Wurf mit Wlan-Adapter

Starnberger Gericht spricht Berger vom Vorwurf der Körperverletzung frei

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Der Wurf mit einem Wlan-Adapter auf seinen Sohn blieb für einen Berger juristisch ohne Folgen.

Berg – Vor dem Starnberger Jugendschutzgericht erschienen Vater und Sohn dieser Tage vollkommen einträchtig. Erst nachdem der Vater auf der Anklagebank Platz genommen hatte, wurde deutlich, dass sich der Haustechniker wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung an seinem heute 14-Jährigen Sohn zu verantworten hatte.

Laut Anklagevorwurf warf der angeklagte 61-Jährige Mitte November 2019 in seiner Berger Wohnung einen Wlan-Adapter in Richtung seines Sohnes. Der Adapter verfehlte den Kopf des Schülers, prallte anschließend an der Wand ab und traf den Buben schmerzfrei im Nacken. 

Der Angeklagte machte im Prozess seine Erziehungsmaßnahmen deutlich: „Weil der Sohn sehr viel im Internet ist, hatte ich ihm den Adapter weggenommen.“ Im Zuge eines Streites habe der geschiedene Mann den Adapter dann lediglich aufs Bett des Sohnes geworfen, habe dabei jedoch einen Abstand von gut zwei Metern gehalten. „Überhaupt kein bisschen in seine Richtung gezielt. Ich wollte den Adapter auf sein Kopfkissen werfen, in dem Moment, wo ich geworfen habe, ging er einen Schritt zurück“, so der 61-Jährige. Offenbar verfehlte der Mann durch den festen Wurf das Kopfkissen und traf die Wand. „Für mich war das eine ganz normale familiäre Auseinandersetzung“, betonte der Haustechniker. 

Juristische Folgen hatte das Scharmützel nur deshalb, weil der Schüler sich anschließend von seiner Mutter abholen ließ, die postwendend die Polizei einschaltete. Der Schüler bereute die Konsequenzen offenbar noch in selber Nacht und schrieb im Handychat an seinen Vater: „Ich habe überreagiert.“ 

Zum Reizthema jugendlicher Internetkonsum äußerte Richter Ralf Jehle Verständnis: „Das ist ein weites Konfliktfeld.“ 

Der Sohn machte im Zeugenstand von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Bei der Polizei hatte der Schüler geschildert, er habe den Eindruck gehabt, der Adapter solle ihn treffen. Inzwischen lebt der 14-Jährige kraft Gerichtsbeschluss bei seinem Vater. 

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft blieb der Anklagevorwurf letztlich unbestätigt: „Kein Nachweis, dass es Vorsatz war, ihn zu treffen.“ Auch Jugendrichter Jehle stellte fest: „Nach der eigenen Aussage des Angeklagten gibt es keinen Körperverletzungsvorsatz. Nach der Aussageverweigerung des Sohnes stehen keine anderen Beweismittel zur Verfügung“, so die Bilanz des Jugendrichters, der mit dem verhängten Freispruch dem staatsanwaltlichen Plädoyer folgte.

von Nilda Höhlein

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