Aktuelles aus dem Starnberger Stadtrat

Fünf einmütig beschlossene Punkte zum weiteren Vorgehen beim „Bayerischen Hof“ - Kammerl attackiert Pfister/John scharf

Bayerischer Hof
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Das Politikum Bayerischer Hof erhitzt derzeit die Gemüter in Starnberg.

Starnberg - Bauausschuss und Gesamtstadtrat haben sich binnen fünf Tagen jeweils einmütig auf die nächsten Schritte beim Thema „Bayerischer Hof“ festgelegt – das pragmatische Signal: Möglichst rasch soll geklärt werden, ob die Außengastronomie, vor allem die griechische „Taverna“ wieder öffnen darf, denn hierfür ist laut Bürgermeister Patrick Janik „keine zustimmungspflichtige Genehmigung des Landratsamts erforderlich“. 

Die beiden Gremiensitzungen am 22. bzw. 26. April wurden von auffallend vielen Zuschauern verfolgt, darunter die Pächter des „Bayerischen Hof“ und der „Taverna“. Stadtrat Franz Sengl (Bündnis 90/Grüne) nahm dies zum Anlass, die Rathausverwaltung aufzufordern, dass man doch bitte die Pächter des Griechen offiziell darüber informieren möge, wie die Genehmigungslage für die Wiedereröffnung des Biergartens ausschaut: „Ich möchte, dass er im Sommer aufmacht“, so Sengls leidenschaftliches Plädoyer. Ratskollege Otto Gassner (UWG) daraufhin besänftigend: „Der anwesende Gastronom ist der deutschen Sprache mächtig.“

Das in fünf Punkten vom Bauausschuss festgezurrte und vom Plenum bestätigte weitere Vorgehen in Sachen „Bayerischer Hof“ (nebst Vorplatz und Rondell), Villa Bayerlein bzw. „Alte Oberschule“ (derzeit VHS-Gebäude) und Nutzung sieht so aus:

1. Sämtliche Bestandsunterlagen zum „Bayerischen Hof“ und zur „Villa Bayerlein“ nebst den insgesamt 7.500 Quadratmeter großen Grundstücken sollen (für die Erarbeitung eines planerischen Gesamtkonzepts) zusammengefasst werden;

2. Eine „umfassende Untersuchung des Zustands“ der beiden historischen Bauten soll die Grundlage aller weiteren Überlegungen bilden: Insbesondere „Standsicherheit, Sanierungsmöglichkeit und die Möglichkeit der raschen Wiedereröffnung“ des „Bayerischen Hof“ sollen geklärt werden – mit dem Einschub des Wortes „rasch“ wollte die ehemalige Bürgermeisterin Eva Pfister (vormals John) namens des „Bündnis Mitte Starnberg)“ (BMS) diesen Punkt der Beschlussfassung gegenüber dem Bauausschuss bei der Stadtratssitzung nochmals präzisiert wissen;

3. Mit dem Landesamt für Denkmalschutz sollen „Abstimmungsgespräche“ geführt werden;

4. „Bayerischer Hof“ samt Rondell sowie „Villa Bayerlein“ sollen „zumindest in ihrem äußeren Erscheinungsbild“ erhalten bleiben – zu diskutieren wäre demnach noch, ob z.B. beim „Bayerischen Hof“ (erbaut um 1865) im Fall eines Abrisses Bestandsbaus die charakteristische Fassade stehen bliebe;

5. Ein Verkauf des seit 1999 denkmalgeschützten „Bayerischen Hof“ wird nicht angestrebt, die Vergabe an einen zu findenden Investor möglichst „in Erbbaurecht“ erfolgen – was für diesen Investor bestimmte Nutzungsvorgaben bedeuten würde.

Ehe es zur Verständigung auf diese fünf Eckpunkte kam, war man sich im Bauausschuss und im Stadtrat keineswegs so einig gewesen: Franz Sengl (Grüne) und insbesondere die 2.Bürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU) richteten an die ehemalige Rathauschefin Eva Pfister (vormals John) deutliche Vorwürfe, die in Richtung Versäumnisse gingen: Laut Kammerl sei es einer „Aktennotiz von 2015“ zu entnehmen, „dass eine Verlängerung der Pachtverhältnisse eigentlich unverantwortlich gewesen ist“ – die damaligen Stadträte seien hiervon seitens Bürgermeisterin John damals „nicht informiert, Anträge wissentlich verschleppt und nicht behandelt worden“, ereiferte sich Kammerl im Nachhinein: „Wenn ich all das sehe, wird mir schlecht!“

Auch Sengl zeigte sich über John/Pfisters „Krokodilstränen“ das Schicksal der Pächter betreffend erzürnt: „Sei 52 Jahren wissen wir, dass der Bayerische Hof sanierungsbedürftig ist – jetzt so zu tun, als hätte man ihn gerne wiederbelebt, hat leider den Beige-schmack, dass nichts getan worden ist.“

Franz Heidinger (BLS) stellte sachlich fest: „Unsere Vorgänger haben schon ein bisserl geschlafen und seinerzeit das Sanierungsangebot der Pächter nicht angenommen.“ Aber es helfe ja nichts, in die Vergangenheit zu blicken, so Heidinger im Bauassuschuss: „Wir müssen jetzt mit Hochdruck daran arbeiten, dass Hotel und Gastronomie rasch wieder aufmachen!“ Beifall von den Zuschauern.

Wie unterschiedlich die Positionen der einzelnen Stadtratsfraktionen zur Zukunft von „Bayerischem Hof“ und „Villa Bayerlein“ doch sind, zeigte sich dann spätestens im Plenum am vergangenen Montag: Tim Weidner und Christiane Falk (beide SPD) äußerten gewisse Zweifel hinsichtlich einer künftigen Hotelbewirtschaftung: Das Thema Bayerischer Hof sei „verknüpft mit der Zukunft von VHS und Musikschule“, so Weidner, der sich skeptisch gab, ob es so leicht gelingen werde, den berühmten „Investor“ zu finden. „In der Hotel- und Gastronomiebranche herrscht pure Verzweiflung, ein Viertel bis ein Drittel davon werden durch Corona wohl nicht überleben.“ Zudem befänden sich die Preise für Gewerbeimmobilien im freien Fall: „Wie soll das in diesen Zeiten noch funktionieren?“, unkte Weidner – und erntete Gegenrede: Eine „arg pessimistische“ Darstellung der Situation sei dies, so Bürgermeister Janik – zumal sich bereits erste Interessenten bei der Stadt gemeldet hätten. Ihm sei natürlich klar, dass das künftige Nutzungsrecht auf dem Areal „einer eigenen Diskussion bedarf“.

Weidner gab zu bedenken, es bestehe die Gefahr, dass seitens eines Hotel-Investors zwecks Refinanzierung „immer mehr aufgesattelt wird, was Wohnungen angeht“. Offenbar diente ihm hier das Schicksal des „Seehof“ in Tutzing als warnendes Beispiel. Während der Starnberger SPD an der Bahnhofszeile eine kulturell belebte „neue Mitte“ mit einem bunten Nutzungsmix vorschwebt und sie dafür nicht zwingend ein Hotel bräuchte, möchten Grüne und UWG an bestimmten gastronomischen Akzenten bzw. einem eher an der Idee eines „volksnah“ geprägten Hotels mit erschwinglichen Preisen und offenem Charakter (Otto Gassner gemäß) festhalten. Vor allem die CSU pocht auf einer Bestandsanalyse, ehe sie sich bei „Villa Bayerlein“ und „Bayerischem Hof“ hinsichtlich künftiger Nutzungsformen festlegen will.

Ähnlich sehen das BLS, BMS und FDP – mit unterschiedlicher Leidenschaft bzw. Nüchternheit, was die finanziellen Gestaltungs-möglichkeiten der Stadt angeht: Das „Bündnis Mitte Starnberg“ mit Eva Pfister an der Spitze argwöhnt zudem, dass eine eventuelle Unterbringung der Musikschule in der „Villa Bayerlein“ oder in einem denkbaren Zusatzbau das Schicksal des jetzigen Musikschul-Standorts besiegeln würde: Doch hier wie dort dürfte der Stadt das Geld für eigene Sanierungsmaß-nahmen fehlen. Der ehemalige Kreisbaumeister Helmut Rauscher hat bereits verschiedene Bebauungs- und Nutzungs-varianten für den Umgriff „Bayerischer Hof“/“Villa Bayerlein“ ins Spiel gebracht – man könnte demnach auf dem 7.500 qm-Areal auch kleinere Brötchen backen. Marc Fiedler (FDP) regte an, sich mal mit den „Pöckingern“ zu unterhalten: Denen sei es in einer gemeinsamen Aktion von Gemeinde und Investor geglückt, den vom Abbruch bedrohten „Gasthof Scheuer“ zu retten. Patrick Janik erwiderte, dass sein Bürger-meisterkollege Rainer Schnitzler aus Pöcking hierzu mutmaßlich gerne Auskunft gäbe. 

Thomas Lochte

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