Einladung ohne Rederecht

Zahlreiche Eltern und Kinder hatten sich im Vorfeld der Verkehrsausschusssitzung an der Lindl-Wiese versammlt und für mehr Schulweg-Sicherheit demonstriert. Foto: Jaksch

Eine Gruppe von Eltern hat vor der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses am Donnerstag für mehr Schulweg-Sicherheit am Ort demonstriert. Bürgermeister Stephan Wanner lud daraufhin die auf der Lindl-Wiese versammelten Eltern zur Sitzung ins Rathaus ein – dort erhielten die Mütter und Väter allerdings überrascheneder Weise kein Rederecht: „Ich finde das unmöglich“, zeigte sich Julia Reich, eine der Mitinitiatoren der Demo, irritiert, „erst bittet man uns ins Rathaus, und dann hört man uns nicht mal an.“

Reich hatte nach dem schrecklichen Unfalltod der kleinen Daria Cvetanovic vom 6. April in einem offenen Brief die Untätigkeit des Gemeinderats Tutzing kritisiert: die vom Verkehrskonzept schon vor Jahren erarbeiteten Vorschläge für mehr Fußgänger- und Schulwegsicherheit seien trotz mahnender Hinweise von Elternseite nicht umgesetzt worden. Rathauschef Wanner nahm den Unfall an der Ecke Oskar-Schüler-/Traubinger Straße zum Anlass, die Tagesordnung der Ausschusssitzung umzustellen und für Vertrauen in den Gemeinderat zu werben: „Die Elternschaft hat die volle Unterstützung des gesamten Tutzinger Gemeinderats. Wir haben aus dem konkreten Anlass dieses Unfalls einer Reihe von Priorisierungen vorgenommen – es gibt ein Bündel von Möglichkeiten.“ Laut Wanner solle möglichst rasch eine Arbeitsgruppe aus Eltern, Verkehrsforum, Polizei, Landratsamt und dem Verkehrsreferenten des Gemeinderats, Martin Siebert, gebildet werden. „Erkenntnisse der Polizei zum Unfallgeschehen vom 6. April liegen noch nicht vor – es wird derzeit ein unfallanalytisches Gutachten erstellt“, so Wanner. Erst wenn man all diese Informationen habe, werde man wissen, „was geschehen muss und was zu tun ist“. Vor dem tragischen Unglück habe die Polizei besagte Kreuzung nicht als Unfallschwerpunkt eingestuft: Neun Unfälle in sechs Jahren hatte es bis dato dort gegeben – allesamt „Vorfahrtverletzungen ohne Fußgänger-Beteiligung“ und nur mit „geringen Verletzungen“. An die Eltern gewandt sagte Wanner am Donnerstag im Ausschuss: „Sie sehen hier einen sehr betroffenen Gemeinderat.“ Ungeachtet der polizeilichen Einschätzung sehe man sich nun „in der Situation, diesen Fall nochmals zu prüfen“, versicherte der Bürgermeister namens der Ratskollegen. Gleichwohl gelte es zu beachten, dass einzelne verkehrssichernde Maßnahmen Auswirkungen auf andere Maßnahmen haben. Die Vereinbar-keit sei zu prüfen. Die versammelten Eltern und Kinder nahmen die Ausführungen des Bürgermeisters zur Kenntnis – ihre bereits mitgebrachten konkreten Vorschläge durften sie diesmal noch nicht vortragen.

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