Nachruf

Trauer um Anton Leitner

Anton Leitner
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Anton Leitner wurde 82 Jahre alt.

Weßling - Anton Leitner starb am Montag in Herrschings Schindlbeckklinik – und hinterlässt viele Erinnerungen und viele Menschen, die ihn kannten und schätzten. In dem Satz „Die beste Beerdigung taugt nix, wenn Du der Hauptdarsteller bist“ steckt ganz viel vom Wesen des 82-Jährigen, der einst das Carl-Spitzweg-Gymnasium in Germering gegründet und geprägt hat.

Der Weßlinger erblickte 1938 als Ältester von sechs Kindern das Licht der Welt. Ein Spitzbub, dessen unerschöpflicher Fundus an Streichen die Nerven seiner Eltern strapazieren sollte – und ein Herzensmensch, der einen großen Teil seines Lebens seinen Schülern widmen würde. Ein Besuch auf dem Gymnasium war eigentlich gar nicht vorgesehen, erzählte er einst in einem Interview mit unserer Zeitung. Also überredete der Schelm seine Tante, ihn anzumelden. Was freilich mit Pauken und Trompeten aufflog und der Vater die Mutter beschwichtigte: „Reg dich nicht auf, der besteht die Aufnahmeprüfung eh nicht.“ Da täuschte der Mann sich gewaltig - allerdings flog der Filius kurze Zeit später „standesgemäß raus“, wie er es ausdrückte. Der Grund: Aus Rache über eine ungerechte Strafe sperrte er den Direktor im Lehrerzimmer ein. Die Konsequenz war, dass er ins Internat des Klosters Schäftlarn „abgeschoben“ wurde, von wo aus er den Sprung ins humanistische Wittelsbacher Gymnasium in München schaffte. Nach einem 1er Abi studierte er Latein, Griechisch, Deutsch und Geschichte, woraufhin er als Gymnasiallehrer seiner Berufung folgte.

Vor 60 Jahren heiratete er seine Frau Ingrid (wir berichteten) und zog mit ihr Weßlings Dichterseele Anton G. Leitner groß. Groß gezogen hat er auch das Carl-Spitzweg-Gymnasium, das er gründete und 23 Jahre lang leitete. Nach der Pensionierung gab er ehrenamtlich Lateinnachhilfe und stand weiterhin Kindern und Eltern bei schulischen Problemen zur Seite. Während und nach seiner beruflichen Karriere eilte ihm der Ruf voraus, immer ein offenes Ohr für seine Schüler zu haben – bestätigt von der Rettungssanitäterin, die beim Abholen spontan ausrief: „Er war immer so lieb mit meinen Kindern.“

Das Corona-Jahr war für den Philanthropen, der die Menschen so gerne umarmte, sehr traurig, erzählt sein Sohn. Aus Angst, allein zu sterben, wehrte er sich erst mit Händen und Füßen gegen die Einlieferung im Krankenhaus. Aber seine Frau Ingrid, Sohn Anton G. und Schwiegertochter Felizitas durften bei ihm bleiben. „Wir haben gemeinsam gebetet“, erzählt der Verleger und Dichter. Am Totenbett verlas er auf lateinisch einen Vers aus dem römischen Messbuch, den sein Vater wenige Tage zuvor eingemerkt hatte: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ – passend für sein Leben, das er bis zuletzt „seinen vielen Kindern“ gewidmet hat.

Michèle Kirner

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