Finger in die Wunde gelegt

Die CSU steckt in der (Sinn)-Krise und ist derzeit eher damit beschäftigt, sich mit der Lage der eigenen Partei als mit dem Gegner auseinander zu setzen. So war es wohl auch kein Zufall, dass Starnbergs Ortsvorsitzender Ludwig Jägerhuber am traditionellen politischen Aschermittwoch Wilfried Scharnagl eingeladen hatte. Er referierte über das Thema „Volkspartei CSU – Was uns stark macht!“ und zeigte Wege auf, wie die CSU zu alter Stärke zurückfinden könne. „Die CSU muss sich auf ihre Wurzeln besinnen und nur ihre Grundsätze wieder konsequent in politisches Handeln umsetzen“, erklärte Scharnagl.

Obwohl er erst am Morgen nach einer Meniskusoperation aus dem Krankenhaus entlassen worden war, hatte es sich Wilfried Scharnagl nicht nehmen lassen, nach Gut Rieden zu kommen, um „Klartext“ zu sprechen. In seiner Rede versuchte der frühere Chefredakteur des „Bayernkuriers“ und Vertrauter des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der CSU- Basis Mut zu machen. Trotz des Verlustes der absoluten Mehrheit und der Wahlergebnisse „sind wir immer noch die stärkste und einzige, echte Volkspartei in Bayern“, erinnerte der Publizist mehrerer Bücher. Allerdings sparte er auch nicht mit Kritik und legte die Finger schonungslos in die Wunden. „Zu überheblich“ – eine Sprache, die Menschen, nicht wollen (wie der Spruch von Erwin Huber, „Frösche darf man nicht fragen, ob man ihren Sumpf austrocknet“) - „zu schlecht vorbereitete und hastig umgesetzte Entscheidungen wie die Einführung des G8“ sind laut Scharnagl mit verantwortlich dafür, dass die Menschen die CSU nicht mehr verstanden haben. „Die Menschen konnten unsere politischen Schritte nicht mehr nachvollziehen“, so Scharnagl. Als ganz schwierig bezeichnete er das Hin und Her vom früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber in Sachen „München - Berlin und wieder zurück“. „Das war der Anfang vom Ende“, ist sich Scharnagl sicher. Obwohl nach der Entscheidung Stoibers in München zu bleiben, „äußerlich alles wieder beim Alten und gekittet schien“, habe die Person Stoiber nicht mehr wie vorher „geklungen“. Scharfe Worte hatte er für die „Stiefschwester-Partei CDU“ übrig: „Mit Feuer und Schwert haben sie CSU-Vorschläge im Wahlkampf bekämpft und danach doch beschlossen“. Scharnagl appellierte „zusammen zu halten, im Kleinen wie im Großen“. Schließlich fehle es der CSU nicht an politischen Grundsätzen wie christlicher Verantwortung oder sozialer Gerechtigkeit. Für diese müsse sie wie früher „mutig kämpfen“ – auch bei Gegenwind. Wilfried Scharnagl verabschiedete sich mit den Strauß-Worten: „Dankbar rückwärts – mutig vorwärts – und stetig aufwärts“ und bekam dafür viel Beifall.

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