Neues aus dem Gerichtssaal

Gilchinger Unternehmerin fühlt sich von Ex-Mitarbeiter belästigt - Ehemaliger Angestellter sagt: „Sie hat mir auch Geschenke gemacht“

Ein ehemaliger Angestellter suchte in Gilching immer wieder die Nähe zu seiner ehemaligen Chefin .
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Ein ehemaliger Angestellter suchte in Gilching immer wieder die Nähe zu seiner ehemaligen Chefin (Symbolbild)

Gilching - Seine Gefühle konnte er einfach nicht verbergen. Jahrelang soll ein Münchner seiner Angebeteten in Gilching aufgelauert haben. Jetzt musste sich der 52-jährige Gebäudereiniger wegen Nachstellung vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten.

Im Jahr 2018 trat der Angeklagte seine Tätigkeit im Gilchinger Bürohaus an und war sogleich von seiner Chefin angetan. Im Zeugenstand ließ die 53-jährige Unternehmerin den Verlauf Revue passieren: „Er hat bei mir im Reinigungsdienst angefangen. Wenn ich montags ins Büro kam, standen kleine Geschenke auf dem Tisch. Den Mitarbeiterinnen hat er Kuchen gebracht.“

Zunächst habe die verheiratete Frau den Aufmerksamkeiten kaum Beachtung geschenkt. Erst als eine rote Rose mit Zettel samt Aufschrift „Ich denke sehr oft an Dich“ in ihrer Garage lag, habe es bei ihr geklingelt. „Ich habe die Geschäftsbeziehung abgebrochen. Er hat die Kündigung akzeptiert und hat immer wieder gesagt, dass er mich liebt.“ Trotz Kündigung habe sich der Angeklagten weiterhin in Gilching blicken lassen „Mir ist aufgefallen, dass er tagtäglich mein Büro beobachtet hat – das ging über zwei einhalb Jahre, bis Ende 2020“, sagte die 53-jährige Nebenklägerin. Tag und Nacht habe der Mann vor ihrem Büro gestanden und habe sich zudem im benachbarten Fitnessstudio angemeldet. „Er hat mich immer wieder angesprochen und gesagt, dass er mich liebt“, so die Unternehmerin, die entgegen ihrer bisherigen Gewohnheit nun vermied, am Wochenende ins Büro zu fahren. 

Zur Diskussion stand im Sitzungssaal auch das Putzen mit nacktem Oberkörper, das mit Videomaterial im Sitzungssaal anschaulich dokumentiert wurde. Offenbar hatte sich der Angeklagte jedoch lediglich aufgrund heißer Witterung entblößt. Der Münchner räumte ein, sich ein bisschen in die 53-Jährige „verguckt“ zu haben. Allerdings habe sie ihrerseits auch Sympathien gezeigt. „Sie hat mir auch Geschenke gemacht. Sie sagte mir, sie wolle mich heiraten und dass der Ring an ihrem Finger nichts bedeute“, so der Angeklagte. Zudem berichtete der Münchner von einem unangenehmen Stelldichein des Ehegatten. „Ihr Ehemann und ein großer Typ haben mich zwei Tage vor Weihnachten 2019 am Hals gepackt und gesagt, ich habe hier nichts zu suchen.“ In Gilching habe sich der Angeklagte zuletzt Ende Dezember 2020 blicken lassen.

Für Richterin Christine Conrad mithin kein Anlass für eine Verurteilung: „Wenn man acht Mal Schokolade geschenkt bekommt und jemand geht mit nacktem Oberkörper am Fenster vorbei, das ist noch keine Beeinträchtigung der Lebensführung.“ Nach einem Rechtsgespräch wurde das Verfahren gegen Zahlung einer 500 Euro teuren Geldauflage eingestellt. 

Nilda Frangos

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