Bester Liebesroman kommt aus dem Landkreis

Geschichten vom Weßlinger Küchentisch: Anja Janotta erhält Literatur-Jugendpreis

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Kräuter, Gewürze und vieles mehr: Autorin Anja Janotta aus Weßling schreibt ihre Bücher am Küchentisch.

Weßling - Damit hatte Anja Janotta (49) wahrlich nicht gerechnet: Ihr Jugendbuch „Meine Checkliste zum Verlieben“ bekam den Delia-Jugendliteraturpreis für den besten Liebesroman verliehen. Von der Auszeichnung erfuhr sie kurz nachdem ihre „Gewürzreise Afrika – Traditionelle Küche neu interpretiert“ erschienen ist, in der die 49-Jährige ihre Leser als Co-Autorin dorthin entführt, wo im wahrsten Sinne der Pfeffer wächst.

„Was für ein Valentinsgeschenk“, freute sich die Jugendbuchautorin auf ihrer Facebookseite am 14. Februar über die Nominierung für den Literaturpreis. 

Angesichts anderer konkurrierender „großartiger Werke“ dachte sie, mehr sei nicht drin, erinnert sie sich. Vor einer guten Woche kam dann die unverhoffte Nachricht: Ihr Jugendroman hat den mit 1.500 Euro dotierten, renommierten Preis gewonnen. Somit entschied sich die Fachjury heuer für eine Geschichte, dessen Hauptfiguren am Rande der Gesellschaft stehen. Einerseits die Ich-Erzählerin Naomi, das Mauerblümchen, das „übrig bleibt“. In Sachen Freundschaften reicht es gerade Mal für andere Übriggebliebene: „Die Schweiger, die Trotzigen, die Seltsamen.“ Dazu gehört Adrian mit dem diagnostizierten Asperger-Syndrom, was die Autorin in „eine Menschenunverträglichkeit, eine Art Sozialallergie“ übersetzt. Heiter und doch tiefgründig verwickelt die Diplom-Journalistin Naomi und Adrian in eine Liaison – und überzeugte die Juroren mit einer „mitreißenden Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die außergewöhnlich sind und in denen der Leser sich doch problemlos wiederfindet“. 

Außerdem zeige das Buch eindrucksvoll, „wie viel Liebe wir in unserem Leben dazugewinnen können, wenn wir uns nur trauen, Menschen näher kennenzulernen, auch wenn wir sie anfangs nicht verstehen“. Wie alle ihre Bücher entstand das ausgezeichnete Werk am heimischen Küchentisch. Dort nämlich arbeitet die Weßlingerin – und schrieb dort passend zum Ambiente besagtes Gewürze-Rezeptbuch. Ihre Muse war Angela Rolshausen, die in Hechendorf und München erfolgreich Gewürzläden betreibt. Schriftstellerisch stand ihr Angela Schult zur Seite, eine Kochbuchautorin, die alle Rezepte im Buch „nachgekocht, teilweise neu interpretiert und fotografiert“ hat. Und Janotta tat, was sie am besten kann: Sie schrieb Geschichten. Geschichten über den Lebenslauf von Koriander, Anis, Sesam, Bockhornklee oder Fenchel. Geschmacksnoten, die ihr seit ihrer Kindheit in Algerien vertraut sind. Sie verfolgte unter anderem die Reiserouten vom Piment, den Christoph Kolumbus in Europa einführte. 

Oder vom Safran, einer Krokuspflanze, die „mit sehr viel Fingerspitzengefühl“ von Hand gepflückt werden muss. Begleitet werden die Gewürzbiografien von Rezepten. Die Gewürzmischung Harissa beispielsweise wird das besondere Etwas im Gemüse-Couscous, Chili wiederum befeuert den Jollof-Reis aus Ghana. „Fleisch oder Fisch ist fast in jedem Rezept drin“, sagt die zweifache Mutter. Das liege daran, dass in Afrika der Anbau von Gemüse schwieriger und teurer sei, als das Halten von Schlachttieren oder das Fischen. Zuhause ist Familie Janotta übrigens längst auf den Geschmack gekommen – und entstanden sind die afrikanisch gewürzten Menüs natürlich am Küchentisch.

Michèle Kirner-Bernoulli

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