Gründungsvater am Sonntag mit 94 Jahren gestorben

Akademie für Politische Bildung in Tutzing trauert um Hans-Jochen Vogel

Akademiedirektorin Ursula Münch (v.l.), Altdirektor Heinrich Oberreuter, Hans-Jochen Vogel und sein Bruder Bernhard Vogel 2017 bei einem Treffen in der Akademie.
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Akademiedirektorin Ursula Münch (v.l.), Altdirektor Heinrich Oberreuter, Hans-Jochen Vogel und sein Bruder Bernhard Vogel 2017 bei einem Treffen in der Akademie.

Tutzing – Die Akademie für Politische Bildung in Tutzing hat mit Hans-Jochen Vogel einen ihrer Gründungsväter verloren. Der verstorbene SPD-Politiker formulierte als junger Regierungsrat in der Staatskanzlei den Entwurf für das Akademiegesetz, mit dem die einzigartige Bildungsstätte gegründet wurde.

Hans-Jochen Vogel war Stadtoberhaupt in München und Berlin, Bundesminister und Parteivorsitzender der SPD. Der Akademie für Politische Bildung wird der verstorbene Politiker vor allem als einer ihrer Gründungsväter in Erinnerung bleiben. Hans-Jochen Vogel ist Autor des Akademiegesetzes, mit dem 1957 die Akademie in Tutzing gegründet wurde. Den Entwurf verfasste er bereits 1955 – noch vor der zweiten Beratungsrunde eines Expertengremiums aus namhaften Wissenschaftlern, Politikern, Ministerialbeamten und Verbandsvertretern – als junger Regierungsrat in der Bayerischen Staatskanzlei im Auftrag des damaligen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner.

Der bislang einzige Sozialdemokrat im Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten, stand von Dezember 1954 bis Oktober 1957 der sogenannten Viererkoalition aus SPD, Bayernpartei, FDP und der Flüchtlingspartei GB/BHE vor. In die Amtszeit der Viererkoalition fiel die Entscheidung, im Freistaat Bayern eine Akademie für Politische Bildung zu errichten – und zwar auf gesetzlicher Grundlage.

Akademiegesetz: Das Wertvollste, was die Akademie hat

Für die Arbeit der Akademie ist dieses Gesetz bis heute wohl das Wertvollste, was sie hat. Das in der Bundesrepublik einzigartige Akademiegesetz bestimmt, dass die Akademie als „Anstalt des Öffentlichen Rechts“ überparteilich arbeitet. Darüber hinaus trifft das „Gesetz über die Errichtung einer Akademie für Politische Bildung“ vom 27. Mai 1957 kluge Festlegungen etwa über die Berufung und Zusammensetzung des Kuratoriums, das die Tätigkeit der Akademie überwacht und dem Vogel von 1957 bis 1960 selbst angehörte. Hans-Jochen Vogel hat die Arbeit der Akademie bis zuletzt aufmerksam verfolgt und immer wieder auch in Briefwechseln und Telefonaten kommentiert. Das letzte Mal war er im Oktober 2017 persönlich in der Akademie, als sein Bruder Bernhard Vogel einen Festvortrag anlässlich des 75. Geburtstages des früheren Direktors der Akademie für Politische Bildung Heinrich Oberreuter gehalten hat. Das Bild von den Brüdern, die im Anschluss an die Veranstaltung gemeinsam im „Seestüberl“ saßen, bleibt denen, die dabei sein durften, unvergessen.

Ein liebenswürdiger und kluger Ratgeber

Am Sonntag ist Hans-Jochen Vogel im Alter von 94.Geburtstag verstorben. „Wir hätten seinen Sachverstand, seinen Rat und seine Hartnäckigkeit so gern noch viel länger an unserer Seite gewusst. Aber wir trauern nicht nur um ihn, sondern wir danken ihm: Für seine Klugheit und Umsicht. Vor allem aber danken wir ihm für den Entwurf des Akademiegesetzes, das die zentrale Grundlage dafür gelegt hat, dass die Akademie werden konnte, was sie heute ist: Ein überparteiliches Forum für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, ein bundesweit hoch geschätztes Kompetenzzentrum für politische Bildung und eine unabhängige Forschungsstätte, die sich um ihre Finanzierung auch in Zeiten von Corona keine Sorgen machen muss. Wir verneigen uns vor einer großen Persönlichkeit und trauern um einen liebenswürdigen und klugen Ratgeber“, schreibt Akademiedirektorin Ursula Münch.

po

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