verschrieben“, betont Bobby Gahn. Und der Kunde darf in einem Wunschbuch eintragen, wenn ihm etwas fehlt. Gefehlt hat bis vor kurzem ein Laden wie dieser. So jedenfalls könnte man die Worte von Vizebürgermeister Konrad Gritschneder in seiner Laudatio deuten: „Eine Gemeinde wie Wörthsee braucht so was.“

Von Michele Kirner

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