„Willkommen auf der Erde“

Hebamme aus Weßling hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben

Weßling Buch
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Petra Schurian-Krassnig hat ein Buch über ihre Hebammentätigkeit geschrieben.
  • vonFlorian Ladurner
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Weßling – Als Hebamme half Petra Schurian-Krassnig 3000 Kindern auf diese Welt – und setzte dabei auf Eigenverantwortlichkeit und nach Möglichkeit auf die natürliche Geburt. Erst in ihrer österreichischen Heimat und später in Ägypten. Erlebt hat die 63-Jährige dabei rührige, berührende, glückliche, aber auch tragische Augenblicke, die sie jetzt in ihrem Buch „Willkommen auf der Erde“ in 56 Kurzgeschichten zusammengefasst hat.

Der Berufswunsch Hebamme begleite sie bereits seit ihrer Kindheit, erzählt die 63-Jährige. Wahr geworden ist dieser Wunsch schließlich mit 35 Jahren – und den Ausbildungsplatz besorgte ihr kein geringerer als Josef Dr. Jörg Haider. Allerdings erst, nachdem die vierfache Mutter zu Hause alles stehen und liegen gelassen hatte und in Hausschuhen und mit Brotteigresten an den Händen in sein Büro stürmte. Energisch forderte sie von Kärntens ehemaligem Landeshauptmann den Ausbildungsplatz, erzählt sie. Denn das habe er ihr einmal während einer Veranstaltung versprochen. So leidenschaftlich wie sie sich ihren Traumberuf erstritten hat, so leidenschaftlich setzte sie sich während ihrer ihres Wirkens als Hebamme für die Frauen ein. In Kärnten bot sie erst Hausgeburten an und baute später mit ihrem verstorbenen Ehemann ein Entbindungsheim auf. Als „resolute und experimentierfreudige Hebamme“ machte sie sich für die sanfte Entbindung stark, die nach Möglichkeit ohne Medikamente oder Kaiserschnitt und Dammschnitt auskommt.

Bereits Anfang der 1990er Jahre griff sie auf die seinerzeit bei den Ärzten verpönten Hilfsmittel wie den Gebärhocker oder die Wassergeburt zurück. Mit ihrem Buch möchte sie auf die medizinische Bevormundung aufmerksam machen und die Eigenverantwortung der Frauen im Geburtsprozess stärken, erklärt die Österreicherin, die seit 2015 in Weßling lebt. „Jede Geburt ist etwas Besonderes und ein unwiederbringlicher Moment“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Für sie persönlich war das nicht immer so – und ihre dramatische dritte Entbindung sollte der Auslöser dafür werden, dass sie sich schließlich für die Hebammenausbildung bewarb. Damals wollte ein Arzt die Geburt viel zu früh einleiten, schildert sie es im ersten Kapitel. Sie weigerte sich, woraufhin der „Herr Primarius“ sie untersuchte. „Im selben Moment spürte ich in mir einen deutlichen Knacks und warme Flüssigkeit rann aus mir heraus“, schreibt sie und war sich sicher: „Jetzt hat er meine Fruchtblase geöffnet.“ Viel zu früh kam ihr dritter Sohn auf die Welt, sodass er verlegt werden musste und die Mutter ihren Sohn erst nach langem Bangen in den Armen halten durfte. Eine prägende Erfahrung, die ihren Kampfgeist für die Frauen weckte, den sie auch abenteuerlich in Ägypten focht, wo sie sechs Jahre lebte. Denn in dem arabischen Land würden die Frauen immer mit Kaiserschnitt entbunden, blickt sie in dem entsprechenden Kapitel zurück. Nur in ihrer Praxis nicht.

Geburt braucht Geduld, Vertrauen, Aufmerksamkeit, Erfahrung und Intuition“, weiß sie und betont, dass jede Frau ein anderes Bedürfnis habe. Auf 383 Seiten teilt sie Erlebtes und verrät viele ihrer Geheimnisse, wie die „Geburt zum Fest werden kann“. Etwa mit Hintergrundinformationen zur Wassergeburt, wie man individuell die beste Geburtsform erkennt oder verschiedene Hilfsmittel für Schwangere und Gebärdende aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, die die natürlichen Abläufe unterstützt.

Erschienen ist „Willkommen auf der Erde“ ist im Eigenverlag und kostet 19,80 Euro.

Michèle Kirner

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