Engagement nötig

Der langjährige Kommunalpolitiker Johann Kaindl und der Breitbrunner Pfarrgemeinderat Ralf Grieße haben zu Beginn der jüngsten Herrschinger Gemeinderatssitzung für mehr soziales Engagement geworben. Hintergrund war die Teilnahme an einer Studientagung des Diözesanrats der Katholiken Ende vergangenen Jahres, in der sich Vertreter aus Politik, Kirche und Sozialverbänden mit Kinderarmut und Kinderarbeit beschäftigt haben.

Einmal im Jahr lädt der Diözesanrat zu einer kommunalpolitischen Tagung nach Traunstein. Auf die Bitte des damaligen Bürgermeisters Adolf Wexlberger vertritt seit 1990 der CSU-Politiker Johann Kaindl die Gemeinde Herrsching. Ziel sei es, betonte Kaindl, den Zweck der Veranstaltung, mit christlichen Werten die Not der Menschen zu lindern. Im vergangenen Jahr beschäftigten sich die Kommunalpolitiker mit der zunehmenden Kinderarmut. „Die kann in der Praxis folgendermaßen ablaufen: Ein Schulausflug ist geplant. Die Mutter leistet eine Anzahlung von fünf Euro. Am Ausflugstag fährt die Tochter aber nicht mit, weil sie angeblich krank ist. In Wirklichkeit ist es aber so, dass die Kosten nicht aufgebracht werden können und die Mutter so die fünf Euro wieder zurückbekommt“, schilderte Kaindl eindrucksvoll. Der wahre Grund bleibe, meist aus Scham, verborgen. Vor allem durch die Einführung des Arbeitslosengeldes II ist die Zahl armer Kinder von 1,7 auf 2,5 Millionen gestiegen. Während 1965 gerade einmal jedes 65. Kind von Armut betroffen war, ist es heute bereits jedes siebte. Um dieser Entwicklung „entschieden entgegenzutreten“ will Kaindl „alle ins Boot holen“, damit in Zusammenarbeit von katholischen Pfarrgemeinden, evangelischen Einrichtungen und Kommunen die gemeinsamen Ziele erreicht werden. Ein Beispiel dafür, wie das funktionieren kann, gab Ralf Grieße. So habe die Stadt Bad Tölz die Sozialcard eingeführt, die es Mitbürgern, die unter dem Existenzminimum leben, die Teilnahme am öffentlichen Leben so ermöglicht werde. „Wichtig ist es, die Isolation aufzubrechen, den Menschen ihr Selbstbewusstsein wiederzugeben und ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen“, sagte Grieße. Den Betroffenen dürfe aber nie das Gefühl gegeben werden, man verstünde sie als Bittsteller. Damit nicht genug. Es gibt zwar mittlerweile in jeder größeren Gemeinde eine Lebensmittel-Tafel und eine Kleidertauschbörse, ebenso wichtig sei aber auch die Präventionsarbeit. „Dazu müssen auch wir unser Bewusstsein schärfen, dass auch bei uns in Herrsching derartige Probleme existieren“, so Grieße. Dies gelinge aber nur, wenn „wir hin- und nicht wegschauen“. Er kann sich für die Ammerseegemeinde eine Spiel- und Bastelstube für Kinder vorstellen, ebenso eine Anlaufstelle für überforderte Eltern. Das müsse freilich alles sehr niederschwellig angelegt werden. Bürgermeister Christian Schiller, der am 5. und 6. Februar 2010 selbst die nächste Tagung besuchen möchte, sagte, mit der Herrschinger Tafel und der Herrschinger Insel sei ein „guter und richtiger“ Anfang gemacht, den es gilt, weiter auszubauen. „Gerade die Tafel wurde zu Beginn arg belächelt, heute versorgt sie 60 Familien.“

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