Gemeinderäte sind enttäuscht und ratlos

Planegg - Im Sitzungssaal des Rathauses hatte sich viel Publikum eingefunden. Denn noch dieses Jahr wird Planegg entscheiden, ob es im Würmtal eine Umgehungsstraße geben wird oder nicht. Wenn sie dagegen sind, können die Gräfelfinger das Teilstück auf ihrem Gemeindegrund auch im Alleingang bauen.

Als Entscheidungsgrundlage stand auf der Tagesordnung für die Gemeinderatssitzung die Vorstellung eines weiteren Verkehrsgutachtens für mögliche Varianten einer neuen Staatsstraße 2063 von Gräfelfing über Planegg nach München. Die Kommune hatte es Ende vergangenen Jahres bei Professor Wolfgang Wirth von der Bundeswehr-Hochschule in München in Auftrag gegeben. Dessen Mitarbeiter Edgar Kienlein und Stefan Klein stellten neben den technisch machbaren Trassen der Staatsstraße und den damit verbundenen Vor- und Nachteilen auch eine Untersuchung des Sondergebiets Wissenschaft, sowie Analysen des Verkehrs in Planegg und Martinsried vor. Viel Neues kam nicht heraus, da die verschiedenen Trassenführungen bereits in anderen Gutachten untersucht wurden beziehungsweise politisch und wirtschaftlich nur schwer realisierbar sind. Bestätigt wurde allerdings die Gefahr, dass mit einem Teilstück der 2063 neu von Gräfelfing zur Würmtalstraße, die Belastung in Martinsried deutlich zunehmen würde. Verkehrszählungen, die an zwei Donnerstagen im Mai zwischen 16 und 19 Uhr im Gemeindegebiet Planegg mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt wurden, bestätigten im Wesentlichen die bereits 2005 vom Ingenieurbüro INGEVOST ermittelten Daten. Germeringer, Münchner und Würmtalstraße sind stark belastet und erreichen in Spitzenzeiten ihre Kapazitätsgrenzen, ebenso wie innerorts Amtmannstraße und Pasinger Straße. Allerdings: Der Anteil des Durchgangsverkehrs liegt nur zwischen 20 und 25 Prozent, der Schwerlastverkehr zwischen 1,5 und drei Prozent. Kienlein: „Mit einer neuen Staatsstraße 2063 als Alternative zur derzeitigen Verkehrsführung durch das Würmtal würde die Straßen in Planegg kaum spürbar verringert.“ Deutlich entlastet würde dagegen Gräfelfing. Sein Fazit: Eine großeräumige Lösung mit einer neuen Staatsstraße 2063 von Pasing bis Starnberg, die Planegg und Martinsried deutlich entlasten würde und Richtung Süden über die Münchner Straße die Nord-Süd-Verbindungsfunktion der 2063 wieder herstellen könnte, ist grundsätzlich möglich, müsste aber in einem neuen Raumordnungsverfahren erörtert werden. Das kann dauern. Seine konkrete Empfehlung für die aktuellen Verkehrsprobleme: „Nichts machen, damit leben und nur mit kleine Veränderungen punktuelle Verbesserungen sorgen.“ Das war den Planegger Gemeinderäte zu wenig. Denn „nichts tun“ heißt, sich unter Umständen damit abfinden, dass Gräfelfing alleine baut, mit den erwarteten negativen Folgen für Planegg. Die Enttäuschung über das Gutachten war groß, die Ratlosigkeit fühlbar. Das zeigte die anschließende, ausführliche Diskussion. „Wir hatten auf neue Denkanstöße gehofft“, brachte Herbert Stepp (Gruppe 21) die Kritik auf den Punkt, „was sollen wir jetzt tun“? Bürgermeisterin Annemarie Detsch (CSU lies erkennen, dass sie angesichts der zu erwartenden „nicht nennenswerten Entlastung für uns“ keine der bisher vorliegenden Varianten für eine neue Staatsstraße befürworten könne. „Wir müssen mit den Gräfelfingern reden.“ Aber sie versprach, dass „die Entwicklung eines Verkehrskonzepts für Martinsried die nächste Aufgabe“ sein wird. Beim Sondergebiet Wissenschaft warnte Edgar Kienlein schon mal davor, dass die geplanten 900 Stellplätze für 9.000 Studenten und Beschäftigte nicht reichen werden. „Das kann zu steigendem Pkw-Verkehr durch Parkplatzsuchende in Martinsried führen.“ Dass die Lösung der Probleme nicht unbedingt im Bau neuer Straßen liegen muss, betonte Roman Brugger (SPD): „Wir werden um ein Konzept zu modernem Mobilitätsmanagement nicht herumkommen.“ Immerhin hat das Gutachten einmal mehr bestätigt, dass 80 Prozent des Verkehrsaufkommens in Planegg hausgemacht sind.

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