Um Misstände zu vermeiden

Gemeinde Seefeld sucht händeringend nach Schülerlotsen 

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Um Schülern nach den Sommerferien einen sicheren Nachhauseweg zu garantieren, sucht die Gemeinde Seefeld dringend nach Schülerlotsen (Symbolbild).

Seefeld - In Sachen Schülerlotsen herrscht Ebbe in Seefeld. Wenn nach den Sommerferien die Schule wieder anläuft, ringt die Gemeinde verzweifelt um Verstärkung. Sogar Bürgermeister Klaus Kögel erbot sich jetzt, aushilfsweise die neongelbe Weste überzustreifen. Am Donnerstag lud Kögel die Schülerlotsenspitze ins Rathaus und sprach dem harten Kern der ehrenamtlichen Verkehrshelfer Anerkennung und Dank aus.

„Kinder laufen mit verkehrstechnischem Tunnelblick, die ganzheitliche Sichtweise haben sie halt noch nicht. Dass da jemand ist, der sie über die verkehrsneuralgischen Punkte bringt, ist sehr wichtig“, betonte der Rathauschef angesichts der Ehrungen. Mit Weste uns Kelle sind sie allmorgendlich zur Stelle, wenn die Schulglocke ruft. Angelika Kasten ist seit 23 Jahren dabei und Christel Petsch seit 22 Jahren. Christine Gese geleitet die Grundschüler seit 2015 sicher über die Straße. Rebecca Philipp ist zwar erst seit einem Jahr an Bord, übernahm jedoch gleich die Organisation der Seefelder Schülerlotsen. Ein Ehrenamt, das die Ingenieurin und Projektleiterin im Rahmen des corona-bedingten Homeoffice nun niederlegen muss. „Die Organisation der Schülerlotsen ist vakant“, gab die zweifache Mutter eines Drittklässlers und eines Realschülers am Donnerstag bekannt und sprach Klartext: „Das Thema Homeschooling bricht einem das Genick. Ehrenamtliche Sachen kriege ich da nicht mehr unter.“ Dringend werde eine neue Koordinatorin gesucht. „Notstand“, sagt Philipp.

  

"Akquirieren war früher einfach"

Mit derzeit unter 20 Schülerlotsen ist das Team am Rotieren. Dabei ist der Aufwand für dieses unverzichtbare Ehrenamt durchaus gering. „Ideal ist jemand, der schon ein Kind in der Schule hat. Es ist nur eine halbe Stunde in der Woche und macht Spaß, sonst würde ich es nicht über 20 Jahre machen“, so Petsch, die früher sechs Jahre lang die Lotsen-Koordination in der Hand hatte und einen gravierenden Zeitenwandel anmerkt: „Das Akquirieren war früher einfach, jetzt nicht mehr. Früher war es selbstverständlich, dass Eltern von Erst- und Zweitklässlern das machen. Die meisten sind heute Omas.“ Philipp pflichtet bei: „Ich habe Hemmnisse, die ganz alten Damen zu fragen, sich an die Straße zu stellen. Es gibt einige, die schon sehr alt sind.“

Misstände nicht einfach hinnehmen

Kögel will die Missstände nicht einfach hinnehmen und erklärte sich bereit, zum Schulanfang kurzfristig einzuspringen: „Ich würde das mal eine Woche lang machen, ja.“ Keine Dauerlösung – weshalb der Rathauschef bei andauerndem Notstand auch einen Plan B mit Profilotsen für möglich hält. Auch Gese regte an, Schülerlotsen möglicherweise auf Basis eines Minijobs anzuwerben.

Einstweilen wollen Schule und Gemeinde jedoch die Werbetrommel rühren, um das angestammte Ehrenamt am Leben zu halten. „Man könnte bei der Schuleinschreibung lautstark für den Posten werben“, sagte Kasten.

Die Uhrzeiten für das Lotsen-Ehrenamt sind übersichtlich. Wochentags schichtweise von 7.30 bis 8 Uhr sowie nach Schulschluss um 11.15 Uhr oder um 12.20 Uhr jeweils für eine halbe Stunde. Die betroffenen verkehrsneuralgischen Punkte befinden sich am Seefelder Krankenhaus , an der Nachbarschaftshilfe Seefeld sowie in Hechendorf an der großen Ampelkreuzung. Wer das Lotsen-Team verstärken möchte, kann sich ab sofort im Rathaus oder bei der Schulleiterin Marion Otto melden.

Von Nilda Höhlein

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