Kaiser-Wilhelm-Straße wird nicht umbenannt

Eine neue Starnberger Straße soll nach "Kurt Eisner" benannt werden

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Eine neue Starnberger Straße soll nach "Kurt Eisner" benannt werden.

Starnberg – Die Kaiser-Wilhelm-Straße in Starnberg behält ihren Namen: Ein entsprechender Antrag der Fraktion Bündnis 90/Grüne, die Straße in „Kurt-Eisner-Straße“ umzubenennen, wurde im Kulturausschuss zwar mit 1:11 abgelehnt, ein Vorschlag der Stadtverwaltung, den Namen des ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, Kurt Eisner, „an anderer Stelle für eine öffentliche Verkehrsfläche zu verwenden“, wurde hingegen einstimmig angenommen.

Den beiden Abstimmungen ging eine regelrechte „Historiker-Debatte“ voraus: Stadtrat Franz Sengl begründete zunächst den Antrag der Grünen damit, dass man mit der Kaiser-Wilhelm-Straße „ausgerechnet einen Hohenzollern“ ehre, „diesen Kaiser, der immer alles Militärische mitgetragen hat - also etwas, das dem Bayerischen komplett wider-spricht. Da geht mein bayerisches Herz nicht mit“, so Sengl, der zugleich appellierte, „in einer Zeit, da zunehmend das Völkische wieder erwacht und überall Rechtsruck herrscht, ein Zeichen zu setzen - gerade in Bayern, gegen die preußisch-militärische Tradition.“ Tim Weidner (SPD) fand, dass der Alternativ-Vorschlag „Kurt Eisner“ nicht ideal gewählt sei: „Er war ein revolutionärer Idealist, auch lange SPD-Mitglied, und wäre ein würdiger Namensgeber, aber es gäbe bedeutendere“, so Weidner, „auf die Frage ´Kaiser Wilhelm I. Oder Kurt Eisner´ würde ich antworten: Freidrich Ebert!“ Weidner brachte auch noch den Namen des ersten Nachkriegsministerpräsidenten Bayerns, des Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner, als geeigneten Namensgeber ins Spiel.

Bürgermeisterin Eva John erinnerte daran, dass eine Straßenumbenennung für die betroffenen Anwohner erhebliche Umstände bedeuten würde, und war sich in diesem Punkt mit Angelika Kammerl (Parteifreie) ausnahmsweise einmal einig – Kammerl: „Man muss bei einer solchen Straßenumbenennung die Verhältnismäßigkeit wahren.“ Patrick Janik (UWG) befand: „Man kann die Geschichte nicht ausblenden, auch die unangenehmen Seiten nicht.“ Markus Mooser (WPS) merkte an, dass der Vorschlag Kurt Eisner „ausge-rechnet von den Grünen“ komme und nicht von den Sozialdemokraten: „Ich bin von der SPD enttäuscht.“ Der von einem nationalistisch gesinnten Studenten ermordete Kurt Eisner (1867– 1919) sei nämlich „eine herausragende Persönlichkeit“ gewesen, so Mooser, der gleichwohl zu bedenken gab: „Eine Straßenumbenennung wäre eine Plage für die Anwohner – bis das registriert ist, dauert es zwei Jahre, tun wir das den Menschen nicht an!“ Ingrid Ziebart (FDP) lobte zunächst „das Niveau der Debatte“, mochte aber eher dem Beschlussvorschlag der Verwaltung folgen, der Kurt Eisner lieber mit einer noch zu finden-den Straße würdigen wollte: Franz Heidinger (BLS) verwies prompt auf potentiell neu zu benennenden Straßen beim Einheimischen-Modell „Am Wiesengrund“. Prof. Günther Picker (WPS) beantragte zu guter Letzt vorsorglich, dass die Anwohner vor einer möglichen Umbenennung der Kaiser-Wilhelm-Straße gehört werden sollten. Mit der 11:1-Ablehnung des Grünen-Antrags und der 12:0-Zustimmung zum Vorschlag der Verwaltung war dies dann vom Tisch.

Von mps

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