Sieben Jahre Forschung

Frederike Heller stellt "Wie sich die NSDAP 1919-1938 im Landkreis Starnberg ausdehnte" vor

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Bei der Buchpräsentation sind Stefan Diebl, Sprecher des Landratsamts, Autorin Frederike Heller, Kulturreferentin Barbara Beck und Landrat Karl Roth.

Starnberg - Diese Woche stellte Frederike Heller im Landratsamt ihre Dissertation vor: „Die NSDAP im Landkreis Starnberg – Von den Anfängen bis zur Konsolidierung der Macht 1919-1938“. Die sieben Jahre lange Forschungsarbeit fand nun mit ihrem Buch einen Abschluss. Die Veröffentlichung beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Mechanismen und Verfahrensweisen, die dazu geführt haben, dass die NSDAP während ihrer sogenannten „Kampfzeit“ im Landkreis rapide auf hohen Anklang stoß.

Nachdem die Historik-Wissenschaft die letzten 15 Jahre flächendeckend mobilisiert hat, um den Nationalsozialismus auf Mikrokosmos Eben zu untersuchen, soll auch dieses Buch dazu beitragen. Die Recherche von amtlichen Quellen, der Spruchkammer Starnberg als auch die Auswertung der regionalen Blätter „Land-und Seebote“ und „Andechser Rundschau“ zeigen deutlich, in welcher Geschwindigkeit eine politische Stimmung kippen und eine Ideologie Meinungsmehrheit finden kann. So kam es bereits nur wenige Tage nach der Machtübernahme der Nazis im Landkreis ohne Gegenwehr zu Verhaftungen als auch zu Deportationen. 

Sozialdemokraten, Kommunisten und Mitglieder der Rotfront wurden ins KZ Dachau deportiert, sodass ein Gegenwind im Keim erstickt wurde. Man müsse allerdings genau verstehen, warum der Landkreis keine Opposition einnahm. Die gescheiterte Revolution 1918/1919 sorgte für willkürliche Geiselnahmen, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen, die den Orten des Landkreises große Furcht einjagten. Entsprechend wurde ein „Beiseiteschaffen der Revoluzzer“ willkommen begrüsst. Die NSDAP machte sich mittels gewaltbereiter Drangsalierungen auf politischer als auch auf gesellschaftlicher und persönlicher Ebene in der gesamten Region um den Starnberger- und Ammersee Macht wirksam. Ebenso die omnipräsente Intervention von ihren Unterorganisationen sorgte in Belangen, wie Erziehung, Freizeitgestaltung und sogar in der Kunst für eine uniforme Gesinnung. Schlüsselfiguren, wie der Kreisleiter Franz Xaver Buchner, später der Bürgermeister von Starnberg, fällt mit seinem Werk „Kamerad! Halt aus!“ hierbei besonders ins Gewicht. Dieses Buch ist beinahe eine „Gebrauchsanweisung“ für das Vorgehen der NSDAP im ländlichen Bereich. 

"Man muss wachsam sein und Abdriften der Gesellschaft verhindern"

Um solche Verbrechen zu verhindern, müsse der Landkreis zu seiner Vergangenheit stehen und vor allem die jüngere Generation aufklären. „Aktuelle Gräueltaten, wie in Halle zeigen uns, dass meinungsverwandte Gruppierungen, Neonazis oder Antisemiten in Deutschland immer noch existieren und überdies sogar gewalttätig agieren. Dies macht einen Informationsfluss nicht nur zur Jugend, sondern zur gesamten Bevölkerung unabdingbar. Man muss wachsam sein und wenn nötig Zivilcourage zeigen, um jegliches Abdriften in eine rechts außen liegende Gesellschaft zu verhindern.“, so Heller. 

Interne Kontakte müssen gepflegt werden

Ab Anfang 2020 beginnt Heller ihre Anstellung als neue Kreisarchivarin. Es stehe bereits ein neues Buch-Projekt in der Pipeline, welches sich mit den T4 Opfer im Landkreis auseinandersetzen werde (Aktion T4 ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für die systematische Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in Deutschland von 1940 bis 1941 unter Leitung der Zentraldienststelle T4, Anm. der Redaktion). Insbesondere freue sich Heller nun auf eine enge Zusammenarbeit mit ihren Kollegen aus den anderen Gemeinden. Der interne Kontakt müsse gepflegt werden, damit die Arbeit erleichtert würde und Geschichte weiterhin gewahrt werden kann. 

Das Buch „Die NSDAP im Landkreis Starnberg – Von den Anfängen bis zur Konsolidierung der Macht 1919-1938“ wird über den Eigenverlag gedruckt und erhältlich sein.

Von Sara-Marie Krupper

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