Gutachter in der Kritik

Vier Tage waren für die Verhandlung am Verwaltungsgericht München II angesetzt. Nach dem vierten Verhandlungstag jedoch stand fest, dass es eine Entscheidung über den genehmigten Geschäftsreiseflugverkehr am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen nicht vor Herbst geben wird. Erst im Oktober soll der Prozess fortgeführt werden. In Kritik geriet der hydrogeologische Gutachter.

Waren es am ersten Verhandlungstag noch um die 80 Fluglärmgegner, die am Verwaltungsgericht München II dem Auftakt des Prozesses beiwohnten, ist das Interesse mittlerweile auf rund 30 Zuhörer geschrumpft. Behandelt wurden bisher unter anderem die möglichen Gefahren für das Trinkwasser und zusätzliche Lärmbelästigungen. Für Überraschung sorgte Johannes Straub vom Büro Geotechnik und Umweltfragen Schott & Partner (BGU). Er war von den Klägern beauftragt worden, Stellung zum Trinkwasser zu nehmen. Entgegen seines Gutachtens vom Dezember 2007 prognostizierte Straub nun ein erhebliches Gefahrenpotenzial für das Grundwasservorkommen. Insbesondere Enteisungsmittel könnten nicht abgebaut werden und gelangen so ins Erdreich, betonte er. Straub musste sich nun von Uwe Büchner, Leiter des Luftamts Sübayern, vorhalten lassen, im Dezember 2007 ein gegenteiliges Gutachten angefertigt zu haben. Sowohl im Umweltausschuss in Germering als auch im Gemeinderat in Gilching hatte er vorgetragen, vom Flugverkehr gehe kein zusätzliches Risiko fürs Trinkwasser aus. Im Genehmigungsbescheid vom 23. Juli 2008 für die Zulassung auf Geschäftsflieger wird ebenfalls auf das Straub-Gutachten Bezug genommen. „....die am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen verwendeten Enteisungsmittel entsprächen dem Stand der Technik. Der erhöhte Verbrauch von Enteisungsmitteln habe keine relevanten Auswirkungen auf das Grundwasser...„ Beeinträchtigungen durch Reifenabrieb oder „sonstige Verfrachtungen“ stufte der Gutachter im November 2007 gleichfalls als gering ein. Woher der Meinungsumschwung kommt, konnte Straub dem Gericht nicht erklären. Er begründete es damit, dass sich seit Anfang 2008 viel getan hat. Büchner wiederum erläuterte, dass am Flughafen bereits umfassende Regelungen zum Gewässerschutz und zur Wasserwirtschaft umgesetzt wurden. Unter anderem finden halbjährlich Probeentnahmen und Analysen der Wasserproben statt. Auch das Landratsamt hatte im Genehmigungsverfahren Stellung genommen und festgestellt, dass es im Gebiet der Flughafengemeinden im Vergleich zum Flughafenareal ein Vielfaches an Straßenflächen gibt, die Eisfrei gehalten werden. Im Übrigen setze die EDMO-Flughafenbetreibergesellschaft seit Jahren die dem neuesten Stand der Technik entsprechenden biologisch abbaubare Enteisungsmittel ein, und dies ohne behördliche Anordnung. Fazit des Richters nach den ersten Verhandlungstagen: „So, wie es dargestellt wird, müsste der Flughafen sofort schließen. Aber keiner kann mir schlüssig erklären, weshalb.“

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