Eine Trennung verhindern

Bei einer Pressekonferenz vergangenen Donnerstag stellten die Bürgermeister der Würmtalgemeinden deutlich klar, dass sie mit aller Macht eine Trennung des Würmtals durch die A99 verhindern werden. „Wir werden die Trassenauswahl und Variantenbeurteilung der Machbarkeitsstudie des Südabschnittes des Autobahnringes München sehr genau im Auge behalten.“ Eine Trennung des Würmtals werde es mit ihren Gemeinden nicht geben, betonte mehrfach Kraillings erste Bürgermeisterin Christine Borst. „Wir sind uns einig, dass oberirdische Trassen auf gar keinen Fall für uns in Frage kommen“, so die zentrale Botschaft der vier Bürgermeister aus Gräfelfing, Planegg, Krailling und Neuried.

Gautings Bürgermeisterin Brigitte Servatius ist derselben Meinung. Aus terminlichen Gründen war es ihr allerdings nicht möglich an der Pressekonferenz im Gräfelfinger Rathaus teilzunehmen. „Bisher ist es nur eine Machbarkeitsstudie und wir wollen auch keine Panik machen“, erklärte Borst. Die Bestrebungen eines Südringes laufen seit Jahrzehnten. Durch die Vorstellung des Zwischenberichts zur Machbarkeitsstudie des Südabschnittes durch die Autobahndirektion Süd, Ende November, ist das Thema wieder stark ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gekommen. „Die Bürger sprechen uns an. Ängste kommen auf. Vor allem die unterirdische Variante, die bei uns in Krailling durch die Sanatoriumswiese verlaufen soll, führt zu großen Befürchtungen“, teilte Borst mit. „Wir werden auch gegenüber der Autobahndirektion Süd eine Erklärung abgeben, das wir Gemeinden gegen oberirdische Trassen im Würmtal sind“, führte Borst fort. Bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie wurden 18 ausgewählte Trassen für den Verlauf der Autobahn vorgestellt. „Ziel der ergebnisoffenen Machbarkeitsstudie ist eine fundierte Analyse von genereller Machbarkeit und Nutzen des Lückenanschlusses des Münchner Autobahnrings.“ Diese Varianten kommen jetzt in die nächste Runde und werden weiter geprüft, so Gräfelfings Rathauschef Christoph Göbel. Nach einer weiteren vertieften Bewertung der Trassenvarianten (Umwelt, Raumstruktur, Verkehr und Kosten) wird die Auswahl auf einige wenige Hauptvarianten eingedämmt. Bevor es zu einer Planungsempfehlung kommt, müssen diese verbliebenen Varianten erneut beurteilt und verglichen werden. Mit dem Baubeginn des A99 Südabschnitt rechnet Göbel frühestens 2020. „Wenn alles zusammenläuft ist der Abschnitt bis 2025 realisiert. Bis dahin haben wir ein deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen. Grundsätzlich ist die Machbarkeitsstudie zu begrüßen“, meint Göbel. Mit ihr endet die „seit zehn Jahren geführte ‘Flaschengeistdiskussion’ um die A99 an der Grenze der Seriosität.“ Nun müssen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie abgewartet werden, um sie sachlich dokumentieren und kommentieren zu können. Eine Chance oberirdische Trassen im Würmtal zu verhindern, sieht Göbel darin, dass der Bau des A99 Südabschnitts nur dann realisierbar ist, wenn er in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. 2002 beschloss der Bayerische Landtag erstmals die Aufnahme in den Bundesverkehrswegplan. Ein Jahr später ist der Südring mit einer Länge von 21,8 Kilometern im Bundesverkehrswegeplan-Entwurf enthalten mit der Einstufung „Weiterer Bedarf mit festgestelltem hohem ökologischen Risiko“. 2004 streicht der Verkehrsauschuss des Deutschen Bundestages den Südring. Somit ist das Projekt nicht mehr im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen enthalten, erklärt Göbel. Um den Südabschnitt wieder in den Bundesverkehrswegplan aufzunehmen, darf der Verlauf nicht gegen äußerst hohe oder sehr hohe Raumwiderstände treffen. Anhand der Übersichtskarte (siehe Graphik) verweist Göbel auf die rot (äßerst hoch) und blau (sehr hoch) eingefärbten Flächen im Würmtal, die auf diese empfindliche Bereiche hinweisen. Darunter fallen Wohn- und Mischgebiete, Natura-2000-Gebiete, Naturdenkmäler, Landschaftsschutzgebiete, Biotope. Hohe Überlagerungen von Raumwiderständen und hoher Konfliktdichte treten vor allem im Würmtal und im Isartal auf. Solche Bereiche müssen laut Grundsatz der Linienführung umfahren oder durch Tunnelführungen gelöst werden. Ebenso muss ein Mindestabstand zu Siedlungsbereichen eingehalten werden. Eine oberirdische Trassenführung von Knotenpunkt K2 zu K8 wäre demnach nicht möglich. Nach Ansicht von Göbel kann der Bau des Südabschnitts frühestens 2013 in den Bundeswegesplan mit aufgenommen werden. Angesichts einer sinnvollen verkehrlichen Entlastung ist davon auszugehen, das eine Variante bevorzugt wird, die das Würmtal kreuzt, glaubt Göbel. „Die dargestellte Variante von K4 über K10 zu K14 ist nur der Vollständigkeit halber eingezeichnet.“ Weitaus effektiver wäre beispielsweise von K2 über K9 zu K13. „Dann würde uns jedoch eine Autobahn drohen, die durch die Sanatoriumswiese führt und Krailling teilt“, befürchtet Borst. Auch wenn oberirdische Trassen denkbar und theoretisch möglich sind, so Göbel, „wollen wir verhindern, dass es in Gebieten mit hohen und sehr hohen Raumwiderständen zu einer oberirdischen Trassenführung kommt.“ K1 könnte die effektivste und stadtnahste Variante sein, so Göbel, verkreuzt aber nicht mit der A 95. „Wir müssen damit rechnen, dass sich der Verlauf der Autobahn irgendwo zwischen K2 und K8 bewegt. Auf diesem Korridor sind wir alle betroffen.“ Es ist davon auszugehen, dass die Trasse oberirdisch mit der A96 verknüpft wird und ab Planegg in Tieflage gehen wird. Eine mögliche Verknüpfung mit der B11 könnte für Neuried ein zusätzliches Verkehrsaufkommen bedeuten, so der Gräfelfinger Rathauschef. Was man aber auch sagen müsse ist, das oberirdische Verknüpfungen mit Staatstraßen nicht Gegenstand der Machbarkeitsstudie ist und definitiv auch ausgeschlossen sind. „Eine oberirdische Verknüpfung mit der Staatsstraße 2063 neu ist definitiv vom Tisch.“ Eine oberirdische Verknüpfung zwischen Planegg und Neuried ist gleichfalls ausgeschlossen, ergänzt Göbel. Eine totale Untertunnelung von K2 zu K8 sei eher unwahrscheinlich und immens teuer. Für Göbel ist die ganze Diskussion um die Trassenauswahl letztlich eine politische Diskussion und „je einiger wir uns im Würmtal sind, umso höher unsere politische Schlagkraft. Deshalb müssen wir geschlossen in der Öffentlichkeit auftreten und an einem Strang ziehen“, unterstreicht Planeggs 2. Bürgermeister Peter Heizer. Das „Würmtal muss mit einer Stimme dafür stehen“ sind sich die Politiker einig. „Es wäre ein katastrophales Szenario wenn wir uns im Hinblick auf den Wahlkampf in dieser Sache streiten“, so Borst.

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