Feldafing: Biss in den Daumen / Streit unter eigentlich befreundeten Zimmergenossen in Flüchtlingsunterkunft

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Feldafing - „Das war damals das erste und einzige Mal, dass wir uns gestritten haben – wir kommen gut miteinander aus!“ Diese von einer Dolmetscherin ins Deutsche übersetzten Worte eines 25-jährigen Flüchtlings aus Eritrea über seinen zwei Jahre jüngeren, wegen Körperverletzung angeklagten Landsmann hätten eigentlich auch der Staatsanwaltschaft nahe legen können, die vom Amtsgericht zu verhandelnden Straftaten nicht ganz so drastisch zu ahnden.

Doch die Anklagevertreterin forderte 130 Tagessätze – für einen Biss in den Daumen im Zuge einer Rauferei sowie einen weiteren Faustschlag, den der Jüngere seinem Zimmergenossen in einer Feldafinger Flüchtlingsunterkunft im Februar 2016 wenige Stunden nach der ersten Auseinandersetzung verpasst hatte. Der Zoff zwischen den befreundeten Eritreern hatte sich aus nicht näher beschriebenen Gründen im gemeinsamen Zimmer entzündet, das beide Streithähne offenbar auch jetzt wieder teilen: Beiderseits war wohl Alkohol im Spiel gewesen, als der bislang nicht auffällig gewordene Angeklagte (er besucht Integrations- und Deutschkurse) auf den Anderen los ging – bei dem 23-Jährigen wurden bei einer polizeilich angeordneten Blutentnahme knapp zwei Promille festgestellt. Der Biss in den Daumen war nach Darstellung des Be-schuldigten passiert, als der Geschädigte ihm ins Gesicht gelangt hatte: Sein Anwalt arbeitete durch präzises Nachfragen heraus, dass der Angeklagte hierdurch selber einen Bluterguss im Auge erlitten hatte – ein Polizeifoto belegte dies. Den Faustschlag hatte der Mandant dann einige Stunden später gegen den Anderen geführt, laut einem Security-Beauftragten der Unterkunft mitten in der Nacht, als der Daumenbeißer von seiner Behandlung aus einem Münchner Krankenhaus nach Feldafing zurückgekehrt war. Den mittlerweile in einem anderen Krankenhaus verarzteten und bereits schlafenden „Zimmergenossen“ hatte er diesmal für sein inzwischen zerstörtes Handy verantwortlich gemacht – den kaum zu bändigenden Angreifer hatte die PI Starnberg nach dem zweiten Vorfall binnen einer Nacht in Sicherungsgewahrsam genommen. „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt,“ ließ der Angeklagte nun für Richterin Brigitte Braun übersetzen, „wir trinken keinen Alkohol mehr und vertragen uns.“ Sein Landsmann bestätigte das, und der Verteidiger sprach in seinem Plädoyer von „wechselseitigen Handlungen“ bei der Rauferei, „begangen zwischen zwei miteinander Befreundeten“. Taten also, die keine Vorstrafe rechtfertigen würden - sein Vorschlag: Verfahrenseinstellung gegen Auflage von Sozialstunden. Die Richterin blieb mit ihrem Urteil etwa in der Mitte der Straf-Forderungen: 90 Tagessätze zu je zehn Euro, die allerdings wegen der faktischen Mittellosigkeit des anerkannten Asylbewerbers eventuell in Sozialstunden umgewandelt werden können. Braun zum Strafmaß: „Den Biss in den Daumen stufe ich geringer ein als die zweite Attacke, hinsichtlich Einstellung ist es ein Grenzfall.“ mps

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