Etappensieg für Umgehung

Kurz und bündig ging das Verfahren „Umgehungsstraße Weßling“ zu Ende. Die Klage des Bund Naturschutz gegen die Regierung von Oberbayern wurde abgewiesen. Befürworter der Trasse sprechen von einem Etappensieg. Nun muss die Finanzierung unter Dach und Fach gebracht werden.

Es waren zwar zwei Tage für die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht München angesetzt. Doch Richter Thomas Eidam machte von Anfang klar, dass er die mündliche Verhandlung auf einen Tag beschränken möchte. Wobei es trotz der Meinungsverschiedenheiten zwischen Befürworter und Gegner der Trasse „ausgesprochen sachlich“ zuging, lobte unter anderem Rechtsanwalt Joachim Krauß, der auf der Seite der Angeklagten stand. Während am Vormittag die Verkehrsprognosen und das Trinkwasser unter die Lupe genommen wurden, ging es am Nachmittag um eine mögliche Gefährdung des geschützten Hirschkäfers und des Kamm-Molches. Als nicht ausreichend sah der Klägeranwalt Ulrich Kaltenegger die 42 Amphibien-Durchlässe, die entlang der Trasse geplant sind. Laut Experten vom Bund Naturschutz kann ein Kamm-Molch die rettenden Tunnels wegen der Länge von zehn Metern nicht überwinden. Das Gericht sah die Argumente als nicht ausreichend an und wies die Klage einen Tag nach der Verhandlung ab. Was noch fehlt, ist die Urteilsbegründung. „Das Gericht hat dazu fünf Monate Zeit“, betonte Krauß. Liegt die Begründung vor, hat der Bund Naturschutz die Möglichkeit, in Berufung zu gehen. Erleichtert nahm Weßlings Bürgermeister Michael Muther das Urteil zur Kenntnis. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte, dass uns der Hirschkäfer doch noch einen Strich durch die Rechnung macht. Jetzt freue ich mich natürlich, dass es so schnell gegangen ist.“ Thomas Ostermayer, der seit 24 Jahren für die Umgehung und damit auch für eine verkehrsberuhigte Hauptstraße kämpft, spricht von einem Etappensieg. Die wenigsten erinnern sich noch, dass die Idee mit der Umgehungsstraße aus Protest gegen die Autobahnausfahrt Wörthsee vor gut einem Vierteljahrhundert entstanden ist. „Wir hatten damals festgestellt, dass beim Bau der verlängerten Autobahn die Ausfahrt für die Gemeinde Wörthsee auf Weßlinger Flur liegt. Unser Protest gegen den Autobahnanschluss war massiv, hat aber nichts genutzt. Deshalb haben wir im Gegenzug gefordert, den Verkehr raus aus Weßling und über eine Umgehung auf die Autobahn zu lenken.“ Ostermayer und seine Mitstreiter gründeten die Bürgerinitiative „Verkehrsberuhigung für Weßling“ und unternahmen seither alles, um in Zusammenarbeit mit der Gemeinde die Entlastungsstraße auf den Weg zu bringen. Trotz des positiven Urteilsspruchs gebe es weitere Hürden zu überwinden. „Die größte Hürde ist die Finanzierung der Straße. Jetzt müssen wir weiter Druck machen, damit die Politiker Geld dafür locker machen“, sagt Ostermayer. Es sei  zwar mal in der Diskussion gewesen, dass die Gemeinde die Umgehung vorfinanziert. „Das wird aber nicht gehen, so reich ist unsere kleine Gemeinde auch wieder nicht. Außerdem sehen wir nicht ein, dass wir eine Straße finanzieren, die zu 70 Prozent den Durchgangsverkehr aufnimmt. Das ist Sache des Staates.“ Keine Chance für die Vorfinanzierung sieht Bürgermeister Muther. „Auch wenn wir wieder 80 Prozent der förderungswürdigen Kosten zurückbekommen, bleiben immer noch drei bis vier Millionen Euro an uns hängen. Es stehen aber noch andere Projekte wie das neue Feuerwehrhaus oder die Schule an, in die wir investieren müssen“. Insgesamt soll die 3,2 Kilometer lange Umgehungsstraße rund 8,6 Millionen Euro kosten. Untätig jedoch will man bis zur Urteilsbegründung, auf die man unter Umständen fünf Monate warten muss, nicht bleiben. Muther: „Wir haben bereits ein Büro mit der Planung des Rückbaus der Hauptstraße beauftragt. Ein erstes Konzept soll in wenigen Wochen vorgestellt werden. Dann sind die Bürger aufgerufen, mitzumachen und Ideen einzubringen.“

Auch interessant

Meistgelesen

Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus

Kommentare