Mit Kind, Kegel und seit Neuem mit dem Radl

Ab sofort können Busgäste ihre Fahrräder im "958er" von Tutzing nach Andechs mitnehmen

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„Fahrradanhänger im Regionalbusverkehr“: Grünen-Kreisrat Anton Maier demonstrierte wie sich das Fahrrad einhängen lässt. Interessiert beobachten die Bürgermeister Rudolf Krug (Tutzing), Bernhard Sontheim (Feldafing) und Anna Neppel (Andechs) sowie Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster und Landrat Karl Roth die Aktion.

Landkreis – Alexander Freitag hebt das Fahrrad in den Anhänger. Der Geschäftsführer des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) greift in den Rahmen und hängt den Drahtesel in eine von 18 Vorrichtungen, die fortan ein fester Bestandteil der Regionalbuslinie 958 sein werden.

„Das ist eigentlich lernbar“, resümiert er. Von irgendwo klingt es „Die Leiter is schooo...“ und ein erstauntes „Der ist ja feuerrot.“ Feuerrot ist der Anhänger, den der Regionalbus seit Mittwoch bis zum 31. Oktober täglich im Stundentakt zwischen Tutzing und Andechs hinter sich herzieht. Er ist eine Leihgabe vom Regionalverkehr Oberbayern (RVO), das die Linie fährt. Wird das Angebot von den Kunden gut angenommen, erstrahlt der Radhänger in Zukunft in MVV-Farben. Das Projekt geboren hat Kreis-Verkehrsmanagerin Susanne Münster. Zum ersten Mal sah sie den Fahrrad-Bus am Chiemsee und war von der Idee begeistert. „Damit peppen wir eine begehrte Strecke auf“, freute sich auch Landrat Karl Roth am Dienstag beim Pressetermin über das erweiterte Angebot. Ab sofort können die Radler also auf dem heiligen Berg eine oder zwei Maß genießen, ohne auf der Rückfahrt ihren Führerschein zu riskieren.

Um das Projekt zu ermöglichen, wurden dem Fahrplan vier extra Minuten auferlegt. Die braucht man, um im Extremfall 18 Fahrräder ein- und wieder auszuladen. „So viele steigen in der Regel nicht gleichzeitig ein“, weiß die Verkehrsmanagerin. Und wenn, helfe man sich unter Radlern gegenseitig. Meistens sind es aber nur einzelne, die ihr Sportgerät einladen. Im Großen und Ganzen sei das Einhängen selbsterklärend. Das ist wichtig, denn einhängen müssen die Fahrgäste ihr Zweirad ohne Hilfe. Theoretisch. Schließlich ist der Busfahrer immer dabei: Am Ende ist nämlich er für die Sicherung zuständig. Am Dienstag demonstriert ein Mitarbeiter die Vorrichtung. Bügel auf, die Felge angreifen, einhängen, reindrücken, den Hebel umlegen und schon ist es vollbracht. Zehn Minuten Wartezeit sind für Tutzing vorgesehen. Die Zeit ermöglicht es, dass die Gäste in die S- oder Regionalbahn beziehungsweise von der Bahn in den Bus umsteigen. Die Varianten für die Radler sind vielseitig. Vorstellbar wäre etwa eine Tour um den Starnberger See und danach auf den Heiligen Berg. Von dort geht es dann mit dem Bus weiter. „Wir erschließen uns den Ammersee und Andechs den Starnberger See“, zeigt sich Tutzings Bürgermeister Rudolf Krug angetan von dem Pilotprojekt. Kollegin Anna Neppel aus Andechs freut sich, dass sie „die Endstation sein darf“. Der MVV-Geschäftsführer sieht den Landkreis Starnberg zusammen mit dem Regionalverkehr Oberbayern als „Pionier in Sachen Fahrradanhänger im MVV“. Und wenn die Fahrgäste das Angebot gut annehmen, bedeutet das nicht nur das Fortführen der Linie in den Sommermonaten. „Dies kann ein Anreiz für weitere Landkreise im MVV sein.“ Damit leiste man einen Dienst im Sinne der Umwelt. „Wir wollen eine umweltschonende Verkehrsmittelwahl in der Region München noch einfacher machen.“ Kostenlos ist das freilich nicht: Eine Fahrradtageskarte kostet 2,60 Euro. Der Fahrgast kann die Karte direkt beim Fahrer kaufen oder bargeldlos als HandyTicket über den MVV-Ticketshop. Ein Wehmutstropfen ist, dass die Räder nur in Tutzing und Andechs eingeladen werden können. Das hängt mit dem Fahrplan zusammen. „An den Unterwegs-Haltestellen würde dies zu Zeitverzögerungen führen, so dass der Fahrplan nicht mehr eingehalten werden könnte“, wird der Umstand erklärt. Die Betriebskosten für des neue Angebot belaufen sich auf rund 9.000 Euro. Der Betrag beinhaltet das Anbringen der Anhängerkupplung, das zusätzlich verbrauchte Benzin sowie die damit eingehenden erhöhten Wartungskosten. Wird die Linie weitergeführt, kommt noch ein eigener Anhänger hinzu. Und wie sieht es denn mit einer Ausweitung des Modells aus? Auf die Frage lässt sich Susanne Münster nicht ein. Aber die Verkehrsmanagerin verneint auch nicht. Nur der Landrat hat schon eine klare Vision. „Von Herrsching nach Andechs und zurück.“ Seit Mittwoch hat die Linie 958 Tutzing-Andechs sozusagen Zuwachs bekommen: Der Bus mit Anhänger verkehrt im Stundentakt, werktags zwischen 6 Uhr und 21 Uhr, samstags und sonntags zwischen 9 Uhr und 20 Uhr. Die Fahrrad-Tageskarte gilt – wie der Name schon sagt – den ganzen Tag über. Der Radler muss natürlich auch zusätzlich für sich eine Karte lösen. Die Abfahrt ab dem S-Bahnhof Tutzing ist stündlich ab 6.05 Uhr und ab dem Kloster Andechs ab 5.32 Uhr. Beim Einhängen sollten Fahrradkörbe und -taschen sowie lose Teile wie Tachometer vor der Fahrt vom Rad abmontiert werden. Reservierung sind nicht möglich. Der aktuelle Fahrplan des 958er Landkreisbuses ist im Netz unter www.lk-starnberg.de/958 abrufbar.

Michèle Kirner

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