Aus dem Gericht: Spielsüchtiger Gautinger beklaut Eltern und Großmutter

21-Jähriger bekommt Bewährungsstrafe von 22 Monaten 

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Ein 21-jähriger Gautinger bekam eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten.

Gauting - „Ich habe das Geld zum Spielen gebraucht und keine Arbeit gehabt.“ Mit dieser Einlassung räumte ein 21-jähriger Gautinger gleich eine ganze Reihe von Diebstählen, Einbruchsdiebstählen und Computerbetrügereien ein, für die er sich jetzt vor dem Schöffengericht Starnberg verantworten musste – allein das Verlesen der Anklageschrift durch die Staatsanwältin nahm gut 20 Minuten in Anspruch, denn der Hauptbeschuldigte hatte auch noch drei angebliche Mittäter vor Gericht gebracht, die mit ihm auf der Anklagebank saßen.

Um seine offenkundige Spielsucht und sein ausschweifendes Freizeitverhalten finanzieren zu können, hatte der bis dato nicht vorbestrafte junge Mann seine kriminelle Karriere etwa im Frühjahr 2016 gestartet: Autoaufbrüchen, bei denen Navigationsgeräte, Handy, Smartphones und Bargeld aus den Fahrzeugen entwendet wurden, folgten laut Anklage Diebstähle von Schmuck, wertvollen Uhren und Bargeld im eigenen Elternhaus, das den Filius daraufhin an die Luft setzte – die Wertsachen habe er jeweils zu Geld gemacht, berichtete der 21-Jährige ohne Umschweife. Obwohl ihn die Eltern schon bald danach wieder bei sich aufnahmen, machte der Sohn im April 2016 genauso weiter: Er stahl erneut Schmuck und Bargeld im Gesamtwert von 5.000 Euro und missbrauchte auch noch einen Verrechnungsscheck der Schwester, um sich in ihrem Namen bei einer örtlichen Bank 1.500 Euro auszahlen zu lassen. Doch damit nicht genug: Nach abermaligem Rausschmiss von Daheim drang der Gautinger mit Hilfe eines Nachschlüssels ins Elternhaus ein (angeblich mit drei Komplizen) und klaute ein drittes Mal Wertgegenstände. 

Eigene Großmutter beklaut

Mittlerweile bei der Oma in München untergekommen, begann der Gautinger im Mai 2016 auch diese um Schmuck zu bestehlen – Ende Mai überredete der dreiste Enkel die Großmutter dann, ihm 600 Euro zu leihen. Mit der zu diesem Zweck zur Verfügung gestellten EC-Karte hob er allerdings ohne deren Wissen 1.000 Euro bei einer Münchner Bank ab, eine Methode, die er weniger Tage später ein weiteres Mal anwandte. Schließlich entwendete er sogar die EC-Karte der Oma und hob bei mehr als 20 Transaktionen bis Frühjahr 2017 am Geldautomaten insgesamt 11.705 Euro ab – „zwischendurch“ hatte er im Mai 2016 noch einen 16.000 Euro teuren Safe der Großmutter aus deren Wohnung gestohlen und war nochmals bei den Eltern in Gauting eingebrochen (Juni 2016) – Diebstahlsschaden: 5.600 Euro. Eine ebenfalls um 150 Euro beklauten Freund drohte der Dieb, er werde dem Auto von dessen Großvater Schaden zufügen, wenn der Freund ihn anzeige – der ging unbeeindruckt zur Polizei, so dass dem ausgedehnten Treiben des 21-Jährigen endlich Einhalt geboten werden konnte.

Umfangreiche Ermittlungen der PI Gauting und des LKA deckten die zahllosen Diebstähle auf. In der Schöffengerichtsverhandlung mit insgesamt sieben Zeugen stellte sich heraus, dass die drei anderen Angeklagten – eine 20-jährige Verkäuferin aus Gauting, eine 19-jährige Empfangsdame aus Gilching und ein 27-jähriger Arbeitsloser aus Gauting, mit allem dem nichts zu tun hatten: Die beiden jungen Frauen wurden frei gesprochen, das Verfahren gegen den Mitangeklagten ohne Auflagen eingestellt – ihm war das gemeinschaftliche Bestehlen eines Taxifahrers im Juni 2016 nicht nachzuweisen. Der aus der U-Haft polizeilich vorgeführte Hauptbeschuldigte wurde vom Schöffengericht unter Vorsitz von Jugendrichter Ralf Jehle zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt, so-mit knapp unter der Grenze für Vollzugsstrafen: Als Auflagen muss er 44.000 Euro Schadenswiedergutmachung in Form von künftigem Vermögenseinzug ableisten, 100 Sozialstunden (bis 30.August 2018) sowie bis 30.11.2017 ein Beratungsgespräch bei „Condrobs“ wegen seiner Spielsucht nachweisen. Das Verhältnis zu Eltern und Großmutter habe sich inzwischen „teilweise wieder gebessert“, berichtete der Verurteilte.

Von mps

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