Rarer Gast

Galizischer Sumpfkrebs wird am Ammerseeufer immer rarer

Galizischer Sumpfkrebs
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Ein seltener Anblick: Der galizische Sumpfkrebs ist im Ammersee vom Aussterben bedroht.
  • vonFlorian Ladurner
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Landkreis -  „Lebt der noch“, fragte ein Stand Up Paddler vergangene Woche seinen Sohn. Die Rede war von einem Prachtexemplar von einem offensichtlich putzmunteren Krebs, der im Uferbereich bei Stegen herumkrabbelte. Kein Hummer übrigens, wie der Nachwuchs vermutete, sondern mit ziemlicher Sicherheit ein galizischer Sumpfkrebs.  

Da haben Sie Glück gehabt, die sieht man kaum mehr im Ammersee“, sagt Dr. Bernhard Ernst. Schuld am Aussterben dieser an die 25 Zentimeter großen Schalentiere ist die Krebspest, erklärt der Biologe und Fischer aus Utting. Man könnte von einer feindlichen Übernahme sprechen, denn ein Nordamerikaner namens Kamberkrebs siedelte sich vor einigen Jahrzehnten auch im Ammersee an – und importierte eine Seuche, gegen die sie immun sind, aber „latent in sich tragen“. Damit sind sie verantwortlich dafür, dass die Einheimischen nach und nach von der Bildfläche verschwinden. Der Edelkrebs ist bereits ausgestorben, sagt er. Der Galizier, der vor etwa 130 Jahren aus Osteuropa eingewandert ist, halte „a bisserl mehr aus“, betont der Mann vom Fach. Die nordamerikanischen Kamberkrebse hingegen gediehen prächtig, sagt er. Eine Tatsache, die Ernst mit einem lachenden und einem weinenden Auge quittiert. Einerseits verdrängen sie die einheimischen Verwandten. Andrerseits ist ihre Ausbreitung ein Segen, denn sie übernehmen als „Polizei“ eine wichtige Rolle: Mit Vorliebe verspeisen die Allesfresser neben Insekten auch Holzreste oder abgestorbenes Pflanzenmaterial. Man darf also behaupten, dass sie den Seegrund entrümpeln.

In der heimischen Küche sind die maximal zwölf Zentimeter kleinen Einwanderer nicht so begehrt wie der größere Sumpfkrebs. Dennoch verkauft Ernst mittlerweile einige davon – auch an Gastronomen. „Sie schmecken sehr gut“, betont er. Etwa in einer Suppe, in der das Schalentier optimal verwertet werde. Der Versuch, sie loszuwerden, sei ein Kampf gegen Windmühlen. „Die Realität ist, dass wir sie nicht mehr aus dem Ammersee rausbringen können“, sagt er. Genauso wie die aus dem kaspischen Meer eingewanderte Dreikantmuschel. Das ist diese messerscharfe Muschelart, die sich unter anderem an den Steinen am Ufer festklammert und schon so manche Schnittwunde der Badenden zu verantworten hat – aber 365 Tage im Jahr Enten und Zugvögel ernährt. Auch die Kamberkrebse gehören zur Nahrungsquelle einiger Vögel. Und sie sind ein beliebtes Sammelobjekt von kleinen und großen Naturforschern, weiß der Uttinger. Er finde das gut, denn damit würden die Menschen die schützenswerte Natur im wahrsten Sinne begreifen. „Aber bitte setzt sie wieder im Ammersee und nicht in einem Fluss aus, um die Flusskrebse zu schützen“, appelliert er an die Sammler. Den Hummer dagegen, der keiner ist, sollte man lieber in Ruhe lassen.

 Michèle Kirner

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