Hausbau im Fokus

Es sind Zahlen, die man bisweilen nicht glauben mag: Alleine im Landkreis Starnberg werden jedes Jahr etwa 4.900 Millionen Kilowattstunden Energie verbracht. Für die stolze Summe von 470 Millionen Euro, die vom Verbraucher getragen werden. Im Landkreis bleibt von dem Geld allerdings kaum etwas, weil die Energie meist aus fossilen Brennstoffen stammt, die teuer importiert wird. Der Verein „Energiewende Landkreis Starnberg“ will diesem Trend entgegen wirken und setzt dabei auf Aufklärungsarbeit. Denn es gibt eine Vielzahl von Alternativen, die nicht nur der eigenen Brieftasche gut tun, sondern vor allem die Umwelt schonen. Nun hat auch Herrsching eine eigene Ortsgruppe.

Vorsitzender ist Gert Mulert, der sich in der Agenda-Gruppe bereits seit Jahren für eine umweltschonendere Energiegewinnung stark macht. Mit der Bürgersolaranlage ist jüngst unter seiner Regie das größte Alternativprojekt umgesetzt worden. Im steht der Energieberater Horst Reinheimer als Delegierter für die Kreisversammlung zur Seite. Die Bildung von Ortsgruppen gehört zu den satzungsgemäßen Zielen des 2007 gegründeten Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2005 umzusetzen. In dem Beschluss von vor vier Jahren strebt der Landkreis Starnberg an, sich bis 2035 vollständig mit regional verfügbaren alternativen und erneuerbaren Energien zu versorgen. Die neugegründete Ortsgruppe fängt freilich nicht bei Null an, sondern kooperiert eng mit dem Arbeitskreis Energie der Herrschinger Agenda 21. Die mittlerweile 90 Mitgliedern aus 13 Gemeinden wollen die Aktivitäten von Kreis und Kommunen bei Planung und Umsetzung der Energiewende unterstützen. Dafür möchte man alle wichtigen Organisationen, Institutionen, Unternehmen und möglichst viele Bürger einbinden. Wie Gert Mulert vor rund 15 interessierten Zuhörern im „Seehof“ versicherte, sei die Energiewende keine leichte Aufgabe: Denn, um das Ziel zu erreichen, müsse der heutige Energieverbrauch um rund 75 Prozent gesenkt und zugleich 20 Mal mehr alternative und erneuerbare Energie erzeugt werden. „Das Ziel ist zu erreichen, wenn wir pro Jahr etwa drei Prozent an fossiler Energie einsparen“, sagte Mulert. Damit nicht genug: Über einen (alternativen) käme man dem selbst gesteckten Ziel schon recht nahe. Erhebliches Einsparungspotential gibt es laut Horst Reinheimer vor allem beim Hausbau beziehungsweise bei der nachträglichen Dämmung. In seinem engagierten Vortrag stellte er die Zukunft der Ölheizung in Frage. Die „klassischen Energieformen“ werden immer teuerer, Energie sei zudem ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, das ausgegebene Geld dafür verlasse aber den Landkreis in Richtung der großen Versorger, kritisierte Reinheimer. Rund 90 Prozent werde für Wärme in Gebäuden und Wohnungen und Warm-Wasser benötigt, führte der Energieberater weiter aus. Gerade beim Hauskauf würden heute viele Bauherrn der Energiebilanz nach wie vor wenig Beachtung schenken. Reinheimer rechnete vor, dass sich ein Differenzbetrag von rund 20.000 Euro für ein Passivhaus gegenüber der herkömmlichen Bauweise nach der 2002 verabschiedeten Energieeffizienz (EnEV) bereits nach ein paar Jahren wieder amortisiert hätten. „Nehmen wir einen Energiepreisanstieg von sieben bis acht Prozent, so haben sie die Ausgaben noch schneller drin.“ Intelligente Belüftungssysteme oder Wärmespeicher an der Wand-Südseite böten weitere Ressourcen, Häuser energetisch optimal zu bauen oder zu sanieren. Das nächste Treffen findet am Dienstag, 7. Juli, um 20 Uhr im Gasthof Mühlfeldbräu statt. Weitere Infos gibt’s auch unter www.Energiewende-sta.de.

Meistgelesen

B2-Tunnel Starnberg: Baufreigabe erteilt
B2-Tunnel Starnberg: Baufreigabe erteilt
Starnberg: Wenn die Schwester beim Bruder im Handy-Laden vorbeischaut...
Starnberg: Wenn die Schwester beim Bruder im Handy-Laden vorbeischaut...
Weltwassertag: AWA will Missstände aufzeigen
Weltwassertag: AWA will Missstände aufzeigen
Gilchinger Heimatmuseum "Schichtwerk" im Werson-Haus eröffnet
Gilchinger Heimatmuseum "Schichtwerk" im Werson-Haus eröffnet

Kommentare