Eine literarische Reise von Äpfeln über Holz bis hin zu Schuhen

Literatur im Herbst 2020

Elisabeth Carr, Barbara Beck und Gerd Holzheimer (v.l.) freuen sich auf den Literarischen Herbst, der bereit am Samstag beginnt
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Elisabeth Carr, Barbara Beck und Gerd Holzheimer (v.l.) freuen sich auf den Literarischen Herbst, der bereit am Samstag beginnt

Landkreis – „Es ist eine richtige Erfolgsreihe. Man kommt als Bürger dorthin, wo man eigentlich schon immer hin wollte, es sich aber noch nicht ergeben hat“ beschreibt Barbara Beck, Kulturreferentin des Landkreises Starnberg, den Literarischen Herbst. Auch in diesem Jahr hat sich die Künstlerische Leitung der Kunsträume am See, bestehend aus Elisabeth Carr und Gerd Holzheimer, so einiges einfallen lassen.

Trotz schwieriger Zeiten und einer unsicheren Situation konnten sie ein vielfältiges Programm auf die Beine stellen, welches sie vergangenen Dienstag vorstellten.

Den Anfang macht schon am Samstag, den 26. September, um 15 Uhr ein Besuch im Apfelgarten des Aufkirchener Karmelitinnenklosters, wo Dr. Helmut Hörger aus dem Leben des sogenannten Apfelpfarrers Korbinian Aigner erzählt. Der Apfelpfarrer wurde wegen Widerstand gegen die Nationalsozialisten ins KZ Dachau gesperrt, wo er neue Apfelsorten züchtete. Im April 1945 konnte er dem Todesmarsch in Aufkirchen entkommen und ins Kloster flüchten.

Er entkam dem Tode und züchtete wieder Äpfel

Dort widmete er sich weiterhin der Zucht neuer Apfelsorten sowie dem Zeichnen dieser. Im Anschluss an Hörgers Vortrag wird Ernst Matthias Friedrich Texte vortragen, die den Apfel in den literarischen Fokus setzen. Um den Nachmittag abzurunden, ist ein Gang zum Pilgerdenkmal für den Todesmarsch geplant. Gleich am Sonntag geht es um 15 Uhr weiter mit dem „Hölderlin in der Holzwerkstatt“. In der Zimmerei von Josef Bernlocher in Hochstadt wird Laura Maire zahlreiche Texte des Hölderlins vortragen. Um einen Kontrast herzustellen, hat sich die Künstlerische Leitung etwas ganz Besonderes einfallen lassen: So werden passend zum Ort neben dem Hölderlin auch Arno Holz und der berühmte Pumuckl von Ellis Kaut aufgegriffen. Ein ganzes Wochenende widmet sich der literarische Herbst dem Verlegerpaar Helen und Kurt Wolff im Haus Buchenried der VHS.

Von Franz Kafka bis Max Brod

In Zusammenarbeit mit der Münchner Volkshochschule wird Schauspieler Peter Weiß vom 2 bis zum 4. Oktober ein Seminar zu dem Ehepaar geben. Neben dem Verleger, der selbst kurze Zeit am Starnberger See lebte, werden unter anderem seine Autoren wie Franz Kafka oder Max Brod vorgestellt. Auch die Rolle der Ehefrau Helen Wolff wird in dem Seminar thematisiert. „Es wird gelehrt, gelernt, aber auch gelebt“, beschreibt Carr das bevorstehende Wochenende. Anmeldungen und Tickets gibt es für diese Veranstaltung ausschließlich über die VHS. Am Montag, den 26. Oktober, beginnt um 15 Uhr ein literarischer Spaziergang durch Bernried mit Hans Jürgen Stockerl. „Ein Ort, der schon damals viele Künstler angezogen hat“, so Holzheimer. Nach dem Rundgang durch Bernried, welches einst zum schönsten Dorf in Bayern gewählt wurde, werden in der Torbogenturnhalle zahlreiche Texte vorgetragen. Im Anschluss kann man im Salettl des Gasthofs Drei Rosen, in dem Dagny und Olaf Gulbransson ihren Polterabend feierten, mit Getränken den Tag ausklingen lassen.

Ein Thema, was auf den ersten Blick eher weniger mit Literatur zu tun hat, steht am Samstag, den 14. November, im Mittelpunkt: Schuhe. Im Schuhhaus Linse in Starnberg beginnt um 17 Uhr eine literarische Schuhschau mit Judith Huber. „Das Leben ist weniger ein Tanzparkett als viel mehr ein beschwerlicher Pilgergang, auf dem man auch gutes Schuhwerk braucht“, so Carr. „Wir wollen mit dem literarischen Herbst nicht nur zum Lesen anregen, sondern auch das alltägliche Leben mit einbinden“. Neben der Geschichte des Schuhs werden auch Gedichte und Texte rund um den Schuh vorgetragen. In der ersten Oktoberwoche (genauer Termin wird noch bekannt gegeben) stellt die weißrussische Linguistin Volha Hapeyeva ihre Literatur vor. Die junge Lyrikerin gastiert zurzeit in der Villa Waldberta in Feldafing und befasst sich in ihren Werken mit Themen wie Einsamkeit, Krieg, Selbstanalyse, aber auch der Natur. Ihr poetisches Wesen steht im Zentrum der Veranstaltung, allerdings wird es auch eine kurze Ausführung über ihre weißrussische Heimat geben. „Es ist wesentlich, in dieser Zeit auch aktuelle Lyrik zu Gehör zu bringen“, erklärt Carr.

Literarische Schätze kommen zum Vorschein

Schon zum 19. Mal findet der Literarische Herbst nun statt und bereitet der Leitung sowie den Besuchern immer noch genauso viel Freude: „Wir lernen selbst unglaublich viel durch die ganze Rückmeldung. Teilweise dürfen wir sogar auf Dachböden alte Schatzkisten aufmachen“, erklärt Carr. Um die „Erfolgsreihe“ auszuweiten, wird es 2021 erstmalig sogar einen literarischen Frühling geben. Das Programm ist noch nicht festgelegt, so ist es möglich, dass Events, die im Herbst ausgebucht waren, nochmals wiederholt werden und auch neue literarische Schätze zum Vorschein gebracht werden. Weitere Informationen sowie aktuelle Ankündigungen gibt es auf der Internetseite www.kunstraeume-am-see.de. Verbindliche Kartenreservierungen für die Veranstaltungen sind telefonisch unter 08151/559721 oder per E-Mail an kontakt@kunstraeume-am-see.de möglich. Der Eintritt kostet 17 Euro, für Schüler und Studenten 7 Euro.

Lisa Livancic

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