Tablettensucht als Ursache

Haushälterin bestiehlt Familie - Anklage vor dem Amtsgericht

Eine Gautinger Haushälterin rutsche wegen ihrer Tablettensucht auf die schiefe Bahn. Unlängst musste sie sich wegen ihrer Vergehen vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten (Symbolbild).
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Eine Gautinger Haushälterin rutsche wegen ihrer Tablettensucht auf die schiefe Bahn. Unlängst musste sie sich wegen ihrer Vergehen vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten (Symbolbild).

Krailling - Ihre Tablettensucht führte eine Gautinger Familienmutter auf Abwege. Bereits zwei Mal ist die 66-Jährige wegen Diebstahl vorbestraft. Jetzt musste sie sich erneut wegen Diebstahl vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten.

Laut Anklagevorwurf machte die als Haushälterin in einem Kraillinger Anwesen tätige Angeklagte in den Jahren 2017 und 2018 mehrfach lange Finger. Die betroffene Kraillinger Familie listete entwendete Gegenstände im Gesamtwert von etwa 10.000 Euro auf. Darunter vor allem Modeschmuck, aber auch Travellerschecks sowie Geldscheine verschiedener Währungen. Der Anwalt der Gautingerin bezifferte das Diebesgut jedoch bei lediglich 1100 Euro. Offenbar hatte auch schon die Vorgängerhaushälterin einige Dinge mitgehen lassen, die der Angeklagten zunächst zu Unrecht angelastet wurden. Letztlich hatte man sich bereits im Vorfeld des Prozesses auf eine Zahlung von 5000 Euro seitens der Angeklagten geeinigt. 

Im Sitzungssaal äußerte sich die Gautingerin offen zu den Tathintergründen: „Vor gut zehn Jahren habe ich Tavor verschrieben bekommen und bin immer weiter in die Sucht hineingeraten.“ Im Mai 2018 dann die Kehrtwende. Die 66-Jährige unterzog sich einer stationären Therapie. „Ich war in der Psychiatrie. Es war ein sehr schlimmer Entzug.“

Auch die beiden vorangegangenen Diebstahlstaten stehen in engem Zusammenhang mit der Tablettensucht. Einmal hatte die Haushälterin bereits nach gleicher Manier in einem Gräfelfinger Haushalt lange Finger gemacht. Ein anderes Mal vergriff sie sich an Rezeptformularen und stellte sich selber Tabletten-Rezepte aus.

„Ich schäme mich sehr. Das ist passiert. Ich kann es nicht mehr rückgängig machen.“ Betontermaßen lebe die verheiratete Angeklagten in sehr stabilen und geordneten Verhältnissen und sei lediglich durch die tabletteninduzierte Enthemmung zur Täterin geworden. „Das Medikament hat Rauschgiftfunktion und führt in jedem Fall zur Enthemmung. In der Entzugsklinik ist ihr gesagt worden, dass es zu Empfindungen kommt, in dem Beriech, dass Gegenstände mitgenommen werden“, so ihr Rechtsanwalt.

Ausdrücklich betonte der Verteidiger, dass seine ihm bereits länger Mandantin die Sucht nun völlig überwunden habe: „Sie hat sich wirklich geändert. Eine Selbstheilung. Sie ist von den Medikamenten jetzt ganz losgekommen.“ Die Gautingerin ließ auch in ihrem Schlusswort ehrliche Reue erkennen: „Ich möchte mich nochmal zutiefst entschuldigen, dass sich das Vertrauen der Familie missbraucht habe.“ 

Vor dem Hintergrund der geschilderten positiven Entwicklungen sah Richterin Christine Conrad sich im Stande, von einer Freiheitsstrafe absehen. Die verhängte Geldstrafe bemisst 180 Tagessätze à 40 Euro. „Es war kein sehr hochwertiges Diebesgut, Ihr Geständnis war von ehrlicher Reue und Scham getragen und Sie haben den Schaden bei weitem in finanzieller Hinsicht wieder gutgemacht“, hielt die Amtsrichterin der Angeklagten nach der Urteilsverkündung zu Gute. 

Nilda Frangos

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