Erdwälle wurden errichtet

Gemeinde Herrsching ergreift  Maßnahmen gegen Falschparker - Surfer protestieren

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Erdwälle sollen die Windsurfer nördlich vom Herrschinger Kreuz davon abhalten, rechts und links der Staatsstraße zu parken.

Herrsching - Ein Geheimtipp ist der Surfspot nördlich vom Herrschinger Kreuz schon lange nicht mehr: Ab vier Windstärken parken Windsurfer nicht weit vom Ortseingang entlang der Staatsstraße ihr Gefährt, ziehen das Material aus dem Auto und schleppen es ans Ufer. Ende Mai waren es allerdings so viele, dass es in diesem Bereich für den Verkehr fast kein Durchkommen mehr gab. Und das hatte Konsequenzen: Rechts und links der Rieder Straße verhindern neuerdings zwei Erdwälle das Parken. Jetzt wird nach einem Kompromiss für die Windsurfer, die Natur und die Verkehrssicherheit gesucht.

Das Herrschinger Ufer ist seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt von Profi- und Hobbywindsurfern. Erst starteten sie von einem Punkt in Lochschwab aus in den Ammersee. Nachdem die Kiter am Kreuz Fuß gefasst hatten, wanderte die Surfszene ein paar hundert Meter außerhalb des Ortes in Richtung Breitbrunn. Im Internet fast schon euphorisch beworben, stellen an windreichen Tagen Surfer von Weilheim, Landsberg, München und bis nach Augsburg oder Ingolstadt ihre Karosserie dort ab, um ihrer Leidenschaft zu folgen. Ein Areal, wo es „bei guten Bedingungen oft chaotisch zugeht“, findet auch der Autor von www.surfspot.de. „Rechts und links der Straße parken dann gerne mal 40 Autos, Surfer rennen kreuz und quer über die Straße, und im kleinen Wald wird wild auf- und umgeriggt“. Beiträge wie diese und vor allem der Trend, in Coronazeiten im eigenen Land zu bleiben, führten dazu, dass die Polizei am 24. Mai weit mehr als diese 40 Autos zählte. So viele, dass der Gegenverkehr nicht mehr aneinander vorbeigekommen ist. Pressesprecherin Barbara Beck vom Starnberger Landratsamt berichtet von Bussen und Feuerwehren, die überhaupt nicht mehr zwischen den Parkenden durchgepasst haben. 

Ein weiteres Ärgernis seien die Camper, die sich nachts direkt ans Ufer und damit mitten ins Naturschutzgebiet stellten, sagt Bürgermeister Christian Schiller. Ein widerrechtliches Verhalten, das auf manchen Foren oder auf Facebook als „Geheimtipp“ gehandelt werde. Widerrechtlich ist auch das Parken an der Staatsstraße außerhalb einer Ortschaft, zitiert der Rathauschef aus der Straßenverkehrsverordnung. Für die Wälle sei die Gemeinde allerdings nicht verantwortlich. „Das ist Sache der Unteren Straßenverkehrsbehörde“, betont Schiller. Verkehrssachbearbeiter Alexander Gebhardt von der Herrschinger Polizei hatte die Gefahrenstelle damals ans Landratsamt weitergeleitet. Die an diesem Wochenende eingeteilten Diensthabenden hätten ein Video von der gefährlichen Situation aufgenommen. Nicht als Beweisstück, sondern nur, um den verantwortlichen Behörden den Zustand zu zeigen, sagt Gebhardt. Und gefährlich wird es, wenn die Autos mit den erlaubten 100 Sachen vorbeibrettern, während die Wassersportler mit Brett und Segel die Autostraße queren. Angeordnet hätten sie die Wälle nicht. „Wir sind lediglich dazu da, einen Missstand festzustellen und zu melden.“ Und das haben sie getan. Die Surfer wiederum sind naturgemäß unglücklich über die Parksituation. Weil Andy Laufer direkt am Ammersee lebt, tangieren den Speedsurfer die Parkplatzblockaden nicht. Aber er freue sich jedes Mal über das Bild der bunten Segel der übers Wasser schießenden Kitern und Surfern, sagt er und hofft auf eine Lösung. Denn für die Wassersportler reichten die bestehenden zehn bis fünfzehn Parkplätze, die noch übriggeblieben sind, bei weitem nicht aus. 

Einige von ihnen haben in einem Brainstorming ein paar Ideen zusammengetragen. Darunter Tempo 60 vor und nach dem Areal und mehr offizielle Parkplätze. André Wacke möchte den Spot ebenso erhalten. Der Surfer sieht das Problem darin, dass in Coronazeiten viele nicht wegfahren und den Urlaub in Deutschland verbringen. Er geht davon aus, dass nach Corona in Herrschings Surfeldorado wieder Normalität einkehrt – und beklagt die Endgültigkeit, die nicht nur in der Ammerseegemeinde baulich hergestellt wurde. „Ich würde mir wünschen, dass man in der Zwischenzeit provisorische Lösungen wie Flatterbänder einsetzt“, sagt er. Später könnte man noch einmal den Ist-Zustand bewerten. Zielführend wäre in seinen Augen auch eine Art Runder Tisch mit Wassersportlern und den zuständigen Behörden. Pressesprecherin Beck signalisierte, dass auch das Landratsamt nach Lösungen für die Surfer auf dem Ammersee sucht. „Wie diese aussehen könnten, ist derzeit jedoch noch offen. Wir benötigen Grund für Parkplätze, für Bau und Unterhalt.“

Von Michèle Kirner-Bernoulli

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