"Ein Sück Leben von Inning"

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Mühle am Sägewerk durch den Bach angetrieben. Danach löste das Elektrische das Mühlrad ab. Fotos (2): Polster

Das Leben im, am und durch den Bach war Thema einer dreitägigen Veranstaltung in Inning. „Er war unverzichtbar für das Dorfleben“, sagte Jutta Göbber, Vorsitzende des Vereins Heimatgeschichte. Neu ist ein Bachpate, unter dessen Regie künftig eine Renaturierung geplant ist.

„Ein Großteil des Alltags spielte sich früher am Bach ab“, erklärte Jutta Göbber. „Es wurde in ihm die Wäsche und das Gemüse gewaschen, aus ihm das Gießwasser für den Garten entnommen und das Eis zur Kühlung für die Sommerkeller geschnitten. Sie waren damals in der heißen Jahreszeit die Kühlschränke.“ Auch das Vieh sei im Bach gewaschen und getränkt worden. Und wenn es keiner gesehen hat, wurde heimlich gefischt. Die offiziellen Fischrechte nämlich lagen  bei den Grafen Toerring zu Seefeld-Jettenbach. In einer Ausstellung im Haus der Vereine stellte der Heimatverein die vielfältigen Aktivitäten entlang des Bachlaufs vor. Unter anderem wurden durch ihn die Obermühle und die Untermühle betrieben. In seiner Rede anlässlich der Ausstellungs-Eröffnung betonte Bürgermeister Werner Röslmair die Bedeutung des Baches. „Er war ein Stück Leben von Inning“, berief er sich auf Überlieferungen. Bedauerlich sei allerdings, so der Rathauschef, dass durch die Betonierung der Uferränder und der Überbauung des Baches, das Wasser wurde in Rohre gezwängt, ein Stück Leben von Inning verloren gegangen ist. „Man muss die Maßnahmen aber auch verstehen, die den Bach in sein heutiges Korsett zwangen. Die zahlreichen Überschwemmungen vorher waren nicht lustig, teilweise sogar Existenz bedrohend.“ Nun soll versucht werden, zum einen die schlechte Wasserqualität zu verbessern und außerdem dem Bach so weit als möglich „seine Schönheit und Natürlichkeit“ zurück zu geben. Da Renaturierungsmaßnahmen viel Geld kosten, das im Gemeindehaushalt nicht vorhanden ist, baut Röslmair auf ehrenamtliches Engagement. „Wir begrüßen es sehr, dass sich der Gewässerspezialist Harald Trepte bereit erklärt hat, Bachpate zu werden und ein Auge auf die Renaturierungsmaßnahmen zu werfen.“ Als erste so genannte Amtshandlung begleitete Trepte am Sonntag Jutta Göbber und Horst Schramm vom Verein Heimatgeschichte, die zu einem „vergnüglichen ortshistorischen Spaziergang“ entlang des Inninger Bachs eingeladen hatten. „Ich muss mir erst einmal ein Bild vom allgemeinen Zustand machen“, sagte Trepte. Danach sei es ihm ein Anliegen, so viel als möglich auf den Weg zu bringen, um unter anderem die Wasserqualität wieder zu verbessern. Zudem hofft er, Fördergelder aus der EU und vom bayerischen Staat locker machen zu können.

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