Auf den Feldern im Landkreis wird das Herbizid kaum eingesetzt

Glyphosat kein Thema

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Glyphosat auf Feldern im Landkreis kommt so gut wie gar nicht mehr vor. Aber auch aus Privat-Gärten soll das Herbizids verbannt werden.

Landkreis – Eigentlich ist Glyphosat auf den Feldern im Landkreis Starnberg kein Thema, zumindest nicht auf den kreiseigenen Flächen. Die Grüne Kreistagsfraktion möchte jedoch eine vertragliche Verpflichtung aller Pächter auf Verzicht des Herbizids – auch zur Pflege von Sport- und Grünanlagen. Die Gemeinden sollen ebenfalls in die Pflicht genommen werden. Doch genau diese Verpflichtung sorgte am Dienstag für deutlichen Unmut unter den drei Landwirte-Vertretern im Kreis- Umwelt- und Mobilitätsausschuss.

Die Untere Naturschutzbehörde soll nach Wunsch der Grünen die Kommunen sowie die Stadt Starnberg ähnlich verpflichten, wie dies bereits bei den Pächtern von Landkreis-Grundstücken passiert. Doch das geht Kreisbäuerin Anita Painhofer, Landwirt Max Stürzer und Martin Fink, dem Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigung Starnberg, entschieden zu weit. Schließlich verfügen die Gemeinden über deutlich mehr Flächen, die auch an Landwirte verpachtet sind, als der Kreis. 

Ihrer Meinung nach würde ein generelles Verbot den einzelnen Landwirt in seinen betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten zu sehr einschränken. Die Landwirtschaft sei nicht so weit für einen derart weitreichenden Beschluss, schilderte Max Stürzer (CSU) die Problematik: Denn das Herbizid Glyphosat würde nur als „Notbremse“ eingesetzt, es sei außerdem deutlich ungefährlicher als alle Unkrautvernichter, die zuvor auf dem Markt waren.

Einsatz höchstens "punktuell"

„Mich ärgert, dass hier ein Mittel so benachteiligt wird“, legte Stürzer nach, der zudem an der vielzitierten Gesundheitsgefährdung zweifelt. „Wir haben mehr Insektensterben durch Tabletten-Rückstände in den Gewässern als durch Glyphosat“, kritisierte er die fortdauernde Schelte an seinem Berufsstand. 

Schützenhilfe bekam der Landwirt von FDP-Kreisrat Wolfgang Weber-Guskar. Der Mediziner kritisierte die Hysterie, die um das Herbizid entstanden sei, ohne über ausreichendes Wissen zu verfügen. „Der Landwirt ist der Experte, er und nur er weiß, wann er es einsetzen muss“, so Weber-Guskar. Kreisbäuerin Anita Painhofer beruhigte die Runde: „Glyphosat wird höchstens punktuell verwendet, und nur, wenn wirklich nötig.“ Der Gilchinger CSU-Kreisrat Martin Fink betonte, „jeder Landwirt macht alle drei Jahre ein Aus- und Weiterbildung, er weiß, was in den Mitteln drin ist“. Und eigentlich sei „Glyphosat harmlos“.

Grüne wollen Private in die Pflicht nehmen

Dem Antragsteller Anton Maier geht es dagegen „um die Sensibilisierung der Bevölkerung“. Niemand wolle die Landwirte in ihrer Existenz bedrohen, versicherte Maier. Was auch SPD-Kreisrätin Sissi Fuchsenberger so sieht: „Es geht mehr um die Aufklärung von privaten Gartenbesitzern“ als um die Bauern im Landkreis.

Einig war sich die Runde im Ausschuss über einen Glyphosatverzicht bei allen Neuverträgen beziehungsweise Vertragsverlängerungen. Fach-Behörden sollen bei der Planung landkreiseigener Grün- und Verkehrsflächen hinzu gezogen werden und für mehr Beratung und Information zu sorgen. Diesen Punkten in der Beschlussvorlage folgte alle einstimmig – obwohl Eva-Maria Klinger (CSU) zuvor noch feststellte, das der Beschluss eigentlich überflüssig ist: „Wir verwenden es heute nicht und beschließen heute, es weiterhin nicht verwenden zu wollen.“ Lediglich bei dem Votum bezüglich der Gemeinden, gab es keine Einstimmig. Landrat Karl Roth versicherte, das Thema bei der nächsten Bürgermeister-Dienstbesprechung auf die Agenda zu setzen.

Von Oliver Puls

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