Handy und Internet als Jugendfalle

Kriminalhauptkommissar Rainer Richard informierte im Otto-von-Taube-Gymnasium über die Gefahren aus dem Netz Foto: Kuhn

Mit dem richtigen Umgang mit den neuen Medien beschäftigte sich im Otto-von-Taube-Gymnasiums der Kriminalhauptkommissar und Internetfahnder im Münchner Polizeipräsidium, Rainer Richard. Handy, Mobbing und Computerspiele – im Internet lauern etliche Gefahren für Kinder und Jugendliche, warnte er nicht nur die anwesenden Eltern.

Harmlose Seiten, die plötzlich das Privatleben ausforschen, Digital-Fotos, die man besser nicht verbreiten sollte, oder Computer-Spiele der übelsten Art. Internetfahnder Richard kennt die Schattenseiten. Er will Eltern aufklären, wie sie ihre Kinder schützen können. „Ein weites Feld, das uns alle angeht“, so die Elternbeiratsvorsitzende Jasmin Klingan. Der stellvertretende Schulleiter Jürgen Kaletta war an dem Infoabend unter den Gästen wie auch Hans-Joachim Stumpf vom Direktorat sowie Bürgermeisterin Brigitte Servatius. Der Erlös aus den Einnahmen fließt übrigens in das Präventionsprogramm der Schule. Dem Internet-Polizisten liegen Jugend- und Medienschutz am Herzen. Er selbst hat einen 21-jährigen Sohn. Internet und Handy seien längst auf Siegeszug durch die Kinderzimmer. Das Handy als das Statussymbol. Laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Medienverbandes Südwest besitzen 99 Prozent aller zwölf bis 18-Jährigen ein Handy, davon haben wiederum 79 Prozent ein internetfähiges Mobiltelefon. Abgesehen von den teuren monatlichen Kosten sieht Richard das größte Problem in der Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Im Zeitalter der Handyfotografie ist es ein Leichtes, Bildaufnahmen bei jeder Gelegenheit anzufertigen und in die Welt hinaus zu schicken. Kinder und Jugendliche werden zu Opfern. Die neue technische Vielfalt an Aufzeichnungsmöglichkeiten hat jüngst dazu geführt, dass im Internet regelmäßig Videoaufnahmen aus Umkleidekabinen, Toiletten und Sonnenstudios kursieren. Wer solche Bilder unbefugt schießt, mache sich nach Paragraph 201a strafbar, erläuterte der Haupthommissar. Bei der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen drohen empfindliche Geld- wie auch Freiheitsstrafen. Das Happy Slapping (engl. für „lustiges Schlagen“) breitet sich auch immer mehr aus. Jugendliche schlagen munter auf Passanten, Mitschüler oder Lehrer ein. Die Angriffe werden gefilmt und anschließend im Internet veröffentlicht oder per Handy verbreitet. Kaum noch überschaubar seien im Internet pornographische Filme, gewaltverherrlichende Schriften wie auch Killervideos, so Richard weiter. Allein auf der Webseite von „lachmeister“ fänden sich über 200 Filme, die nicht für Jugendliche unter 18 Jahren geeignet seien. Widerlichste, reale Gewaltvideos, bei denen Menschen sogar zu Tode kommen, werden verstärkt von Jugendlichen konsumiert. Die Zahlen seien erschütternd so der Hauptkommissar. Schon vor drei Jahren fanden sich laut der JIM-Studie bei 77 Prozent der Jugendlichen Gewaltvideos. 72 Prozent davon waren im Besitz selbst gedrehter Gewaltvideos. Ein absolutes Muss für die Jugendlichen, um mitreden zu können und vor allem sozial anerkannt zu sein. Wer solche Filme meidet, gilt als Feigling, Weichei und wird zum Außenseiter. Killervideos dienen zur Unterhaltung, aber auch um andere zu schocken, wusste Richard. An dieser Stelle sind vor allem die Eltern gefragt. Sie müssen das Selbstvertrauen ihrer Kinder stärken. Um Kinder vor solchen Inhalten zu schützen, können technisch gesehen Sperren eingerichtet werden. Mittels GPRS Sperre haben jüngere Kinder keinen Zugang zu WAP und Internet. „Eltern sollten ihre Kinder beim Surfen im Netz mehr begleiten“, wünschte sich Richard und spricht damit die Unerfahrenheit der Kids an. Schneller als man denkt wird man nicht nur in kostenpflichtige Abofallen gelockt, sondern auch auf Seiten mit gefährlichen Inhalten weiter geleitet. Hier empfiehlt sich die Nutzung kindergerechter Provider wie bei kandymobile.de. Diese bieten neben einer Kostenkontrolle auch gleichzeitig eine Ortung des Handys an. Nützliche Tipps für Eltern bietet ferner die Internetseite: www.jugend-und-handy.de. Drei Viertel aller jungen Deutschen hat Erfahrung mit online-Communities. Ein sehr leidiges Thema in der virtuellen Welt ist das Mobbing. Das sogenannte Cyber-Mobbing beginnt bei der üblen Nachrede, Beleidigung, Bedrohung bis hin zur Verleumdung und Körperverletzung. Peinliche Fotos werden auf YouTube oder Facebook eingestellt, Profile werden gefälscht, Identitäten werden geklaut. Wenn ein Foto erst mal im Netzt eingestellt ist, wird es zum Selbstläufer. „Das kriegen sie nie mehr raus“, so Richard. Auch wenn seit 2006 Handys aus bayerischen Schulen verbannt sind, stellt sich die Frage wie können Schulen reagieren? Als präventive Maßnahmen nennt Richard vor allem eine Sensibilisierung der Kinder. Gemeinsame Regeln im Umgang mit anderen aufstellen, Streitschlichter einsetzen, Beweise sammeln und vor allem den Opfern glauben und diese schützen. In ganz schweren Fällen sollte die Polizei eingeschaltet werden. Eine weitere Gefahr bringt die zunehmende Verbreitung jugendgefährdender Medien und Schriften mit. Killer- oder rechtsradikale Spiele, bei denen man virtuell versucht Menschen mit Gas umzubringen sind hoch im Kurs. Rollenspielen wie „World of Warcraft“ können fatale Auswirkungen haben. Spiele dieser Art haben kein Ende. Daraus ergibt sich ein hohes Suchtpotential, warnte der Polizist. Tipps zur neutralen Bewertung von altersgerechten Spielen gibt’s im Internet unter der Adresse www.games-wertvoll.de.

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