"Gemeinsam füreinander einstehen"

THW feiert 70-jähriges Bestehen - Junge Tutzingerin erklärt, warum soziales Engagement heute so wichtig ist

+
Die 17-jährige Stella Imo aus Tutzing nahm an der 68. Young Leaders Akademie in Paderborn teil, bei dem soziales Engegement im Fokus stand.

Tutzing - Vor Kurzem, genauer gesagt am 22. August, feierte das Technische Hilfswerk (THW) sein 70-jähriges Bestehen. Am selbigen Tag im Jahre 1950 rief der damalige Innenminister Gustav Heinemann das THW ins Leben. Seitdem ist die Bundesanstalt Symbol gelebten sozialen Einsatzes. Stella Imo aus Tutzing stellt für den Kreisboten im Rahmen eines Gastbeitrages die Arbeit des THWs näher vor und beleuchtet dabei auch den Stellenwert ehrenamtlichen Engagements in unserer heutigen Gesellschaft. Ihr Bericht stützt sich auf einen Vortrag von Christiane Vieweger (Regionalstellenleiterin des THW Bielefeld), der im Rahmen der 68. Young Leaders Akademie Ende Juli in Paderborn gehalten wurde. Die Young Leaders GmbH ist eine Organisation, die dem Bundesverteidigungsministerium nahe steht.

„Bleibe nicht auf der Couch sitzen, rede nicht nur, sondern packe an!“ Dieses Motto, ausformuliert von Christiane Vieweger, hätte aus jedem Mund der ungefähr 100 Jugendlichen stammen können, die bei der 68. Young Leaders Akademie gespannt dieser engagierten Frau zugehört hatten. Das Motto der Veranstaltung lautete „Sozial oder politisch engagiert? 

Wer sich für andere einsetzt und neugierig ist auf spannende Zukunftsfragen, ist hier genau richtig.“ Dieses Motto hätte jedoch genauso gut von Christiane Vieweger oder einer anderen Person des Technischen Hilfswerks (THW) stammen können. Denn auch hier dreht sich alles um Engagement. Und nein, „das THW ist nicht der Handballverein in Kiel“, wie schon gleich zu Anfang von Frau Vieweger klargestellt wurde, „es ist eine Einsatzorganisation des Bundes, die Feuerwehr in Blau ohne den Bereich Löschen.“ Genau das ist das Technische Hilfswerk. Ungefähr 80.000 Freiwillige, darunter Jugendliche, Schüler, Studenten, Ausländer, alte Menschen, Menschen aus allen Berufsschichten, sogar auch Arbeitslose sind in 668 Ortsverbänden im Katastrophenschutz aktiv und helfen Anderen in Notsituationen. 

Laut Christiane Vieweger „eine große Familie, ein Pool von Gleichgesinnten.“ Durch soziales oder politisches Engagement erwirbt man viele Kompetenzen, kann über sich hinaus wachsen und selbst etwas zur Gesellschaft beitragen. Genau das machen auch die Menschen von sechs bis 99 Jahre beim THW. Durch ihre ungefähr 10.000 Einsätze im Jahr, bei denen sie Menschen in verschiedensten Notlagen helfen, leisten sie einen erheblichen Beitrag für die Gesellschaft. Der Katastrophenschutz in Deutschland ist weltweit ein einzigartiges System, 98 Prozent engagieren sich ehrenamtlich, nur zwei Prozent der Menschen sind fest angestellt. Jeder will hier für jeden in gefährlichen Situationen einstehen und da sein. Katastrophenschutz ist ein sperriger Begriff mit vielen negativen Konnotationen, wie Frau Vieweger erläuterte. Den Begriff Katastrophe verbindet man mit einem schlimmen Ereignis, etwa mit Überflutungen, Großbränden, vielen Toten, Verletzten und Personen, die ihre Existenz verloren haben. Hier werden Menschen benötigt, die äußersten Einsatz leisten. Oftmals ist eine spezielle Technik und Ausbildung gefordert, mit der das THW die Feuerwehr und Polizei unterstützt. Einsatz wird sehr groß geschrieben, sie sind 24 Stunden, 7 Tage die Woche, an 365 Tagen im Jahr einsatzfähig und -bereit. 

Denn dies ist ihre große Leidenschaft und sie brennen dafür, genauso, wie die Jugendlichen auf der Veranstaltung für ihr eigenes Engagement brennen. Ab 16 Jahren kann man beim THW in die Grundausbildung einsteigen, die Jugendarbeit beinhaltet Spiel, Spaß und Technik und das THW fungiert gleichzeitig als Freizeitgestalter. Mit Zeltlagern, Wettkämpfen und vielem mehr sollen die jungen Menschen für die Arbeit des THWs begeistert werden, bevor sie bei den ernsten Fällen mitmachen dürfen. Das THW ist sehr vielseitig aufgestellt, die Einsatzgebiete umfassen eine gewaltige Bandbreite. Um dies zu verdeutlichen, führte Christiane Vieweger einige Beispiele an. In Paderborn selbst half das Technische Hilfswerk der Feuerwehr beim Einsturz eines Gebäudes, Menschen aus den Trümmern zu bergen, darunter auch Todesopfer. Doch solche negativen Erfahrungen, an denen jeder wachsen kann, werden auch ausgeglichen durch Erfolge. Zum Beispiel bei der Unterstützung von Krankenhäusern und Pflegeheimen in Berlin Köpenick, während eines Stromausfalles, bei dem der ganze Stadtkreis ohne Strom war. 

Aber auch aktuell während der Corona-Zeit sind sie eingebunden in die Logistik und Verteilung medizinischer Schutzausstattung für Pflegeheime, Einsatzpersonal der Feuerwehren etc., der Aufstellung von Waschbecken auf Schulhöfen, bei der Verpflegung von Einsatzkräften in Testzentren mit Essen, Trinken und Waschmöglichkeiten sowie beim Aufbau mobiler Testzentren. Ein sehr aktuelles Beispiel war hierfür die kurzfristige Absage des Ehrenpräsidenten des THWs, Albrecht Broemme, für die Young leaders-Veranstaltung in Paderborn, welcher nach Berlin gerufen wurde, um dort zwei Corona-Test-Zentren für Reiserückkehrer zu installieren. 

Aber Deutschland ist nicht das einzige Einsatzgebiet. Das THW agiert weltweit. Es wird von den Vereinten Nationen, der EU und privaten Projektinitiativen angefordert. Beispielsweise half es in einem Flüchtlingscamp in Jordanien in Zusammenarbeit mit einheimischen Projektpersonen eine sanitäre Infrastruktur aufzubauen. Ein anderes Mal leistete das THW Hilfe zur Selbsthilfe zur Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung in Mosambik, als ein Zyklon die Gegend verwüstete und die Menschen ohne Wasserversorgung waren. Mit ehrenamtlichem Engagement kann man aktiv in der Gesellschaft etwas bewegen. Gerade für junge Menschen wäre es als anstehende Generation wichtig, sich gegenseitig zu motivieren, sich füreinander einzusetzen und miteinander zu helfen.

 Denn genau dann kann eine Gesellschaft reibungslos funktionieren und als Ganzes etwas verändern: wenn jeder bereit ist, jedem zu helfen. Oder wie Christiane Vieweger es so schön gesagt hat: „Wenn wir gemeinsam füreinander einstehen, können wir gemeinsam Gutes tun.“ Und vielleicht hat der ein oder andere ein neues Engagement gefunden, für das er in den nächsten Jahren brennen kann.

Gastbeitrag von Stella Imo

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Katastrophenfall in Bayern ausgesprochen: Notmaßnahmen für nächste 14 Tage
Katastrophenfall in Bayern ausgesprochen: Notmaßnahmen für nächste 14 Tage
Starnberger Kliniken: Papas dürfen bei Geburt dabei sein, keine Familienzimmer möglich
Starnberger Kliniken: Papas dürfen bei Geburt dabei sein, keine Familienzimmer möglich
Schwerer Unfall in Niederpöcking wegen illegalem Autorennen beim Badegelände Paradies
Schwerer Unfall in Niederpöcking wegen illegalem Autorennen beim Badegelände Paradies
Bundeswehr in Feldafing möchte 130 Jahre alte Schätze aus der Fernmeldetechnik zeigen
Bundeswehr in Feldafing möchte 130 Jahre alte Schätze aus der Fernmeldetechnik zeigen

Kommentare