Haushaltslage ist zu knapp

Eine Komplettsanierung der Tutzinger Turnhalle und des Hallenbades ist für die Gemeinde nicht finanzierbar. Foto: Jaksch

Entgegen den Hoffnungen vieler Tutzinger Gemeinderäte und Bürger ist eine Komplettsanierung von Schwimmbad und alter Turnhalle nicht finanzierbar: Das Plenum beschloss kürzlich mit Rücksicht auf die Haushaltslage der Gemeinde, sich auf eine knapp 400.000 Euro teure reine Betonsanierung des Gebäudes zu beschränken – diese ist laut Bauzustandsanalyse des Ingenieurbüros Hausmann+Rieger unverzichtbar, um wenigstens den Weiterbetrieb der Halle zu gewährleisten.

Diese bleibt aus Sicherheitsgründen bis mindestens zum Beginn des Schuljahres 2011/2012 beziehungsweise bis nach erfolgter Sanierung geschlossen. „Selten so viel Öffentlichkeit in einer Sitzung er-lebt“, stellte Bürgermeister Stephan Wanner zu Beginn der Gemeinderatssitzung fest: Zahlreiche Nutzer des Hallenbades, Sportler, Schüler und schwimmbegeisterte Senioren, waren gekommen, um ihr Interesse an dieser Einrichtung zu bekunden. In der Debatte wurde dann bald deutlich, dass Tutzing schlicht kein Geld hat, die große Sanierungslösung für Halle und das 1969 errichtete, inzwischen undichte Bad zu stemmen: „Für die Standfestigkeit des Gesamtgebäudes sind erhebliche Sanierungen am Tragwerk nötig“, zog Diplomingenieur Harald Kienlein Bilanz. Die durch bereits korrodierten Eisenteile im Beton würden zunehmend ihre Tragfähigkeit verlieren – somit drohe ohne eine Sanierung des minderwertigen Betons über kurz oder lang Einsturz der Zwischendecke, so das unmissverständliche Fazit des Fachmanns. Von den vier skizzierten Optionen – 1. Stilllegung Bad und Sanierung Turnhalle (396.000 Euro); 2. Sanierung Bad einschließlich Turnhallenbetrieb (770.000 Euro); 3. Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes, Erneuerung der Anlagentechnik, Sanierung des Umkleide- und Sanitärbereichs sowie der Fassade (1,2 bis 1,6 Millionen Euro); 4. Abbruch und Neubau Turnhalle (1,5 bis 2,1 Millionen Euro) kam für die Gemeinderäte bald nur noch die kostengünstigste in Frage, zumal Tutzing zum Weiterbetrieb der Halle für den Schulunterricht quasi verpflichtet ist: „Ohne Wenn und Aber ist das so – und wir verbrenne damit auch kein Geld“, sagte Wanner. Zuschüsse des Freistaats für das Hallenbad in Höhe von knapp 100.000 Euro müsse man im Fall einer anerkannten Notlage der Gemeinde wohl auch nicht zurückzahlen, hofft man auf – hier komme es auf Verhandlungsgeschick an. Ganz klar war indes der Tenor hinsichtlich der Tutzinger Kassenlage: „Erst brauchen wir mal einen Kämmerer und dann einen Haushalt!“, erinnerte Uli Kratzer (ÖDP) an die Prioritäten. „Der Druck der Zahlen zwingt schon jetzt zu einer Entscheidung“, meinte Gernot Abendt (SPD), nachdem sich einige Ratskollegen gerne noch Zeit gelassen und die Haushaltsberatungen abgewartet hätten. Christine Nimbach (Grüne) war da schon völlig ernüchtert: „Wir können uns eigentlich gar nichts mehr leisten.“ Der 2. Bürgermeister Peter Stich (CSU) warnte: Wenn Tutzing nicht aufpasse, drohe Zwangsverwaltung.

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