Felix Benneckenstein stieg aus Nazi-Szene aus und berichtet Schülern der Starnberger Berufsschule über schweren Gang

"Ich hörte Rechtsrock über den Ghettoblaster"

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Felix Benneckenstein erzählte über seinen Ausstieg aus der Nazi-Szene.

Starnberg – Er ist Starnberg geboren, ging auch dort zur Berufsschule. Als Jugendlicher rutschte er mit 14 Jahren in die Nazi-Szene ab. Felix Benneckenstein, damals unter dem Namen „Flex“ bekannt, erlebte einiges in dieser Zeit. Heute ist er 31 und ein sogenannter Aussteiger. Nun hält er Vorträge über die damalige Zeit und wieso er in die rechte Szene kam. So auch vor kurzem in seiner ehemaligen Berufsschule.

Mit 13 Jahren fing der damals in Erding lebende an, seine Grenzen auszutesten und kam vom Gymnasium auf die Hauptschule, wo er nach eigener Aussage aus den Pausenclown spielte. „Das war wichtig für mich!“ Denn er bekam Aufmerksamkeit. Dort machte er Bekanntschaft mit den „Dorfnazis“. Während andere für den Schulabschluss lernten, las Felix Bücher über rechte Ideologien. 

Sein Bruder hat das Down-Syndrom und seine Mutter ist Epileptikerin. „Hätte meine Familie im Dritten Reich gelebt, wäre ich wahrscheinlich nicht mal auf dieser Welt. Denn es passt ja nicht ins arische Bild. Und trotzdem habe ich mich der Neo-Naziszene angeschlossen. Heute noch habe ich Fragezeichen in meinem Kopf, wieso ich das getan habe“, erzählte er den Zuhörern in der Schule. Er fing an, die Verschwörungstheorien zu glauben. „Deutschland wurde in der falschen Rolle gezeigt. Das nennt sich Geschichtsrevisionismus: Die Opfer und Täter wurden verdreht und das forderte Gerechtigkeit. Also, wir Deutsche gegen die Ausländer und den Staat. Sich zum Freiheitskämpfer zu erklären, da war ich stolz auf mich“, sagte er.

Flex, der Liedermacher 

„Ich hörte Rechtsrock über den Ghettoblaster. Anfangs war es seltsam, aber irgendwann störte es mich nicht mehr“, so Felix. Er suchte den Kontakt zu „echten Nazis“. Mit 14 Jahren war er in der Erdinger Nazi-Szene. Später lernt er bei einer Mahnwache ranghohe Mitglieder der „Kameradschaft München“ kennen. Die rechte Szene band ihn schnell ein. Er wurde NPD-Mitglied und trat dann als Liedermacher „Flex“ bei Kameradschaftstreffen in ganz Deutschland auf. Er zog dann nach Dortmund. „Dort war die Szene militanter und ‚intellektueller‘“, beschrieb er. Es lief einige Zeit lang gut für ihn. Plötzlich geriet er in einen Streit zwischen Nazis. „Ich wohnte mit einem sogenannten Verräter zusammen und eines abends wurde bei ihm die Türe eingeschlagen und die Männer hatten ein Messer in der Hand. Ich hatte mich dazwischen gestellt und wurde damit auch zum Verräter erklärt. Ich hatte mich auf die falsche Seite gestellt“, so der 31-Jährige. Er verließ Dortmund und ging nach München. Dort nahm er Kontakt zu seiner heutigen Frau Heidi auf. „Es hat dreieinhalb Jahre gedauert, bis ich erste Risse in dieser Nazi-Ideologie sah.“

Ausstieg 2011 

Zehn Jahre war er in der rechtsextremen Szene aktiv. Für seine Eltern, Lehrer und Freunde war er unerreichbar. Zurück in München begann er sich intensiv mit der Ideologie und den Verschwörungen auseinanderzusetzen. „Ist der Döner Kebab wirklich der Feind unseres Landes?“ fragte er und die Jugendlichen im Raum lachten. „Es wurde sehr viel schön geredet.“ Heidi und er hatten beschlossen aus der Szene aus zusteigen. Das hat drei Jahre lang gedauert. Für seine Frau war der Ausstieg vielleicht noch ein bisschen härter, denn sie wurde in eine Nazi-Familie hineingeboren. Sie schrieb auch ein Buch darüber mit dem Titel: „Ein deutsches Mädchen.“

Aussteigerhilfe Bayern 

Felix Benneckenstein arbeitet heute bei Exit - Aussteigerhilfe Bayern. Exit ist eine Initiative, die Menschen hilft, die mit dem Rechtsextremismus brechen und sich ein neues Leben aufbauen wollen. Zugleich setzen sie sich mit der Vorstellungswelt und dem Verhalten von Rechtsextremisten auseinander. Heute meidet der 31-Jährige gewisse Situationen. „Wenn ein Bundesligaspiel ist, wie Dortmund gegen den FC Bayern, dann meide ich die S-Bahn“, erklärte er.

Von Alma Jazbec

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