FOS/BOS Standort

Mehrheit entscheidet sich für Gilching

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Landkreis – Die Gemeinde Gilching ist der Gewinner der Standortsuche für eine FOS/BOS im Landkreis.

Nach rund dreistündiger Debatte stimmten 33 Kreisräte für den ehemaligen Festplatz, 20 wollten die Schule an den Seilerweg nach Starnberg holen. Vom 25. Februar bis 8. März soll bei einer Probeeinschreibung ermittelt werden, wie viele Schüler diesen Zweig tatsächlich besuchen würden. „Ich bin glücklich und zufrieden“, war am Ende einer kontroversen Debatte als erste Reaktion von Gilchings Bürgermeister Manfred Walter zu hören. „Es ist der bessere Standort“, versicherte Walter abermals, der auch auf „seinen“ Gemeinderat stolz ist: „Wir haben von Anfang an geschlossen mit einer Stimme gesprochen und alle Beschlüsse einstimmig gefasst.“ Dieser Umstand dürfte am Montagvormittag unter anderem auch die Kreis-Politiker überzeugt haben. Ein nicht unwesentlicher weiterer Punkt: Walter, der aus Befangenheitsgründen genauso wie Brigitte Servatius aus Gauting und Starnbergs Stadtoberhaupt Ferdinand Pfaffinger am Ende nicht mitstimmen durften, warb zudem mit den benachbarten Schulcontainern am Christoph-Probst-Gymnasium: „Da müssen wir gerade einmal den Mietvertrag verlängern und wir starten bereits im September mit dem Unterricht.“ Will heißen: Trotz rund zweijähriger Bauzeit – Eröffnungstermin wäre 2016 – könnte man bereits im nächsten Schuljahr 2013/ 2014 beginnen. Und auch Direktor Peter Meyer versicherte in den vergangenen Wochen immer wieder, die FOS/BOS-Schüler könnten die Fachräume am Gilchinger Gymnasium mitnutzen. Bevor die Kreisräte in der eigens zu diesem Thema einberufenen Sondersitzung ihr Votum abgaben, mahnten alle Redner eine „sachbezogene Entscheidung“ nach Faktenlage an. Die jedoch entscheidend vom Herkunftsort jeder einzelnen Kreisräte und jedes einzelnen Kreisrats anders ausfiel. Etwa, wenn ödp-Kreisrat Ulrich Ellwanger als Argument für Gilching die günstigere Auslastung mit Gewerbegebieten entlang der Autobahn A96 anführte. Oder Jürgen Busse (Freie Wähler), der zum zweiten (umstrittenen) Starnberger Grundstücksangebot, das im Landschaftsschutzgebiet liegt, befand: „Wenn der Landkreis will, ist die Fläche an der Gautinger Straße ganz schnell baureif.“ Keine Chance hatte die Offerte aus Gauting. Die Gemeinde hatte nahe des TSV-Sportgeländes in Stockdorf ein Grundstück angeboten, das jedoch in einem Wohngebiet liegt.

Bevor sich die Anspannung bei Bürgermeister Manfred Walter löste und bei seinem Starnberger Amtskollegen Ferdiand Pfaffinger Enttäuschung einstellte, lieferten sich die Kreispolitiker eine kontroverse Auseinandersetzung darüber, wo eine Fachoberschule oder eine Berufsoberschule besser aufgehoben ist. Vor allem die Starnberg-Befürworter stützten sich abermals auf die Zahlen aus dem Vortrag von Kreiskämmerin Eva John zu Schülerzahlen, Pendlerströme und der zu erwartende Bedarf bis zum Jahr 2017. Nach dem Kultusminister Ludwig Spaenle im Januar einer FOS/BOS „grünes Licht“ gegeben hatte, mussten sich die Kreisräte am Montag für einen Standort entscheiden – wenn sie an der Probeeinschreibung am 25. Februar teilnehmen wollen. Diese möglichen Bewerber für diesen Schulzweig sind entscheidend dafür, ob der Landkreis den Zuschlag für eine FOS oder BOS bekommt. Von bis zu 600 Schüler geht man derzeit im Landratsamt aus, könnten sich einschreiben. Bislang gehen FOS/BOS-Besucher aus dem Landkreis nach Weilheim (55), nach München (155), nach Fürstenfeldbruck (137) und nach Bad Tölz (5). Gestritten wurde in den Kreis-Gremien in den vergangenen Wochen vor allem über die Frage, aus welcher Ecke im Landkreis wie viele Schüler ... besuchen werden. Glaubt man den Prognosen von Eva John, kommen 60 Prozent der Schüler aus dem östlichen Landkreis (S6) und zirka 40 Prozent aus dem westlichen Gemeinden (S8). Wie berichtet, werden die meisten Schüler aus der Stadt Starnberg (18 Prozent) erwartet und 17 Prozent aus der Gemeinde Gauting. Macht zusammen 35 Prozent. Für die Gemeinde Gilching sind 13 Prozent prognostiziert. Die FOS/BOS in Weilheim besuchen aus dem Landkreis rund 94 Prozent aller Schüler entlang der S6-Linie, nach Fürstenfeldbruck fahren vor allem Besucher aus dem Landkreis-Westen (74 Prozent). Nach München wiederum machen sich 62 Prozent mit der S6 auf den Weg und 38 Prozent mit der S8. Was auf Seiten der Starnberg-Befürworter schon als ausreichendes Argument diente. 

 Gilching: Es kann gleich losgehen 

 Nicht nur die Eile des Verfahrens kritisierte das Starnberger Stadtoberhaupt, sondern auch die Rechenspiele, mit welchen Schülern aus den benachbarten Landkreisen noch gerechnet werden könnte. „Ich habe den Eindruck, die Schüler aus dem Landkreis sind gar nicht so wichtig, dabei geht es doch um sie“, schüttelte Pfaffinger den Kopf. Sein Problem war vor allem der jüngste Beschluss des Starnberger Stadtrates, weiterhin mit zwei Grundstücken in das Verfahren zu gehen. Dem Argument der Gilching-Unterstützer, dass auch die Stadt Germering und das Neubaugebiet Freiham Interesse an einer FOS/BOS entlang der S8 hätten, setzte Pfaffinger entgegen, er könne dieses nur dann verstehen, wenn sich die Landkreise Fürstenfeldbruck und München etwa wie in Gauting bei der Realschule an den Kosten beteiligen würden. Vor allem die Erweiterungsmöglichkeiten und die ausreichende Zahl an Parkplätzen führte CSU-Fraktionschef Harald Schwab an. „In Starnberg müsste eine Tiefgarage für 160 bis 190 Autos gebaut werden“, so Schwab, außerdem liege das Grundstück in Gilching nicht im landschaftsschutzgebiet, so seine Spitze an Pfaffinger. Unerwartete Schützenhilfe bekam dieser dann von Grünen-Kreisrat Florian Duday. „Warum sollen dann 60 Prozent der Schüler nach Westen fahren?“, warf er die Frage auf. Und das „Zentrum des Schulmangels“ machte wiederum Bürgermeistersprecher und Bergs Gemeindeobhaupt Rupert Monn den östlichen Landkreis aus: „Ein weißes Gebiet“ sei die Region zwischen der Stadt Starnberg und dem Isartal auf der Schullandkarte. Ist die Probeeinschreibung erfolgreich, wollen die Gilchinger umgehend mit den Planungen beginnen, teilte Bürgermeister Manfred Walter auf Nachfrage mit. Walter: „Von uns aus, kann es gleich losgehen.“ Oliver Puls

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