Hartl seit 1. März bei der AGAS

Starnberg – Wolfgang Hartl ist von Geburt an Spastiker – und ein hervorragendes Beispiel für die erfolgreiche Integration Behinderter: Der 47-jährige promovierte Kunstgeschichtler und Sozialpädagoge ist seit 1. März in der „Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung von Arbeitssuchenden im Landkreis Starnberg“ (AGAS) als interner Controller halbtags beschäftigt. „Wir haben diesen Versuch als Hartz-IV-Behörde selber gestartet und sind mit seiner Arbeit qualitativ äußerst zufrieden – manches geht halt etwas langsamer, aber es ergibt sich eine ganz neue Arbeitsatmosphäre“, schilderte Geschäftsführer Gerhart Schindler beim Pressegespräch vergangenen Donnerstag seine positiven Erfahrungen.

Laut der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Petra Seidl, ist die Arbeitslosenquote bei behinderten Menschen im August gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 17,3 Prozent (in absoluten Zahlen: von 75 auf 88) angestiegen: „Nur noch die Altersgruppe der 50- bis 65-jährigen Arbeitslosen übertrifft mit einem Plus von 24 Prozent diese Zahlen.“ Die Besorgnis erregenden Zahlen bei behinderten Arbeitslosen seien nur zum Teil Folge der Wirtschaftskrise und lägen nicht zuletzt an mangelnder Bereitschaft und Kreativität vieler Arbeitgeber, die bei vermittelten Hartz-IV-Leistungsempfängern immerhin 75 Prozent der Lohnkosten bezuschusst bekämen. Dabei heißt es in Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Gerhart Schindler hatte kurz nach der Kommunalwahl 2008 sämtliche Landkreisgemeinden angeschrieben, um behinderte Arbeitslose im öffentlichen Dienst oder bei hiesigen Betrieben unterzubringen: „Da kamen kaum Antworten, und das erzürnt mich bis heute“, so Schindler. Gerade der öffentliche Dienstgeber sei verpflichtet, bei der Integration Behinderter mit gutem Beispiel voran zu gehen. Die „AGAS“ hat mit drei von 40 Arbeitsplätzen ihr Soll derzeit sogar übererfüllt – ab 20 Stellen sind im öffentlichen Dienst fünf Prozent der Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen zu reservieren. „Für mich ist dieser Platz hier enorm wichtig – sozial wie finanziell“, sagt Wolfgang Hartl selbst: Arbeit, ein Stück Menschenwürde. Die Eltern des Geisenbrunners sind Rentner und nun überglücklich, dass er eine Beschäftigung gefunden habe, die es ihm ermögliche, zum Beispiel seinen „Arbeitsassistenten“ Mike Lindner aus eigener Tasche zu bezahlen. Die freie Wirtschaft wiederum ist leider nach wie vor zögerlich, Menschen mit Behinderung anzustellen, „trotz vielfältiger Förderprogramme und Bezuschussungen“, merkt Petra Seidl an. Gerhart Schindler vermutet Informationsdefizite: „Wir vermitteln nur hoch motivierte Leute, die ein echter Gewinn wären für jeden Betrieb!“

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