Fluchttüren, Brandschutz, Denkmalschutz: Im Herrschinger Bauausschuss wird Sanierung diskutiert

Langer Weg zur Kultur im Bahnhof

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Langfristig sollen im Bahnhof unter anderem öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Doch dann würde die Debatte rund um das Thema Sicherheit erneut beginnen.

Herrsching – Wer ein altes Gebäude sanieren möchte, steht generell vor großen Herausforderungen. Reden noch Behörden mit, verkompliziert sich die Angelegenheit erheblich. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist Herrschings denkmalgeschützter Bahnhof.

Denn, in dem Gebäude sollen langfristig unter anderem öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Gar nicht so einfach, wie die jüngste Bauausschusssitzung zeigte. Erst muss die Bahn das Gebäude umwidmen, dann sollen die – ebenfalls geschützten – Rauchschwalben ihren Nestbau nach außen verlegen. Deshalb werden die Zugänge der offenen Verbindungshalle zwischen den zwei Gebäuden mit Glasfenstern und Türen verschlossen (wir berichteten). Das muss vor oder nach der Brutzeit im Frühling beziehungsweise im Herbst passieren. Für die Maßnahme erteilte die Regierung von Oberbayern jetzt dauerhaft eine „artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung“, verkündete Bürgermeister Christian Schiller am Dienstag. Das Areal darf also zugemacht werden – aber wie genau? Verschließt man nämlich den Verbindungsbau, dann verschließt man auch den Fluchtweg durch die offene Halle, erklärte Tim Sittmann-Haury von dem mit der Planung beauftragten Büro „raumstation Architekten“. Dafür reichten auch die drei geplanten Türen nicht, so der Ingenieur. Gemeinsam mit Andreas Pilar von Pichau, Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz, hatte er das Gebäude mit Blick auf Brandschutz in Augenschein genommen. Mögliche bauliche und mit dem Denkmalschutz übereinstimmende Lösungen waren in den Plan eingetragen. In der Fassade zur Gaststube etwa könnte eine Türe gebrochen werden. „Das ist nicht verwirklichbar“, intervenierte Wilhelm Welte (CSU) augenblicklich. Genau an dieser Stelle stünde die Theke. „Dann ist die Gastwirtschaft im Eimer.“ Der Rathauschef sah einen bereits vorhandenen Fluchtweg durch die Hintertür der Küche ins Treppenhaus und von dort ins Freie. Jene hatten die Fachleute nicht im Visier gehabt, weil sie die Begehung nicht in den Räumlichkeiten, sondern lediglich von außen gemacht hatten.

Und schon beschäftigte die Räte das nächste Problem, denn in der Küche standen in Weltes Augen zu viele Gegenstände für eine ungehinderte Flucht rum. Alternativ zu den extra Ausgängen brachte Sittmann-Haury einen Rauchmelder ins Gespräch, der die Besucher rechtzeitig warnen würde. Neben den Fluchtwegen sollen der Technikraum und der Weinladen mit feuerhemmenden Wänden abgesichert werden, sodass das Feuer 30 Minuten lang nicht auf andere Teile des Gebäudes übergreifen kann, beschloss das Gremium schließlich einstimmig. Nicken Denkmalschutz und Brandschutz die vorgesehenen Fluchtwege beziehungsweise alternativ die Brandüberwachung ab, dann ist allerdings noch längst nicht klar, ob die zugemachte Halle in Zukunft auch öffentlich genutzt werden kann: Eine Bestuhlung oder eine Ausstellung würde die Planer brandschutz- und somit auch denkmalschutzrechtlich vor neue Anforderungen stellen. Dann ginge die Diskussion abermals von vorne los.

Von Michele Kirner

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