Ein Hilfstransport und viel Geduld

Elvira Zechalo aus Gauting sammelt mit viel Unterstützung  Sachspenden für ihre ukrainische Heimatstadt Reni

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Alle für Reni: (v.l.) Pfarrer Klaus Steuer, Isabel Strong, Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger, Wilhelm Rodrian, Elvira Zechalo und Johannes Roth. Ein großer Dank geht an die ehrenamtlichen Helfer Jürgen Anders, Roland Untsch, Günter Gür, Famlie Iskrov, Violetta Zalogina, Davida Timera, Fred Hofer, Wolfram Glaser, Sergey Kobenko, Vera Strishkova, Sophia Junatska, Ockert Potgiter, Elena Mulyavka und Anton Rekatschinsky.

Gauting – Sie ließ nicht locker, vor allem die bürokratischen Hürden in ihrer Heimat Ukraine machten der Wahl-Gautingerin Elvira Zechalo zu schaffen. Am Ende hat dann doch alles geklappt, über ein Jahr Sammeln und Organisieren – und die Menschen in Elvira Zechalos Heimat freuten sich riesig über die vielen Sachspenden aus dem Würmtal, die gleich auf drei Sattelzügen verteilt werden mussten.

Als die Abrissbirne vor der Josef-Dosch-Grundschule am Bahnhof aufkreuzte, stand für Elvira Zechalo fest, all das Schulinventar darf nicht in irgend welchen Kellern verschwinden. Denn in ihrer Heimat Reni im Donaudelta im Süden der Ukraine fehlt es am Nötigsten. Ihre Tochter Sophie, die damals die vierte Klasse besuchte, fasste ihren Mut zusammen und besuchte Bürgermeister Dr. Brigitte Kössinger im Rathaus mit der Bitte, die Tafeln, Stühle und Bänke doch nach Reni in die dortigen Schulen zu schaffen. Eine Idee war geboren. Die Bürgermeisterin ließ sich nicht lange bitten und sagte ihre Unterstützung zu. Wilhelm Rodrian, der Partnerschaftsbeauftragte der Gemeinde, übernahm die Organisation der Spendenaktion. „Aus einer kleinen Idee ist eine große Lieferung geworden“, schilderte Dr. Brigitte Kössinger den Verlauf der Sammlung für Reni. Denn nach dem Schulinventar kamen aus der Asklepiosklinik Krankenhausbetten, medizinisches Gerät, Mobiliar und Bettwäsche dazu, vom Gautinger BRK-Kindergarten „Sonnenschein“ Spielsachen und Kindermöbel.

Sogar der Yachtclub Tutzing spendet - zwei Boote für Jugendliche

Privatpersonen spendeten Windeln für Erwachsene, weitere Bettwäsche, Geschirr, der Yachtclub Tutzing zwei Boote – einen Optimist und eine Jolle für Jugendliche. Gelagert werden konnte ein Großteil der Hilfsgüter in einem Gebäude auf dem Asklepios-Klinikgelände. Denn bis zum Aufbruch des Konvois in die rund 25.000 Einwohner großen Stadt Reni sollte noch rund ein Jahr vergehen. Ein großer Dank geht noch an Roland Untsch für seine großartige Unterstützung bei der Beschaffung der medizinischen Möbel und Geräte. 

Als Elvira Zechalo am Montagvormittag ins Gautinger Rathaus kommt, sieht man sofort, die temperamentvolle lebendige Frau – sie ist Deutsch-, Russisch- und Englischlehrerin – lässt nicht so ohne weiteres von irgend einer Instanz abwimmeln. Elvira Zechalo schildert vor Rathauschefin Kössinger, Haupt-Organisator Rodrian und allen weiteren Beteiligten der Spendenaktion wie Johann Roth, dem Leiter des Bauhofs, dem evangelischen Pfarrer Klaus Firnschild-Steuer und Kindergartenleiterin Isabel Stong die Reise in die Ukraine, ihre Eindrücke vor Ort und die Freude ihrer Landsleute als die drei Lkws in Reni eingetroffen waren. Im örtlichen Krankenhaus etwa waren die Betten rund 30, 40 Jahre alt, berichtete Zechalo. Die Kinder haben schon lange keine neuen Möbel und Spielsachen in den Kindergärten mehr gesehen, in den Schulen fehlen immer wieder Tafeln in den Unterrichtsräumen. Bereits 2016 hatte sie Kontakt mit dem pro-europäischen Bürgermeister Igorj Plexov und seinem Sekretär Sergej Kobenko. Beide schilderten die Problematik Renis, dass der an Infrastruktur schwachen Stadt die Herabstufung eines Dorfes drohe, falls sich nicht an der Lage etwas ändere, um der Bevölkerung das Leben erträglicher zu machen. Doch wie soll das geschehen? Mit der Hilfe aus Gauting – die Gründung der Würmtalgemeinde geht übrigens wie auch bei der Stadt Reni bis in die Römerzeit zurück – ist für Zechalo wie dem Bürgermeister Plexov eine erste Starthilfe gelungen. In der Ukraine wie auch hier in Gauting hoffen alle Beteiligten, dass künftige Sachspenden leichter in das Land gebracht werden können. „Das ist in einem Land mit jahrzehnter langer Korruption sehr schwierig“, dämpft Elvira Zechalo allzu große Hoffnungen. Immerhin bemühen sie die Menschen vor Ort, ihre Stadt wieder aufzubauen und haben Korruption und Vetternwirtschaft den Kampf angesagt. 

Der Transport von Gauting nach Reni gelang letztendlich auch nur über den Entwicklungsservice „Engagement Global“, den die Bundesregierung mit 7.000 Euro sponserte. Aus der Gautinger Gemeindekasse flossen weitere 3.100 Euro für den Transport. In Reni wurde Elvira Zechalo dann bei einem Festabend für ihr Engagement geehrt. Als Dank für ihre Hilfe bekam sie vom Bürgermeister ein Diplom in kyrillischer Schrift überreicht, das sie am Montag der Runde im Rathaus zeigte.

po

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