Fünf Seen Filmfestival: Rainer Bartesch komponiert Filmmusik

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Maising – Wenn Rainer Bartesch Filmmusik komponiert, bringt er weit mehr als die laufenden Bilder oder dramatischen Szenen zum Klingen.

Vielmehr vereint der studierte Musiker Emotionen, Charakterzüge und (nicht selten) Kulturen zu Klangbildern, die den Zuschauer emotional unmittelbar in die abgeschlossene Welt des gezeigten Streifens entführen. Bevor er überhaupt zum Notenblatt greift, studiert der Maisinger mit drei abgeschlossenen Musikstudiengängen eingehend das Drehbuch. „Ich überlege, wo passt Musik, wo muss sie eine Brückenfunktion leisten und wo ist sie optional.“ Über die Dialoge erfasst er die ganz persönliche Eigenart des Protagonisten, gibt dieser eine eigene Tonfolge, die er – je nachdem was die Dramaturgie verlangt – spannungsgeladen oder heiter unterlegt. Damit schenkt er jedem Darsteller eine musikalische Heimat – und die Aufgabe, den passenden Ton für Komödien zu finden, gehöre zur schwierigsten Disziplin, gesteht der Mann, der bereits die Musik für mehr als 80 Filme komponierte. „Man muss die Figuren ernst nehmen“, sagt er. Wie etwa bei „Falscher Siebziger“, der im Fünf Seen Filmfestival (FSFF) im Wettbewerb um den Publikumspreis an fünf Spielstätten gezeigt wird. Fast arglos kündigt darin die Musik jeweils den unbeholfenen und nicht sehr reich mit Intelligenz gesegneten Assistenten des Geldeintreibers an – und verlängert die „Fallhöhe“, wenn der Melodiewechsel den Moment umrahmt, in dem der dargestellte Simpel wiedermal tief im Fettnäpfchen landen wird.

Vom Mitglied im Dorforchester zum Filmkomponisten

Aus der Feder Barteschs stammt die Musik für Marcus Rosmüllers „Hotel Jersey“ oder „Kümmel und Korn“ sowie Peter Brinkmanns Komödie „Der Sturzflieger“. Für „Erntedank – ein Allgäukrimi“ bekam er sogar den Rolf-Hans-Müller Preis für Filmmusik und die Dokumentation „Plug and Pray“ wurde mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Begonnen hatte seine Karriere mit den Eltern, die den angehenden Gymnasiasten vor die Wahl stellten: entweder Trachtenverein oder Blasmusik. Der Bub griff also zur Trompete und reihte sich im Dorf-Orchester ein, wechselte – weil man keines hatte, aber dringend eines brauchte – zum Waldhorn. Ein durchaus schwieriges Instrument, das deshalb die schlichtesten Noten zu spielen bekommt. „Das langweilte mich“, erinnert sich der Komponist und befasste sich – eben aus Langeweile – zusätzlich ausführlich mit der Harmonik und improvisierte in jungen Jahren zur Orchestersatz ergänzende Stimmen für sein Blasinstrument. Eine tolle Gehörbildung sei das gewesen und der Auftakt zum Musikstudium – und zur Filmmusik, die viel Einfühlungsvermögen vom jeweiligen Tonschaffenden fordert. Unterdessen beherrscht er 40 Instrumente, darunter auch exotische Klangerzeuger wie die dem Xylophon ähnelnden Instrumente des indonesische Gamelanorchesters. Zurückzuführen ist die Instrumentenvielfalt unter anderem darauf, dass seine Arbeit im Rahmen der Filmmusik nicht selten von ihm fordert, Typisches etwa aus Bayern mit Typischem einer anderen Kultur zu verbinden. So führte er zum Beispiel für das bayerisch-balinesische Theaterstück „Allein unter Kühen“ das balinesische Gender mit bayerischen Kuhglocken zusammen. Diese harmonische Verschmelzung von eigentlich Fremdem nimmt der Musiker in den Alltag mit, wo er seine Aufgabe auch darin sieht, scheinbar Unvereinbares harmonisch miteinander zu verbinden. Das ist Integration auf einer Ebene, die keiner erklärenden Worte bedarf, sondern selbstverständlich übers Ohr direkt zu Herzen geht. mk

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