Auf Empfehlung des Landesamts

Die „Villa Ludendorff“ wird auf Vorschlag des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in die örtliche Denkmalliste aufgenommen. Der Bau- und Ortsplanungsausschuss der Gemeinde Tutzing schloss sich der Stellungnahme der Oberen Denkmalschutzbehörde vom 17. Februar einmütig an.

„Ich finde es gut, dass gerade so ein Objekt unter Denkmalschutz gestellt wird - aber mit der erforderlichen Distanz zu den historischen Personen“, sagte Bürgermeister Stephan Wanner auf der Sitzung. Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing) merkte an, „dass aus der Begründung durch das Landratsamt die architektonische Bedeutung nicht zu entnehmen ist, wohl aber die historische“: Erich Ludendorff (9. April 1865 bis 10. Dezember 1937) war als Erster Weltkrieg-General Anhänger des „totalen Krieges“ und eifriger Verfechter des uneingeschränkten und rücksichtslosen U-Boot-Krieges. Er nahm maßgeblich an den Friedensverhandlungen am Ende des Ersten Weltkrieges teil und unterstützte als Anstifter und Teilnehmer 1923 Hitlers Putschversuch in München beim Marsch auf die Feldherrnhalle. 1926 heiratete Ludendorff die Ärztin Mathilde Ludendorff, geborene Spieß, und zog in das Anwesen an der Mühlfeldstraße 2 in Tutzing – hier gründeten die Eheleute den Ludendorff-Verlag und gaben die nationalistische Erbauungszeitschrift „Am heiligen Quell“ heraus. Eric Ludendorff erhielt 1937 in München ein Staatsbegräbnis und ist mittlerweile in einem ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Grab am neuen Tutzinger Friedhof bestattet. Der von Mathilde Ludendorff ins Leben gerufene und 1951 neu gegründete nationalreligiöse Verein „Bund für Gotterkenntnis“ war zeitweilig verboten worden. Nach Aufhebung des Verbotes wegen Verfahrensfehlern 1977 steht dieser rechtsextreme Verein bis heute weiterhin unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, ebenso wie der in Pähl angesiedelte Verlag Hohe Warte, der die Nachfolge-Zeitschrift „Mensch und Maß“ heraus gibt. Zeitgleich mit der Aufnahme der „Villa Ludendorff“ in die lokale Denkmalschutzliste stimmte der Ausschuss dem Vorbescheidsantrag auf Abriss der „Pschorr-Villa“ am Beringerweg zu. Die laut Bürgermeister Stefan Wanner aus Kostengründen nicht mehr sanierungsfähige Villa – es gab hierzu Vorgespräche mit dem Bauwerber, der „B+K Gesellschaft für umweltgerechtes Bauen“ - soll drei Wohnhäusern mit je fünf Wohneinheiten nebst Tiefgarage weichen. Das Vorhaben „E plus 1 + Dachgeschoß“ fügt sich nach Meinung der Verwaltung in die umgebende Bebauung ein und sei somit genehmigungsfähig. „Wieder fällt eine schöne Villa in Tutzing der Abrissbirne zum Opfer“, bedauerte Wolfgang Marchner, der gleichwohl zustimmte. Ein Erhalt der Villa sei für die Eigentümer „nicht darstellbar“, so Wanner. Renate Geiger (SPD) verwies darauf, dass an der Westseite des 2.819 großen Quadratmeter Grundstücks „zwei sehr alte und sehr seltene Bäume“ stünden, die es unbedingt zu erhalten gelte.

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