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Manuel Erhardt versteht sich als Polit-Aktivist, der auf soziale Missstände aufmerksam machen möchte

Gilchinger Schwarzfahrer vor Gericht

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Ohne gültiger Fahrkarte: Manuel Erhardt (l.) und sein „Laienverteidiger“ Andreas Schachtner vor der Verhandlung.

Starnberg/Gilching – Insgesamt 23 Mal wurde Manuel Erhardt ohne Ticket in der S-Bahn beziehungsweise im Regionalverkehr erwischt. Was dem 20-jährigen Gilchinger auch weiter nichts ausmacht, denn er möchte, dass der Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kostenfrei benutzt werden kann. Der „Gesamtschaden“, den Erhardt laut Staatsanwaltschaft den Verkehrsbetrieben zugefügt hat, beläuft sich auf 127,90 Euro. Am Dienstag musste sich der Aktivist vor dem Amtsgericht Starnberg verantworten – und das nicht zum ersten Mal.

„Erschleichen von Leistungen“ heißt die Anklage gegen den 20-Jährigen korrekt. Das sieht Manuel Erhardt freilich ganz anders: Sein „schwarz fahren“ sei vielmehr eine politische Aktion, darum steigt er auch immer wieder demonstrativ mit einem Schild in die S-Bahn, auf dem er den „Nulltarif für alle“ fordert. Dass er dabei Gefahr läuft, bei einer Kontrolle „erwischt“ zu werden, kalkuliert er ein. Erhardts „Laienverteidiger“ Andreas Schachtner aus Gilching erläuterte in der Verhandlung am vergangenen Dienstag, aufgrund der hohen Lebenskosten in der Region und aus ökologischen Gründen plädiere sein Mandant auf einen kostenfreien Nahverkehr in Bus und Bahn. Als Beispiel nannte er die Stadt Tallinn (Estland), dort sei das Bus- und Bahnfahren kostenlos. Auch das Nachrichten-Magazin Der Spiegel wurde von ihm zitiert: Denn auch der Professor für Verkehrsökologie an der TU Dresden ist sich sicher, dass heutzutage „jeder Professor in Deutschland den Nulltarif theoretisch für eine gute Idee hält“.

Beklagter Erhardt möchte alle Zeugen sehen

„Ich will am Anfang klarstellen, dass ich entschieden gegen Fahrpreise in öffentlichen Verkehrsmitteln bin. Tarife führen automatisch zu einer Diskriminierung gegenüber Menschen mit wenig beziehungsweise keinem Geld“, sagte Schachtner, der darüber hinaus auch noch die soziale Komponente hervorheben will. Amtsrichter Ralf Jehle wollte von Erhardt und Schachtner schließlich wissen, was sie sich konkret durch die Aktionen erhoffen. „Die Fahrtkosten sind bei uns nun einmal politisch anders geregelt“, sagte Jehle. Erhardt konterte, er wolle die Öffentlichkeit mit seinem Verhalten auf diesen Missstand aufmerksam machen. Die Befragung eines der Fahrkartenkontrolleure brachte indes wenig Aufklärung in den Fall. An die Kontrolle im März 2017 konnte sich der heute 29-jährige Bahn-Mitarbeiter nicht mehr erinnern, lediglich der Beleg der „Fahrpreisnacherhebung“ konnte heran gezogen werden. Jetzt sollen die 22 anderen Kontrolleure als Zeugen vorgeladen und deren Erinnerungsvermögen getestet werden. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 28. Februar, um 15 Uhr fortgesetzt.

po

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