Die Fronten sind weiter klar abgesteckt

Die Maisinger haben mit dem Musiker Peter Maffay einen prominenten Mitstreiter gegen den geplanten Gewerbestandort „Maxhof-West“. Foto: Jaksch

Auch nach der Informations- und Diskussionsveranstaltung der Gemeinde Pöcking zum geplanten Gewerbegebiet in der Nähe von Maising sind die Fronten weiter klar abgesteckt. Auf der einen Seite stehen Pöckinger, die den Standort Maxhof-West als unumgänglich ansehen, um dem heimischen Gewerbe Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und somit der Abwanderung von wichtigen Gewerbesteuerzahlern entgegen zu wirken - auf der anderen Seite befinden sich die Dorfbewohner, die befürchten, dass das idyllische Kleinod Maising zerstört wird - durch massive Verkehrszunahme sowie durch die Verschandelung und Zersiedlung einer bisher intakten und unberührten Naturlandschaft.

Einen prominenten Mitstreiter gegen das Projekt haben sie bereits: Peter Maffay. Wie der Rock-Star gegenüber der Presse erklärte, sei Maising wie eine „Blaue Mauritius, die man als Philatelist nicht durch einen Fettfleck zerstöre“. Der Musiker unterstützt die Maisinger Bürger-Initiative „Zukunft Maising“, die sich für den an der B2 gelegenen Standort Maising-Ost ausspricht, sowie 80 Prozent aller Haushalte in Maising Rund 200 Besucher waren in die Maxhof-Kaserne gekommen, um sich zweieinhalb Stunden über das geplante Gewerbegebiet am Ortsrand von Maising zu informieren und mit den Verantwortlichen zu diskutieren.Zuerst machte Bürgermeister Rainer Schnitzler noch einmal das Dilemma deutlich, in dem die Gemeinde steckt. Auf der einen Seite seien insgesamt elf Betriebe aus dem Ort - zudem weitere fünf aus der näheren Umgebung mit Pöckinger Firmeninhabern und ein Fortbildungsinstitut aus Feldafing - die dringend Flächen für ihre wirtschaftliche Entwicklung brauchen würden: „Sonst sind die ganz schnell weg und mit ihnen die Gewerbesteuereinnahmen“, befürchtet der Rathauschef. Die Gemeinde bilde mit einem Arbeitsplatz, der auf 62 Einwohner kommt, ohnehin das Schlusslicht in der Landkreistatistik. Auf der anderen Seite seien alle untersuchten zwölf Alternativstandorte gescheitert. Schnitzler versprach, dass sich auf dem Areal nur kleinere und mittlere Handwerksbetriebe mit bis zu 40 Mitarbeitern ansiedeln dürften - und keineswegs große Baumärkte oder Discounter mit dem entsprechenden Liefer- und Kundenverkehr zugelassen würden. „Weil uns das Areal gehört, können wir das privatrechtlich auch so steuern“, so Schnitzler. Auch könne man per Tonnage-Beschränkung verhindern, dass Lkws von der Autobahn-Anschlussstelle Gilching zum künftigen Gewerbegebiet durch Maising fahren dürften. Weil man den Anspruch hat, ein hochwertiges Gewerbegebiet zu schaffen, soll es im übrigen stark eingegrünt werden. Planerin Professor Donata Valentien gab zu, dass die Anbindung des Gewerbegebietes an der Ortsverbindung zwischen Pöcking und Maising problematisch ist. Auch wenn die Verkehrsmanagerin des Landkreises, Susanne Münster, ausgerechnet hatte, dass von den gezählten 723 Fahrzeugen, die pro Tag durch Maising fahren, mehr als 600 Fahrten von den Dorfbewohnern selbst verursacht werden. Sie räumte zwar eine Verkehrszunahme durch das neue Gewerbegebiet ein, meint aber, dass sich das Problem mit dem Bau der geplanten Westtangente von selbst auflöst. Das wiederum konnten die Maisinger ganz und gar nicht glauben. Immerhin kann es wegen der juristischen Auseinandersetzungen und Enteignungsverfahren dauern, bis die Westtangente tatsächlich gebaut wird. Bis dahin müssten die Maisinger, die bereits heute an schönen Wochenenden unter Autolawinen und „Wildparkern“ leiden, wohl mit dem Mehr-Verkehr alleine zurecht kommen. Die Bürgerinitiative „Zukunft Maising - Pro Heimat & Kulturlandschaft - Contra Zersiedelung & Verkehr“ betonte ausdrücklich, „für unsere Gewerbetreibende und für unsere Handwerker“ zu sein, aber gegen den geplanten Standort. „Das schmälert den Erholungswert von Maising, wenn jeder Wanderer erst einmal das Gewerbegebiet zu sehen bekommt“, kritisierte Susanne Bernhard. Professor Michael Kutschker wunderte sich, wie sich die Bedenken der Planer gegen eine Zersiedelung des Gebietes (ist laut Landesentwicklungsplan „verboten“) zwischen erstem und zweiten Gutachten plötzlich „verflüchtigt“ haben. Professorin Valentien räumte ein, dass die Befürchtungen der Zersiedelung berechtigt seien, aber nur aufgrund einer juristischen Besonderheit: Die Kaserne zählt nach dem Gesetz nicht zur Siedlung. Wenn man das Gewerbegebiet näher an Maising rücke, könne man dies aber vermeiden. Die Initiatoren fürchten nun, dass der Vorwurf der Zersiedelung ausgehebelt werden soll - vor allem auch, weil laut Anke Klostermeier in den Plänen ein Standort für ein neues Feuerwehrhaus zwischen Gewerbegebiet und Maising eingezeichnet ist. Generell sprechen sich die Maisinger für das Areal „Maxhof-Ost“ zwischen B2 und Kaserne aus, das sie als besser geeignet ansehen. Die Flächen verfügten über eine hervorragende Verkehrsanbindung - würden keine Verkehrsbelastung für Pöcking und Maising bedeuten oder Zersiedelung mit sich bringen - und gehörten auch nicht wie von den Planern irrtümlich behauptet, zur einschränkenden Wasserschutzzone Maisinger Schlucht. Diese fachliche Beurteilung durch die Experten hatte das Aus für den Standort bedeutet. Laut Professorin Valentien sei zwar ein inhaltlicher Fehler passiert: Trotzdem befinde sich das Gebiet immer noch im Wasserschutzgebiet - nur eben nicht im Wasserschutzgebiet Maisinger Schlucht, sondern dem Wasserschutzgebiet Maxhof. Außerdem gebe es seitens der Landesplanung eine deutliche Ablehnung gegen das Areal. Laut Schnitzler ist die gemeindeeigene Fläche mit 2,5 Hektar auch zu klein für ein Gewerbegebiet. Eine weitere Alternative sehen die Maisinger in dem rund 4,2 Hektar großen Areal neben dem Autohaus Bauer im Süden von Pöcking, von dem die Gemeinde im vergangenen Sommer drei Grundstücksstreifen erwerben konnte und das seit 20 Jahren für die Entwicklung eines Gewerbegebietes vorgesehen ist. Tenor: Mit dem Bau eines Gewerbegebietes beginnen und denjenigen Betrieben zur Verfügung stellen, die es am dringendsten brauchen.

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